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Burgunderviertel Trier - Ein Konzept für mehr Menschen und weniger Verkehr

Stadtentwicklung : Burgunderviertel Trier - Ein Konzept für mehr Menschen und weniger Verkehr

Das Burgunderviertel in Neu-Kürenz soll ein innovatives Wohnquartier werden. Gemischte Bauformen und weniger Autoverkehr sind dafür der Schlüssel. Nicht allen geht das weit genug.

Der jahrelange Stillstand in der ehemaligen französischen Wohnsiedlung Burgunderviertel in Neu-Kürenz wird beendet. Bis zu 490 Wohneinheiten sollen dort in wenigen Jahren in einem innovativen Quartier entstehen. Der Startschuss dafür soll im Frühjahr 2020 fallen, wenn der Bebauungsplan BU 24 „Burgunder Viertel“ vom Stadtrat verabschiedet ist. Ein städtebauliches Konzept ist dafür die Grundlage. Es ist am Dienstagabend erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden. „Bis zum Satzungsbeschluss werden sich natürlich noch viele Dinge entwickeln“, macht Iris Wiemann-Enkler, Leiterin des Stadtplanungsamts, den frühen Zeitpunkt im Planungsprozess klar. Gemeinsam mit David Becker (Geschäftsführer Projektgesellschaft EGP) und Stadtplanerin Mareike Borkeloh (Büro Stadtquartier Wiesbaden) hat sie die Eckpunkte des Konzepts erläutert. Im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion stand vor allem das Thema Verkehr. Viele der neuen Häuser werden mit dem Auto nur in Ausnahmefällen unmittelbar erreichbar sein.

Die Ziele Es wird keine frei stehende Einfamilienhäuser im neuen Burgunderviertel geben. Neben mehrgeschossigen Gebäuden (54 Prozent/280 Wohnungen) ist aber eine große Zahl von Einfamilienhäusern (Reihen-, Doppel- oder Microhäuser) geplant. Deren Bewohner sollen Freiflächen jenseits des eigenen Grundstücks gemeinsam nutzen. Die verdichtete und dennoch attraktive Bebauung ist ein wesentliches Element, mit der die Planer die Vorgaben für eine innerstädtische Entwicklung realisieren wollen. Das Ziel: neuer Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen. Iris Wiemann-Enkler: „Dichte Bebauung ist nichts, wovor man Angst haben muss. Es muss nur gutgemacht sein.“

Das neue Viertel: Unterschiedliche Gebäudetypen, wenige Fahrwege und eine Quartiersgarage sind wesentliche Elemente. Links im markierten Bereich sind die Gebäude mit Sozialwohnungen der Stadt Trier zu erkennen. Foto: TV/Schramm, Johannes

Das Konzept Zweifel an der Attraktivität des neuen Quartiers hatte an diesem Abend niemand, zumal die Planer großen Wert darauf legen, vorhandene Wegeverbindungen zu den benachbarten Wohngebieten zu erhalten. Ein feinmaschiges Wegenetz im Viertel soll ein Garant für die Vernetzung der zukünftigen Bewohner sein. Zentrales Element des knapp zehn Hektar großen Areals ist der als Grünfläche angelegte Burgunderbogen, der nach den Worten von Stadtplanerin Mareike Borkeloh für Freiraum, Verbindung und Begegnung stehen soll. Gemeinschaftsgärten sind hier zum Beispiel denkbar.

Zweiter markanter Bezugspunkt des Burgunderviertels ist eine attraktiv gestaltete Quartiersgarage, die unter dem Begriff Mobilitätskultur gleichzeitig Alternativen zum Autoverkehr bieten soll. E-Bike-Station oder Car-Sharing werden als Stichworte genannt. Die Quartiersgarage mit Platz für vermutlich mindestens 300 Fahrzeuge ist die Voraussetzung für die verdichtete Bebauung und das „autoreduzierte Quartier“. Lediglich die mehrgeschossigen Wohngebäude, die im Süden das Gebiet zu den bestehenden Studentenwohnheimen begrenzen, sollen eigene Tiefgaragen bekommen.

Der Verkehr Das derzeitige Straßennetz im Burgunderviertel wird in wesentlichen Teilen geändert. Ein- und Ausfahrt in das Quartier soll nur noch über die Pluwiger Straße und die Robert-Schuman-Allee möglich sein. Keine Durchfahrtsbeschränkungen gibt es auch in einer Ost-West-Achse zwischen dem Deutsch-Französischen Kindergarten und der neuen Kita der Lebenshilfe. Zu allen anderen Baufeldern soll die Zufahrt mit Pollern reglementiert werden.

Foto: Rainer Neubert

Gegen diese Reduzierung des Verkehrs gab es in der Abendveranstaltung keinen Widerspruch. Einigen Gästen gehen die Planer nicht weit genug. Sie wünschen sich vor allem noch weniger Stellplätze. „Wir müssen 1,25 Parkplätze pro Wohneinheit einplanen, sonst kann der Bebauungsplan gesetzlich nicht genehmigt werden“, machte Iris Wiemann-Enkler die Zwänge dafür deutlich. Der zusätzliche Verkehr aus dem Viertel in Richtung Kürenz (plus 3,2 Prozent) und in Richtung Petrisberg (plus 1,3 Prozent) sei verkraftbar.

Foto: TV/Schramm, Johannes
Foto: Rainer Neubert

Das Soziale 25 Prozent der neuen Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern werden sozial geförderter Wohnraum sein. Die Gebäude auf dem Gelände der Stadt werden zu 100 Prozent Sozialwohnungen bleiben. Geplant ist zudem ein größerer Komplex für Betreutes Wohnen im Bereich an der Kohlenstraße.