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Bürgerhaus bewährt sich als Ersatz-Kita

Bürgerhaus bewährt sich als Ersatz-Kita

Nach der Schließung des Kindergartens Trierweiler (der TV berichtete) werden die Kinder vorübergehend im Sirzenicher Bürgerhaus und der dortigen Kita betreut. Eine Firma entsorgt heute in zwei Räumen Mineralwolle. Fachleute gehen nicht davon aus, dass in der Kita Trierweiler eine Gesundheitsgefahr besteht.

Trierweiler. Die erste Aufregung war verständlicherweise groß: Ist die Mineralwolle, die als Dämmstoff auf Decken der Kita Trierweiler liegt, für die Kinder gefährlich? Inzwischen sind Faserproben entnommen, die Raumluft wurde gemessen. Mit Ergebnissen rechnet die Gemeinde, die Trägerin des Kindergartens ist, spätestens am Montag. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt: In den Ausweichquartieren, der Kita und dem Bürgerhaus im Ortsteil Sirzenich, muss zwar viel improvisiert werden, aber der Betrieb läuft reibungslos.
Etwa 50 Eltern ließen sich am Sonntagabend von Ortsbürgermeister Matthias Daleiden über die Lage informieren. Helmut Gröber aus Trierweiler-Fusenich, selbst von der Kita-Schließung betroffener Vater und technischer Gutachter für Baustoffe, versuchte, den Eltern die Angst zu nehmen. Diese Wolle sei nichts Ungewöhnliches und in fast jedem älteren öffentlichen Gebäude zu finden. Gröber hat die löchrigen Akustikdecken der Kita untersucht. Sein Fazit: "Unter der Wolle ist ein Rieselschutz eingezogen. Vereinzelt gibt es minimale Leckagen, aber das führt vermutlich nicht zu einem erhöhten Wert." Gestern hat der Experte die porösen Stellen markiert. Sie werden zugespachtelt.
Entnahme nur mit Schutzmaske


Unterdessen laufen im Turnraum und einem Gruppenraum die Vorbereitungen für die Entnahme der Mineralwolle. Wie berichtet, sollen dort nach der Sanierung unter Mithilfe der Eltern zweite Spielebenen für die Kinder eingezogen werden. Ein Team der Firma BSM Bausanierung (Kenn) hat die Räume komplett mit Folie abgedichtet. Gestern zimmerten die Arbeiter einen luftdicht abgeschlossenen Schleusenkorridor. Er verbindet beide Räume und sorgt dafür, dass die Fasern beim Ausbau nicht in die Umgebung gelangen. Heute wird die Wolle entnommen, streng nach Vorschrift mit Anzug und Maske sowie einem Abluftgerät, das die Luft ansaugt und filtert, während ein anderes Gerät Frischluft nachführt. Anschließend wird erneut die Raumluft getestet. Die Sanierung der beiden Räume hält Experte Gröber für angebracht, allerdings bezweifelt er, dass der hohe technische Aufwand notwendig gewesen wäre. Asbesthaltig sei die Mineralwolle auf keinen Fall, sagt Gröber. Zwar würden die Fasern (siehe Extra) als krebserregend gelten, doch fehle der wissenschaftliche Nachweis.
Ortsbürgermeister Daleiden geht davon aus, dass die Kinder noch die komplette nächste Woche in Sirzenich betreut werden. Die Einrichtung in Trierweiler soll dann übernächste Woche öffnen - vorausgesetzt, die Faseruntersuchung bei einer Fachfirma in Münster erfordert keine weitergehenden Maßnahmen. Vor dem Bezug werde die Kita grundgereinigt, kündigt Daleiden an.
Kinder und Erzieherinnen haben sich derweil in ihrem Ausweichspartier in der Kita Sirzenich (eine Gruppe im Turnraum) und im dortigen Gemeindehaus (drei Gruppen) eingelebt. Kita-Leiterin Miriam Engel ist froh, dass man die Kinder dort konzentriert hat und nicht - wie ursprünglich angedacht - auf mehrere Standorte in Trierweiler und Sirzenich verteilt hat. "Die Nähe zur Kita macht Sinn, auch haben die Kinder dort einen schönen Spielplatz, den sie bei diesem schönen Wetter auch ausgiebig nutzen." Mit knapp 50 Kindern kommen derzeit halb so viele, wie in Trierweiler angemeldet sind. Es ist der Nachwuchs von Eltern, die aus beruflichen Gründen auf eine Betreuung angewiesen sind.
Einige Kinder bleiben daheim


Einige Eltern, wie etwa die Metzdorfs, lassen ihr Kind während des Provisoriums zu Hause. Michael Metzdorf: "Meine Frau ist sowieso da, und für die Kita ist es wegen der Mehrbelastung einfacher." Es laufe erstaunlich gut, sagt Erzieherin Maria Hoffmann. Die Kita Sirzenich stelle Möbel und Spiele zur Verfügung, Trinkbecher und Teller habe man aus Trierweiler mitgebracht. Einziges Manko im Bürgerhaus seien die hohen (Erwachsenen-)Waschbecken. Bekocht werden die Tageskinder in der großen Gemeindehaus-Küche. Und den Segen der Behörden hat das Aushilfsquartier auch schon: Gesundheitsamt und Veterinäramt haben nach einer Besichtigung grünes Licht gegeben.Extra

Alte Mineral-Dämmstoffe wie Glaswolle und Steinwolle dürfen seit dem Jahr 2000 nicht mehr verwendet werden. Bei Produkten, die vor 1996 eingebaut worden sind, müsse von einem Krebsverdacht ausgegangen werden, wenn sich dünne Fasern in der Lunge ablagern, sagen Fachverbände. Die groben Fasern der Mineralwolle können bei Kontakt zu Hautreizungen und Juckreiz führen. Dass Stäube der Mineralwolle möglicherweise krebserregend sind, konnte in empirischen Untersuchungen an Arbeitern bisher nicht nachgewiesen werden, wohl aber in einem Tierversuch. alf