Burg Ramstein: Das Kylltal liegt ihr seit Jahrhunderten zu Füßen

Serie Landmarken : Burg Ramstein: Das Kylltal liegt ihr seit Jahrhunderten zu Füßen

TV-Serie „Landmarken“: Vor rund 700 Jahren wurde die Burg Ramstein erbaut. Heute ist sie eine Ruine, aber immer noch einen Besuch wert.

Am 18. September 1689 stecken französische Soldaten die Burg Ramstein bei Kordel in Brand und sprengen sie an zwei Seiten. Es herrscht der pfälzische Erbfolgekrieg. Was bleibt, ist eine Ruine. Die vier Wände des Wohnturms stehen noch. Vier Etagen gab es mal, doch die Zwischendecken sind verschwunden. An den Innenseiten der Mauern erkennt man noch die Löcher der Deckenbalken sowie Reste von Sitznischen und Kaminen. Von der einstigen Ringmauer und den Ecktürmen ist kaum noch etwas übrig geblieben.

330 Jahre später sitzt Stephan Moll auf der Terrasse des Restaurant-Hotels Burg Ramstein unter der Ruine. Moll, 48, ist hier aufgewachsen. Seine Eltern Dieter und Waltraud, beide fast 80, betreiben das Hotel und Restaurant noch immer – unterstützt von Molls Schwester Sabine. Das Wild, das auf den Teller kommt, jagt die Familie selbst. Ihr gehört das Anwesen seit dem Jahr 1826. Ihr Vorfahr, der Trierer Bierbrauer und Rotgerber Franz Luwig Bretz (auch Britz geschrieben), erwarb die Ruine. Sein Sohn Nikolaus eröffnete in den 1870er Jahren einen Gastronomiebetrieb. Molls Eltern betreiben diesen in fünfter Generation. Stephan Moll kümmert sich um das Historische. Er bietet Führungen an, um „den Leuten lokale Geschichte zu vermitteln“. Aktuell macht er auch abends Laternenführungen. Die nächsten sind am 9. und 16. August um 21 Uhr. In einem histo­rischen Kellerraum finden sich Dinge wie eine Ritterrüstung oder Zunder, ein Baumpilz, mit dem früher Feuer entfacht wurde.

Moll kann viel über die Burg und die Geschichte der Region erzählen. Errichtet wurde die gotische Höhenburg auf einem 182 Meter hohen Buntsandsteinfelsen vom Trierer Erzbischof Diether von Nassau. Fertiggestellt wurde sie allerdings erst von seinem Nachfolger Balduin von Luxemburg – um das Jahr 1317 herum. Seit dem 10. Jahrhundert gab es dort schon einen befestigten Gutshof, den Erzbischof Radbod von Trier bauen ließ. Er lag an der im Mittelalter wichtigen Römerstraße von Trier nach Andernach und nicht weit entfernt von der Straße nach Köln. Heute führt die Regional-Bahnstrecke Eifel-Express nahe der Burg vorbei. 1527 ließ Erzbischof und Kurfürst Richard von Greiffenklau zu Vollrads von einer Waldquelle eine Wasserleitung aus Ton in die Burg legen. Moll vermutet, dass deshalb seine Vorfahren die Burg später erworben haben. Eine eigene Wasserquelle ist für eine Gerberei praktisch.

Heute liegt die Burg Ramstein auf dem Römerpfad, einem idyllischen Premium-Rundwanderweg. Er führt über Felder, vorbei an einer römischen Langmauer sowie der Klausen- und Genovevahöhle im Wald. Wer gegen den Uhrzeigersinn wandert, erreicht kurz vor Ende der knapp zehn Kilometer langen Strecke die Burg Ramstein. Auf dem Felsen streckt sie sich aus dem Wald empor. Die Flagge von Rheinland-Pfalz weht im Wind. Es ist sehr still. Der Wald des Kylltals liegt unter einem und die Zeit spielt hier oben keine Rolle.

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