Bunte Fratze, sinnige Sprüche

Das Gebäude der "Alten Schmiede" in der Simeonstraße ist in Trier eines der wenigen Häuser aus der Renaissance. Um 1550 erbaut, diente es Anfang des letzten Jahrhunderts als Schmiede. Stadtführerin Ruth Unterrainer lenkt die Blicke der TV-Leser auf die versteckte Sehenswürdigkeit.

Stadtführerin Ruth Unterrainer. TV-Foto: Anke Scholz

Trier. (as) Vor dem Gebäude in der Simeonstraße mit der Hausnummer 7 herrscht reges Treiben. Scharen von Touristen ziehen vorbei zur Porta Nigra, andere vertreiben sich hier die Wartezeit auf den Bus. Kaum einer wirft einen Blick auf die sogenannte "Alte Schmiede" schräg gegenüber der Porta Nigra. "Dabei ist sie wirklich ein Kleinod und eines der wenigen Trierer Häuser aus der Renaissance", sagt Stadtführerin Ruth Unterrainer.

Das weiße Haus mit den hellroten Fensterumrahmungen hat eine lange Tradition. "Um 1550 wurde es von einem Kanoniker des Simeonstifts als Kuriengebäude gebaut", erzählt Ruth Unterrainer. Der Geistliche nutzte das Gebäude als Wohnhaus und Rückzugsmöglichkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude zu einer Schmiede umgebaut. Bis 1936 wurden hier Metalle in Form gebracht. "Die Lage war ideal für eine solche Werkstatt. Zentral und nah an den Verkehrswegen für Auslieferungen", erklärt Ruth Unterrainer. Von der "Alten Schmiede" in ihrer einstigen Funktion zeugt mittlerweile nur noch eine kleine Informationstafel an der Fassade. In der unteren Etage befindet sich heute eine Bäckerei, und in den oberen Stockwerken sind Wohnungen untergebracht.

Besonders auffällig sind die vier lateinischen Sinnsprüche auf den Fensterstürzen in der ersten Etage. Es scheint, als würden die beschriebenen Steinplatten von zwei Männerbüsten getragen. Der erste Spruch "Zu reden versteht nicht, der nicht zu schweigen weiß" fasziniert Ruth Unterrainer immer wieder aufs Neue. "Gerade als Stadtführerin muss man sich immer wieder klarmachen, dass auch andere mal zu Wort kommen sollten", schmunzelt die 43-Jährige.

Über dem linken Eingang des Gebäudes prangt eine bunte Fratze, ein sogenanntes "Schrötermaul". Was heute nur noch als Zierrat dient, hatte in den vergangenen Jahrhunderten eine wichtige Funktion. "In dieses Schrötermaul hat man früher einen Pfahl hineingestoßen und daran die Weinfässer in den Keller hinabgelassen", erklärt Ruth Unterrainer.

Die Stadtführerin empfiehlt besonders den Trierern, dem kleinen Haus in der Simeonstraße etwas Beachtung zu schenken. "Es lohnt sich, einfach mal die Sinnsprüche zu lesen und die Verse auf sich wirken zu lassen."

Der TV stellt in einer Serie Trierer Stadtführer und ihre Lieblings-Sehenswürdigkeiten, -Plätze und -Histörchen vor und zeigt, was es abseits der ausgetretenen Touristenpfade zu entdecken gibt. EXTRA Ruth Unterrainer führt seit drei Jahren Gäste durch die Trierer Innenstadt. Der Spaß an Geschichte und Bau-Stilistik hat bei ihr eine familiäre Tradition: "Mein Vater ist schon lange Stadtführer und hat mich auf den Geschmack gebracht." Die 43-Jährige freut sich, wenn sie bei ihren Zuhörern Begeisterung für Geschichte wecken kann. Eine Gruppe hat ihr kürzlich als Dankeschön eine selbstgebastelte Fotocollage geschenkt. "Darüber habe ich mich riesig gefreut", erzählt sie. Ruth Unterrainer wohnt in Igel und hat drei Kinder. (as)