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Burg Irsch in Trier ist mit Geschichte des Heiligen Martin verbunden

Serie „Landmarken“, Teil 10 : Auf den Spuren von Sankt Martin im Moseltal

Serie „Landmarken“: Die Burg Irsch ist ein Puzzlestück, das mit der Geschichte des Heiligen in Trier verbunden ist.

 Im Grunde war die Burg Irsch nie eine Burg im klassischen Sinn. Gräben und Mauern mit Zinnen sucht man heute vergeblich, die gibt es schon lange nicht mehr. Dennoch sind die Einwohner des Stadtteils Irsch stolz auf ihre „Burg“. Das Ensemble aus Kirche und dreigeschossigem Haus mit Treppenturm erinnert stark an die Zeit der Burgen. Nur handelte es sich bei der spätmittelalterlichen Anlage um die befestigte Außenstelle des Trierer Klosters St. Martin. Dieser berühmte Heilige spielte bei einem historischen Ereignis in der Stadt eine wichtige Rolle.

Die ehemalige Propstei der Abtei St. Martin in Irsch ist eine von vielen Spuren, die zu diesem berühmten Besucher Triers führen. Im Nordwesten der Stadt, nahe der Kaiser-Wilhelm-Brücke, befindet sich der ehemalige Hauptsitz des Klosters. Inzwischen ist er ein Studentenwohnheim. Eine Figur in der Fassade der Straßenseite verweist dort auf den Namensgeber: den heiligen Martin von Tours. Berühmt ist er bis heute vor allem dadurch, dass er als römischer Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben soll. Aber er machte ebenfalls in seiner späteren Arbeit als Bischof im französischen Tours großen Eindruck auf seine Zeitgenossen. Und auch in Trier war Martin häufiger zu Besuch – unter anderem bei einem denkwürdigen Prozess im Jahr 385.

Zu jener Zeit erregte die Anklage gegen einen gewissen Bischof Priscillian und seine Anhänger das Römische Reich. Ihre Hinrichtung wegen angeblicher Hexerei markierte einen Wendepunkt der christlichen Geschichte. Es war der erste Fall, in dem christliche Kleriker durch andere Christen zum Tode verurteilt wurden. Außerdem fällte ein staatliches Gericht dieses Urteil. In der bislang fast ausschließlich für solche Fälle zuständigen kirchlichen Gerichtsbarkeit war Exkommunikation die härteste Strafe gewesen. Gerade diese Aspekte brachten viele prominente Kirchenvertreter dazu, Fürsprache für Priscillian zu halten. Und das, obwohl sie zu seinen innerkirchlichen Gegner zählten. Neben Bischof Martin von Tours war dies auch der damalige Papst Siricius. Ihr Einsatz für einen Freispruch fand zwar kein Gehör bei Kaiser Maximus. Gerade Martin machte aber durch seine kluge Argumentation im ganzen Reich von sich reden.

Immerhin gelang es den mäßigenden Kräften, die beim Konzil von Trier im gleichen Jahr beschlossene Verfolgung aller Priscillianer in Grenzen zu halten. Aber warum waren die Lehren so provokativ? Schon Priscillians Predigten für strengste Askese fanden nicht überall Anklang. Und sein Einsatz, die Sklaverei abzuschaffen, und für eine Gleichstellung von Mann und Frau rief heftige Widerstände hervor. Als dann auch noch durch die Machtergreifung von Magnus Maximus 383 seine bisherige Unterstützung aus dem Kaiserhof wegbrach, wurde der Bischof von Ávila endgültig zum Staatsfeind.

 Die Burg in Trier-Irsch ist mit der Geschichte des Heiligen Martin verbunden. Foto: Martin Recktenwald
Die Burg in Trier-Irsch ist mit der Geschichte des Heiligen Martin verbunden. Foto: Martin Recktenwald Foto: TV/Martin Recktenwald

Mit dem Bau des Martins­klosters am Moselufer und seiner späteren Außenstelle in Irsch haben diese Ereignisse allenfalls indirekt zu tun. Dennoch dürfte den Gründern die Geschichte Martins in Trier bekannt gewesen sein. Die Anlage in Irsch entstand definitiv erst im Spätmittelalter. Das „Burghaus“ wurde 1587 erstmals schriftlich erwähnt. Prägend für das Areal war auch die heutige Kirche, die damals als Zehntscheune diente. Beide wurden im 18. Jahrhundert mehrfach umgebaut und erweitert. Die teilweise noch erhaltene Umfassungsmauer mit den Torbögen ist vermutlich jene, die 1766 und 1768 als Neubau in den Quellen erwähnt wird. Lange Zeit war die Burg Irsch ein Gerichtssitz der Obrigkeit. Später wurden die Bauten dann als Pfarrkirche und -haus genutzt.