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Bürgerbus: Die Fidei gibt Gas

Bürgerbus: Die Fidei gibt Gas

Auf der Fidei soll im kommenden Jahr der erste Bürgerbus der Region fahren. Die Gemeinde Zemmer, der Schönfelder Hof und das Busunternehmen Walscheid wollen für dieses Modellprojekt einen Trägerverein gründen.

Zemmer/Orenhofen. "Wir gehen den Bürgerbus nächstes Jahr an", sagt Zemmers Ortsbürgermeister Edgar Schmitt. Im "Schönfelder Hof", wo der Verein Barmherzige Brüder Trier etwa 450 Menschen mit einer psychiatrischen Beeinträchtigung betreut, hat Schmitt einen Partner für das Projekt Bürgerbus gefunden. Fahrten mit Kleinbussen sollen Lücken im öffentlichen Beförderungsnetz schließen. Das heißt, Bürger aus Zemmer und den Ortsteilen Schleidweiler, Rodt und Daufenbach, möglicherweise auch aus Orenhofen (Eifelkreis Bitburg-Prüm), kämen auch noch am späten Abend ohne eigenen fahrbaren Untersatz nach Hause. Beispielsweise könnten Bürger nach dem Kino-, Theater- oder Disco-Besuch von Trier-Quint abgeholt werden. Bis dorthin fahren nämlich die städtischen Busse und die Bahn. Oder auch vom Bahnhof in Daufenbach, der von Linienbussen nicht bedient wird.

Auf die Idee, durch Fahrten mit dem Bürgerbus Defizite im Öffentlichen Personennahverkehr zu kompensieren, hatten Studenten der Uni Trier die Gemeinde Zemmer gebracht. Sie waren beim Erstellen einer Entwicklungsstudie für den Ort von Bürgern darauf aufmerksam gemacht worden, dass es an Verbindungen nach Trier, Bitburg, Wittlich und Speicher mangelt (der TV berichtete). Auch die schlechte Anbindung an den Bahnhof in Daufenbach sprachen einige Bürger an. Insbesondere besteht Mobilitätsbedarf an Wochenenden.

Der an der Entwicklungsstudie arbeitende Stadtplaner Christian Muschwitz hatte die Zemmerer dazu ermuntert, an der Studie seines Kollegen Andreas Kagermeier vom Lehrstuhl für Freizeit- und Tourismusgeographie der Uni Trier teilzunehmen. Professor Kagermeier ist seit 2006 Inhaber des Lehrstuhls. Er hat die wissenschaftliche Leitung des Landesprojekts "Bürgerbusse".

Man wolle als nächsten Schritt die Bevölkerung einladen, um die Ziele des Bürgerbus-Projekts zu definieren und einen Trägerverein zu gründen, schildert Ortsbürgermeister Schmitt die nächsten Projektschritte. Dem Verein sollen die Gemeinden Zemmer und (möglicherweise) Orenhofen angehören, der Schönfelder Hof und das Busunternehmen Walscheid aus Dudeldorf.

Einen Neunsitzer-Kleinbus stelle der Schönfelder Hof zur Verfügung, sagt dessen kaufmännischer Direktor Fred Olk. Allerdings müssten noch haftungsrechtliche Fragen geklärt werden.

Die Fahrer - aus Kostengründen sollen es Ehrenamtler sein - müssten zunächst beim Kreis einen Personenbeförderungsschein beantragen. Einen solchen Schein brauchen die vom Schönfelder Hof eingesetzten Fahrer, meist Rentner, nicht, wenn sie Bewohner der Einrichtung chauffieren.

Für Olk ist es wichtig, das wirtschaftliche Risiko überschaubar zu halten: "Wir müssen klein anfangen."

Meinung

Eine große Herausforderung

Viele wollen ihn, wenige sind bereit, für ihn ehrenamtlich zu arbeiten, und am Ende schauen oft alle in die Röhre. Aus der Idee, einen Bürgerbus ins Leben zu rufen, ist in den seltensten Fällen etwas geworden. Nur sechs Fahrzeuge kutschieren in Rheinland-Pfalz tatsächlich als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr Personen von Punkt A nach B. Deshalb sollte man auch in der Fidei die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Hoffnung macht allerdings die Teilnahme des Schönfelder Hofs. Hier leben etwa 100 potenzielle Nutzer, außerdem will die Einrichtung in der Anlaufphase kostenlos das Fahrzeug zur Verfügung stellen. Ähnlich wie bei den öffentlichen Linienbussen kann das Projekt jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn die Bewohner es annehmen. Sonst wird der Bürgerbus schneller in der Versenkung verschwinden, als er aufgetaucht ist. a.follmann@volksfreund.deEXTRA Bürgerbusse: Vor etwa 25 Jahren fuhr der erste Bürgerbus in Nordrhein-Westfalen. Heute laufen etwa 150 bundesweit. Die Fahrzeuge (Taxis, Kleinbusse) haben meist keinen starren Takt und keine feste Route, sondern bieten Einsätze nach Voranmeldung. Der Dienst wird von den Bewohnern selbst organisiert, die Fahrten sind günstig. Am Steuer sitzen meist Ehrenamtler, oft Rentner, die bereit sind, zum Wohle der Gemeinschaft Freizeit zu opfern. (alf)