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Carsharing in Trier-Ehrang ersetzt den Zweitwagen

Mobilität : Auto auf Abruf

In Ehrang teilen sich Kunden das erste Carsharing-Auto im Ort. Für viele ersetzt es nicht den Erst-, aber den Zweitwagen.

Karin und Hans-Werner Knopp besitzen zwar ein Auto, aber wenn bei diesem die Reparaturen zu teuer werden, wollen sie es verkaufen und sich keinen neuen Wagen anschaffen. Oft brauchen sie eh keinen, aber ganz ohne Auto ist es in Trier-Eh­rang, wo sie wohnen, dann doch schwierig. Doch nun gibt es eine Lösung: Am Mittwoch wurde das erste Carsharing-Auto in Ehrang eingeweiht. Der Stellplatz ist direkt an der Zug- und Bushaltestelle am Mutterhaus. Hans-Peter Simon ist einer der ersten Nutzer des Ford Fiestas. „Ich möchte den Wagen als Alternative zum Zweitfahrzeug nutzen“, sagt er. Das Auto hat sogar ein Extra, das er sich gewünscht hat: eine Anhängerkupplung.

Anfang des Jahres war bei ein paar Ehrangern der Wunsch nach einem Carsharing-Auto aufgekommen, darunter Timo Wans, der kein Auto besitzt. „Auf dem klassischem Weg hätte das aber nicht funktioniert“, sagt Wans. Er hat den Vorteil, dass er sich mit seiner Beratungsagentur Myzelium, die er mit Michaela Hausdorf betreibt, genau um solche Probleme kümmert. Genauer: um gemeinschaftsbasierte Gründungen und Unternehmen. „Wenn weder Markt noch Staat die Bedürfnisse der Menschen vor Ort erfüllen, kommen wir ins Spiel. Myzelium vermittelt zwischen Konsumenten und Unternehmen, damit die benötigten Produkte und Dienstleistungen vor Ort bereitgestellt werden können.“

Wans und Hausdorf, die für die Grünen im Trierer Stadtrat sitzt, wandten sich an Patrick Wagner, den Geschäftsführer von Stadtmobil Trier. „Wagner sagte uns, wenn wir zehn Kunden fänden, welche die Kaution von 400 Euro sowie 37 Euro Anmeldegebühr bezahlten, stellte er uns einen Wagen hin.“ Die beiden präsentierten das Angebot auch im Ehranger Ortsbeirat. Der zeigte sich interessiert und stimmte sogar für einen kostenlosen Parkplatz. Auch das Quartiersmanagement warb für das Auto. Die Stadtwerke Trier, die mit Stadtmobil Trier kooperieren, bieten zudem kostenlose, reservierte Plätze in Trierer Parkhäusern zur Verfügung. Der Fiesta in Ehrang ist der zwölfte Wagen von Stadtmobil Trier und der erste in einem außerhalb gelegenen Stadtteil.

Zwölf Interessenten kamen am Ende in Ehrang zusammen. Fahrten müssen sie künftig online anmelden. Mit einer Chipkarte können sie den Wagen öffnen und nach Eingabe ihres Zahlencodes das Auto starten. Die gefahrenen Kilometer übermittelt das Auto von selbst. Die Stunde kostet 1,80 Euro und der gefahrene Kilometer 23 Cent. Der Sprit ist inklusive. Tanken können die Nutzer mit einer Tankkarte.

Hans-Peter Kirchen ist einer der Kunden in Ehrang und sagt: „Das Auto ist nicht nur für Ehrang, sondern ein Vorbild und Angebot für die Region.“ So könnten beispielsweise Leute aus Kordel mit dem Zug herüberkommen und das Auto nutzen. Wans und Wagner wollen das Car­sharing aber auch direkt in weitere Orte in der Region bringen. Pläne gibt es schon. Gerne auch für Elektrofahrzeuge. Eines betreibt Wagner schon.