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Bürger sollen bei der Altenpflege mithelfen

Bürger sollen bei der Altenpflege mithelfen

Im Frühjahr 2014 will die Stadt ein Konzept vorlegen, wie die Pflege alter Menschen in den nächsten Jahrzehnten in Trier funktionieren soll. Dazu hat das Land die Kommune per Gesetz verpflichtet. Erarbeitet wird das Konzept vom Sozialplanungsbüro Kappenstein.

Trier. Auch in Trier gibt es nicht nur immer mehr alte Menschen, sondern auch immer mehr Senioren, die nicht mehr alleine zurechtkommen und zu Hause oder in einer Einrichtung betreut werden müssen (siehe Extra). Die wachsende Zahl Pflegebedürftiger lässt die Kosten explodieren. Gleichzeitig gibt es jetzt schon zu wenige Altenpfleger und -pflegerinnen. Das Problem wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Wie es in Trier gelöst werden könnte, soll ein Pflegestrukturplan zeigen, der innerhalb der nächsten zwölf Monate aufgestellt wird.
Sich solch strukturierte Gedanken über die Zukunft und Sicherstellung der Pflege zu machen, dazu sind die Kommunen gesetzlich verpflichtet. Das Landesgesetz sieht dabei ausdrücklich vor, dass die Gemeinden in ihre Überlegungen einbeziehen müssen, wie die Bürger an der Pflege beteiligt werden können - und zwar ehrenamtlich. "Nicht nur aus finanziellen Gründen werden wir in Zukunft nicht darauf verzichten können, dass Bürger sich bei der Pflege einbringen müssen. Auch aus menschlicher Sicht ist das wichtig: Die Versorgung durch Nachbarn und Familie hat eine ganz andere Qualität als die Pflege in einer Einrichtung oder durch einen Pflegedienst", betonte Triers Sozialdezernentin Angelika Birk kürzlich bei einer Sitzung des von ihr geleiteten Dezernatsausschusses II.
Auch aus einem anderen Grund wird die Gesellschaft auf bürgerschaftliche Hilfe in Sachen Pflege angewiesen sein: Es gibt schlichtweg zu wenige professionelle Altenpfleger und -pflegerinnen: Insgesamt arbeiten in der Region Trier zwar rund 13 000 Kräfte in der Kranken- und Altenpflege. 800 weitere Stellen sind allerdings unbesetzt. Deutschlandweit hat sich die Nachfrage nach Altenpflegern in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Die Zahl der offenen Stellen beträgt derzeit 14 000, im Jahr 2008 waren es 4500 gewesen (der TV berichtete).
Gesetz gibt Planungsvorgaben


Neben dem ehrenamtlichen Engagement gibt das "Landesgesetz zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur" weitere Planungsvorgaben: "Ambulante Pflege und Behandlung sollen grundsätzlich Vorrang haben vor stationären Behandlungen. Und Prävention und Rehabilitation sollen mehr Bedeutung eingeräumt werden gegenüber der Therapie", erklärte Peter Kappenstein, der mit seinem Planungsbüro im Auftrag der Stadt den Pflegestrukturplan erarbeitet, bei der Sitzung des Dezernatsausschusses.
Der Pflegestrukturplan soll außerdem zum Beispiel aufzeigen, wie die Stadt neue Wohnformen - zum Beispiel Senioren-Wohngemeinschaften - unterstützten kann oder wo es beim flächendeckenden Beratungsangebot noch Lücken gibt.
Auch sind Teile des Gesamtkonzepts, ob und wo alte Leute in ihren Stadtteilen einkaufen oder einen Kaffee trinken gehen können und wie Pflegebedürftigen ermöglicht werden kann, am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben weiter teilzunehmen.
Sozialplaner Peter Kappenstein hat Erfahrung mit der Materie: Für den benachbarten Landkreis Trier-Saarburg hat er bereits vor zwei Jahren einen Pflegestrukturplan aufgestellt (der TV berichtete).Extra

Das Konzept, wie die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Trier in der Zukunft funktionieren soll, der sogenannte Pflegestrukturplan, soll im März 2014 vorliegen. Die Erarbeitung ist in zehn aufeinanderfolgende Schritte aufgeteilt: Eine Planungsgruppe wird eingerichtet mit Vertretern von Stadt und Pflege-Organisationen und -Einrichtungen Die grundlegenden Daten werden erhoben, zum Beispiel welche stationären, teilstationären und ambulanten Dienste bereits existieren und wie viele pflegebedürftige Menschen es in Trier in den nächsten Jahrzehnten gibt. Aus den Daten wird abgeleitet, welchen zusätzlichen Bedarf es gibt und wo Lücken bestehen. Aus den Ergebnissen wird ein Handlungskonzept abgeleitet, also welche und wie viele Einrichtungen, Pflegewohngruppen, Besuchsdienste, Vermittlungsangebote eingerichtet werden müssen. Das Handlungskonzept soll in einer ersten Pflegekonferenz mit Bürgern und allen Beteiligten diskutiert werden. In einem Workshop sollen zusammen mit Bürgern die Umsetzungsmöglichkeiten des Handlungskonzepts erarbeitet werden. Das Handlungskonzept wird entsprechend den Erkenntnissen aus Pflegekonferenz und Workshop überarbeitet. Ende 2013 soll bei einer zweiten Pflegekonferenz das überarbeitete Handlungskonzept vorgestellt werden. Anfang 2014 sollen die Ergebnisse dann öffentlich präsentiert werden. Im März 2014 soll der Pflegestrukturplan in seiner endgültigen Fassung vorliegen. wocExtra

Das Statistische Landesamt hat 2009 in ganz Rheinland-Pfalz Daten zum Pflegebedarf erhoben. Für Trier wurden folgende Zahlen ausgewiesen: Im Jahr 2009 gab es unter den 104 500 Einwohnern Triers 2210 Pflegebedürftige (2,1 Prozent), davon 650 Männer und 1560 Frauen. Rund 41 Prozent der Pflegebedürftigen wurden durch Angehörige gepflegt, knapp 22 Prozent erhielten ambulante Pflege, knapp 37 Prozent wurden in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt. Für das Jahr 2030 prognostiziert die Bertelsmannstiftung auf Grundlage der Daten des Statistischen Landesamtes in ihrer groß angelegten Studie Wegweiser Kommunen ( www.wegweiser-kommune.de ) folgende Steigerungen: Die Einwohnerzahl Triers wird auf 108 510 Menschen wachsen, davon werden 2 730 Menschen (2,5 Prozent) pflegebedürftig sein. Betrug die Zahl der über 65-Jährigen im Jahr 2009 noch 28,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung, werden das im Jahr 2030 36,7 Prozent sein. Der Anteil der Trierer, die 80 Jahre und älter sind, wird von 5 620 Menschen (5,4 Prozent der Gesamtbevölkerung) auf 6 360 (5,9 Prozent) steigen. woc