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Bundestagswahl 2021: SPD Trier/Trier-Saarburg nominiert Verena Hubertz

Bundestagswahl : Verena Hubertz’ Mission: SPD-Direktmandat für den Wahlkreis Trier

Der regionale Bundestagswahlkampf ist eröffnet. Die SPD Trier/Trier-Saarburg legt vor, schickt eine aus Konz stammende Jungunternehmerin ins Rennen – und rechnet sich gute Chancen aus.

Parteiinternen Skeptikern, die fragen, was denn bitteschön ausgerechnet sie zur Hoffnungsträgerin der SPD mache, erzählt Verena Hubertz (33) gerne von ihrer „jugendlichen Freiheit, die nach Frittenfett roch“. Damals jobbte sie nämlich im Fast-Food-Restaurant am Trierer Hauptbahnhof. Dort hatte sie ihr „Schlüsselerlebnis“, als bei einer Weihnachtsfeier eine Lohnerhöhung um vier Cent auf 6,17 Euro pro Stunde verkündet wurde: „Viel zu wenig für Kollegen, die damit ihre Familie ernähren müssen.“ Das sei für sie, in Konz und Lampaden aufgewachsene Tochter eines Zettelmeyer-Schlossers und einer Gemeindereferentin, vor gut zehn Jahren der Auslöser für ihren Eintritt in die für den Mindestlohn kämpfende SPD gewesen. Authentizität – das kommt bei Genossinnen und Genossen gut an.

So auch am Samstag bei der Wahlkreiskonferenz der SPD Trier und Trier-Saarburg im Lottforum auf dem Trierer Petrisberg. Die meisten der 36 Delegierten aus Stadt und Kreis (die gemeinsam den Bundestagswahlkreis 203 bilden) erleben Verena Hubertz erstmals „live“. Sie lassen sich dann schnell überzeugen, dass die Parteivorstände offenbar einen guten Personalvorschlag präsentiert haben.

Zur offiziellen Kür der Kandidatin für die Bundestagswahl am 26. September durch die Basis kommt noch optimales Timing: Mit dem SPD-Erfolg bei der Landtagswahl und dem frisch besiegelten Koalitionsvertrag zur Weiterführung der Ampelregierung mit Grünen und FDP im Rücken gibt sich die gesamte Parteiprominenz am Tag der Arbeit kampfeslustig und optimistisch.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Europaparlament-Vizepräsidentin Katarina Barley, die Parteichefs aus Trier (Sven Teuber)  und Trier-Saarburg (Dirk Bootz, Kasel) preisen die in ihrer Heimat bislang parteipolitisch noch nicht groß in Erscheinung getretene Verena Hubertz als  Optimalkandidatin, die sozialdemokratische Tradition und Zukunftsfähigkeit verkörpere. Reichlich Vorschusslorbeer kommt auch via Videobotschaften unter anderem von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Meckenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig,  aber auch von alten Wegbegleiterin am Gymnasium Konz und der Hochschule Trier sowie nicht zuletzt Mengting Gao. Mit ihr entwickelte Verena Hubertz in Berlin die App „Kitchen Stories“ und machte daraus ein Unternehmen mit 50 Beschäftigten und 20 Millionen Nutzern. Nun ist die 33-Jährige wieder in ihrer alten Heimat, von wo aus sie zurück in die Hauptstadt will: als Vertreterin der Region in den Bundestag.

Jung, weiblich, modern, innovativ, ambitioniert, digital fit und in Berlin bereits bestens vernetzt – das zieht bei den Delegierten. 33 der 36 stimmen in geheimer Wahl für Verena Hubertz, zwei dagegen. Außerdem gibt es eine Enthaltung.

Die in vielen Redebeiträgen hoch gelegte Messlatte schreckt die Kandidatin nicht. Im Gegenteil: „Ich will das Direktmandat!“, bekräftigt sie und erhält während ihrer Rede mehrfach langen Applaus. Der bislang letzte Sozialdemokrat, der im  Wahlkreis 203 direkt ins Parlament gewählt wurde, war 2002 Karl Diller.

Zum B-Kandidaten wird per Akklamation und einstimmig der Trierer Unternehmer Thomas Neises (49) gewählt. Falls es mit dem Direktmandat nicht klappt, könnte Verena Hubertz über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Die wird in einem Landesparteitag am 5. Juni in Gensingen (Kreis Mainz-Bingen) erstellt.