1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Bürgerhaushalt 2012: Das wollen die Trierer

Bürgerhaushalt 2012: Das wollen die Trierer

Der Trierer Haushaltsplan der nächsten beiden Jahre geht in die entscheidende Phase - und die Trierer reden mit. Insgesamt 418 Ideen, Impulse und Vorschläge der Bürger und der 19 Ortsbeiräte kamen im Bürgerhaushalt zusammen. Der TV stellt die 20 Vorschläge mit den besten Bewertungen auf dieser Seite vor.

 Die Teilnehmer haben sich mit dem Theater, der Rallye und auch Eintracht Trier kritisch auseinandergesetzt. Außerdem haben sie Sparideen, ein Beispiel ist die Straßenbeleuchtung, und fordern Investitionen in Spielplätze und Jugendarbeit. TV-Fotos: Friedemann Vetter (4), Tobias Thieme, Friedhelm Knopp
Die Teilnehmer haben sich mit dem Theater, der Rallye und auch Eintracht Trier kritisch auseinandergesetzt. Außerdem haben sie Sparideen, ein Beispiel ist die Straßenbeleuchtung, und fordern Investitionen in Spielplätze und Jugendarbeit. TV-Fotos: Friedemann Vetter (4), Tobias Thieme, Friedhelm Knopp
Bürgerhaushalt 2012: Das wollen die Trierer

Vier Wochen lang hatten interessierte Trierer Zeit, Ideen für ihre Stadt oder ihren jeweiligen Stadtteil im Internet oder per Post einzureichen. Vom 23. August bis zum 20. September haben die Teilnehmer 358 Vorschläge präsentiert, dazu kamen 60 Ideen der Ortsbeiräte. Mehr als 28.000 Bewertungen für diese 418 Themen kamen zusammen, 2771 Teilnehmer am Bürgerhaushalt waren registriert. Die 34 am besten bewerteten Ideen der Trie rer fließen in die Haushaltsdebatte der Stadtratsfraktionen ein, deren Höhepunkt die Abstimmung über den Doppeletat 2013 und 2014 sein wird. Sie findet im Rahmen der letzten Stadtratssitzung des Jahres am Donnerstag, 13. Dezember, statt.

Erhalt der Grundschule Pfalzel: Der Beliebteste aller Bürgervorschläge stammt von Nutzerin "maske.tina", er erhielt 305 Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 1,41. Die Bewertungsskala reicht von -2 (völlig unwichtig) bis +2 (sehr wichtig). "Die Gregor von Pfalzel-Grundschule darf nicht geschlossen werden, da sonst der Ort Pfalzel, so wie er ist, nicht mehr existieren würde."

Gestaltung Moselufer: Der Vorschlag von Nutzer "haribo" erhielt 175 Bewertungen mit einem Schnitt von 1,35. Sein Argument: "Warum kann man einen gewissen Teil der Uferstrecken nicht testweise verpachten? Das spart die Pflege für diesen Abschnitt, weil man dies als Auflage im Pachtvertrag einbringen kann."

Keine Kostenübernahme für ADAC Rallye: Für diese Idee erhielt Nutzer "treveris" 179 Bewertungen mit einem Schnitt von 1,29. Seine Idee: "Die Stadt Trier bezuschusst die Rallye offiziell mit Mitteln in Höhe von etwa 130 000 Euro. Der ADAC hat im Bilanzjahr 2011 einen Ertrag (gleich Gewinn) von 150 Millionen Euro erwirtschaftet. Er könnte diese Kosten also selbst tragen und sogar noch eine Prämie von einer Million Euro locker an die Stadt zahlen."

Moselufer besser nutzen: sitzen, liegen, grillen, baden: Ein weiterer Vorschlag zum Thema Stadt am Fluss, Nutzer "Mergener Hof" erhielt dafür 128 Bewertungen mit einem Schnitt von 1,28. "Das östliche Ufer sollte Bänke, Liegestühle, öffentliche Grillanlagen, Badestellen und eine gute Verkehrsanbindung via Fahrrad und Bus bekommen."

Energetische Schulsanierung vorrangig realisieren: Nutzer "Schmitt2007" erhielt für seinen Vorschlag 63 Bewertungen mit einem Schnitt von 1,22. "Die energetische Sanierung der Schulen und anderer öffentlicher Gebäude ist vorrangig zu realisieren. Die Kosten amortisieren sich in wenigen Jahren."

Veranstalter trägt Teil der Sicherheitskosten: Bei Fußballspielen der Eintracht Trier und sonstigen Großveranstaltungen muss der Veranstalter sich an den Kosten für Polizei und Feuerwehr zumindest mit 50 Prozent beteiligen - so sieht "buergerin998" die Lage. Interessant: Die Ratsfraktionen der CDU und SPD unterstützen diesen Vorschlag öffentlich und haben ihn positiv kommentiert.

Schultoiletten sanieren: Mit diesem Vorschlag ist der Nutzer "Mergener Hof" schon zum zweiten Mal in den Top 10 des Bürgerhaushalts vertreten. Seine Forderung: "Die Schultoiletten in Trier sind teilweise in einem miserablen Zustand. Hier sollten schnell Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Schließlich handelt sich um notwendige Geschäfte."

Zuschuss an Eintracht Trier einstellen: Nutzer "Treveris" trifft ein emotionales Thema. "Eintracht Trier erhält jährliche Zuschüsse der Stadt in Höhe von rund 42 000 Euro. Vorschlag: Zuschuss komplett und ersatzlos streichen." Die Verwaltung lässt dazu wissen: "Die Nutzung des Moselstadions wird derzeit im Rahmen der Erarbeitung einer neuen Stadionordnung vollständig neu geregelt. In diesem Zusammenhang wird auch die Nutzung durch den SV Eintracht Trier 05 neu zu regeln sein."

Wärmerückgewinnung aus Abwasser: Nutzer "Ackermann" hat keinen Vorschlag, sondern eine ausführlich erläuterte technische Abhandlung in den Bürgerhaushalt eingebracht. Ihr Kern: "Im Abwasser steckt eine enorme Energiemenge, die zur Beheizung oder Kühlung von Gebäuden genutzt werden kann. Das Abwasser überströmt das am Boden des Kanals montierte Therm-Liner-System. Die so gewonnene Energie wird zur Heizzentrale weitergeleitet und mittels Wärmepumpentechnik auf dem gewünschten Niveau verwertet."

Stromkosten bei Beleuchtung sparen: Nutzer "Pr" schlägt eine Überprüfung der Art, Dauer und Wichtigkeit der Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Gebäuden vor: "Durch eine Umstellung auf LED können Stromkosten eingespart werden, ebenso bei verkürzter Dauer. Es müssen nicht alle Gebäude oder Plätze die ganze Nacht über angestrahlt werden." Ein Masterplan für die Straßenbeleuchtung in Trier wird auf der Basis eines Antrags der CDU auf Ausschussebene diskutiert.

Nachhaltigkeit bei der Planung von neuen Baugebieten: Nutzer "Palatiulus" rät, Baugebiete energetisch optimiert zu planen. Ausrichtung der Gebäude, Verlauf der Straßen, Energiespeicher und Nutzung von Erdwärme sowie Sonnen- und Windenergie sollten dazugehören.

Saubere Spielplätze: Der dritte Vorschlag vom Nutzer "Mergener Hof" ist kurz und prägnant: Die Stadt Trier soll ihre Spielplätze sauber halten. Die CDU kommentiert: "Es kann realistischerweise nicht gewährleistet werden, dass nach jedem nächtlichen Gelage umgehend eine Reinigung des Spielplatzes erfolgt. Hier ist bürgerschaftliches Engagement gefragt."

Freizeitangebote für Jugendliche erweitern: Eine weitere Idee vom "Mergener Hof". Das Argument: "Die Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche sind in Trier sehr begrenzt. So gibt es zwar viele Angebote, doch diese entsprechen sehr häufig nicht mehr den Freizeitvorlieben der Jugendlichen. Beispielsweise könnten Malwerkstätten angeboten werden, die auch Graffiti, Airbrush oder Ähnliches miteinbeziehen."

Stärkere Zusammenarbeit mit Luxemburg und Frankreich: Nutzer "BM54" regt an, Trier solle mit Luxemburg und Frankreich eine stärkere Zusammenarbeit anstreben. "Vor allem in Sachen Verkehrsanbindung sind wir auf unsere europäischen Partner angewiesen. Dazu gehört die bessere Anbindung an das Großherzogtum und auch an Frankreich mit der Metropolregion Paris."

Kosten des Stadttheaters für die Öffentlichkeit nachvollziehbar machen: Kein Pseudonym verbirgt die Nutzerin dieses Vorschlags, er kommt von der Mariahofer Christdemokratin Jutta Albrecht. "Besucher des Stadttheaters sollten mittels einer großen Infotafel darauf hingewiesen werden, dass die aktuelle Vorstellung mit der Summe X seitens der Stadt Trier unterstützt wird. Wäre dies nicht der Fall, würde die Eintrittskarte die Summe X betragen. Die Mehreinnahmen sollten in einen Topf fließen, der es Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten ermöglicht, zu reduzierteren Preisen das Theater zu besuchen."

Gastronomie am Moselufer: Nutzer "steinwo" hat die Mosel im Blick. "Das Moselufer, besonders bei der Römerbrücke, sieht schäbig aus und ist einer Tourismusmetropole unwürdig. Warum nutzt man nicht die alten Krahnen gastronomisch? Das würde natürlich einen Zugang von der Krahnenstraße (Unterführung) voraussetzen. Vielleicht findet sich ein Sponsor."

Mehr Geld für Jugendeinrichtungen: Ein weiteres Mal meldet sich "Mergener Hof" zu Wort. "Jugendeinrichtungen sind der springende Punkt in Sachen Gewaltprävention, Drogen- und Alkoholprävention, Kriminalitätsprävention allgemein. Keine Kürzungen bei Heranwachsenden, sondern Investition in zukünftige Steuerzahler."

Naturbelassene Grünflächen: Mit dieser Idee schaffte es Nutzer "SebastianW" in die Top 20 des Bürgerhaushalts. "Viele Gemeinden sind dazu übergegangen, Seitenstreifen und Grünflächen einmalig mit mehrjährigen nachhaltigen Blumen, Stauden oder Gräsern anzupflanzen. Diese Flächen bleiben größtenteils naturbelassen, viele wiederkehrende Kosten werden gespart."

Planungen für weitere Neubaugebiete auf der Tarforster Höhe unterlassen, bis Verkehrsprobleme gelöst sind: Nutzer "cirsium_arvense" argumentiert aus Sicht der vom Verkehr geplagten Anwohner: "Planungen für weitere Neubaugebiete in Alt-Tarforst und auf der Tarforster Höhe sollten zurückgestellt werden, bis es sinnvolle Alternativen für den Verkehr gibt. Das in solche Planungen fließende Geld kann und soll gespart werden."

Technische Ämter zusammenlegen: Nutzer "Treveris" hat die Infrastruktur der Stadtverwaltung im Blick. "Die technischen Ämter (Tiefbauamt, Grünflächenamt, Stadtreinigung, Sportamt) nutzen zurzeit mehrere marode Standorte. Es wäre deshalb sinnvoll, alle diese Ämter an einem zentralen Ort zusammenzufassen. Möglich wäre dies entweder in der Werner-von-Siemens-Straße (alte Verkehrsbetriebe) sowie in der bald freiwerdenden Jäger- oder General-von-Seidel-Kaserne."