Bunt und lustig: Mit "Flauer Pauer" in den Karneval

Bunt und lustig: Mit "Flauer Pauer" in den Karneval

Ganz im Zeichen der Hippie-Zeit stand die Eröffnungssitzung des KG Heuschreck unter dem Motto "Flauer Pauer" - für Nicht-Trie rer: Flower Power. Rund 600 Gäste feierten und schunkelten auf einer Sitzung, die die alten Zeiten von Peace und Happiness wieder heraufbeschwor.

Trier. Aus dem Stand auf Tempo 100 - pünktlich um 18 Uhr ziehen die Karnevalisten der KG Heuschreck in die Europahalle ein. Eigentlich erinnert der Saal kaum mehr an die Europahalle. Mit bunten psychedelischen Mustern verziert, verspricht das Bühnenbild eine Zeitreise in die "Flauer Pauer". Nach der Begrüßung durch den frisch gekürten Sitzungspräsidenten Alexander Houben tanzt sich das Nachwuchs-Ballett mit dem Astronauten-Tanz in die Herzen des Publikums.

Mit dem Song "Born to be wild" wird auch gleich der erste Büttenredner angekündigt. Es ist Helmut Leiendecker, der als "Easy Rider" mit dem Bonanza-Rad auf die Bühne radelt. Seinen Führerschein habe er am Pacelli-Ufer verloren, da müsse das Bonanza-Rad des Sohnes eben herhalten, erklärt er sich. Flugs lässt der Mundart-Star die vergessene Zeit Revue passieren, erzählt, wie er mit der Kreidler Florett durch den Grand Canyon zwischen Pluwig und Gusterath gefahren ist. Wenn ihm einer querkam, fragte er nur: "Können Sie subtrahieren?" - "Ja" - "Dann zieh ab!". Leiendecker resümiert: "Die Trierer sind born to be wild!".

Bekanntlich zählte aber nicht nur Motorrad-Kultur zur Flauer-Pauer-Zeit, sondern auch die Emanzipation der Frau - und die nehmen Lino und Andrea Ley in den Fokus. Motto: "Die Liebe ist das Licht des Lebens - und die Ehe die Stromrechnung". Nach einem fabelhaften Showtanz der Heuschreck-Garde wird es ernster, politischer. Chef-Polit-Analytiker und Heuschreck-Präsident Harald Reusch, gewandet im "Yes, we can!"-Obama-T-Shirt, nimmt kein Blatt vor den Mund und zieht zuerst die internationale Politik durch den Kakao. "Die Ära Bush war die reinste Dreifaltigkeit, der Vater, der Sohn, nur der Heilige Geist hat gefehlt." Dann muss die Hessen-Wahl dran glauben, sowohl Koch wie Ypsilanti.

Der Heuschreck-Chor singt darauf den Abgesang auf den Viezjupp: "Am Tag als unser Viezjupp starb" - besonders sangesstark: Jürgen Braun. Gerhard Kress lässt nun als Rudi Carrell die Vergangenheit Revue passieren, als Shows wie "Der goldene Schuss" oder "Das laufende Band" hochkarätige Unterhaltung versprachen, während heute die Menschen mit "DSDS" abgespeist werden. Dann zieht Dieter Lintz als Trierer Urschalk Franz Weissebach (1860-1925, Stifter des Palastgartens) in den Saal. Eher belehrend denn angreifend erklärt er den politischen Akteuren die Welt: "Wer am Posten klebt, wird schwach, das sagt euch der Franz Weissebach". Nach so vielen Weisheiten wird es Zeit für eine ordentliche Schunkelrunde. Kein Geringerer als Star-Sänger Thomas Kiessling eröffnet sie, begleitet von der Mehringer Winzerkapelle. Rainer Lübeck bringt als Kommunen-Chef Hanni Krishna die Ideen der 70er Jahre wieder auf den Punkt und schwelgt in Erinnerungen an romantische Schäfer-Stündchen im Avelsbacher Viez-Nirwana. Das ist dem Sitzungspräsidenten eine Rakete wert. Mit einem reichhaltigen Beatles-Medley der Leiendecker-Bloas klingt die Show aus, Polonaisen inbegriffen.

Fazit: Ein gelungener Abend mit guter Musik, pointierten Reden, einem ausdrucksstarken Ballett und einem farbenprächtigen, kunstvollen Bühnenbild von Johannes Kaschenbach.

Die nächsten Termine: 13., 14. und 21. Februar, Europahalle.

Aktive: Jürgen Braun, Lino und Andrea Ley, Gerhard Kress, Thomas Kiessling, Dieter Lintz, Heuschreckgarde und Ballett von Birgit Müller, Rainer Lübeck, Leiendecker Bloas, Elfi Hardt und Marlies Bluman, Heinz König, Silvester Sekulla, Edith Bretz, Heuschreck-Chor, Alexander Houben, Harald Reusch. Nachwuchs-Ballett, Waltraud Schneider, Bärbel Kaschenbach, Heike Schöler, Johannes Kaschenbach, Iris Grundhöfer

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