1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Castelnau soll deutlich größer werden - EGP plant weiteres Konversionsprojekt

Castelnau soll deutlich größer werden - EGP plant weiteres Konversionsprojekt

Anfang des Jahrzehnts hat die EGP das Gelände ín Feyen, auf dem einst ein Handwerkerpark entstehen sollte, erworben. Nun gibt es konkrete Pläne, weite Teile des Areals mit Wohnhäusern zu bebauen. Bis zu 1900 Menschen könnten schon in wenigen Jahren im Quartier Castelnau II leben.

Trier-Feyen/Weismark. Im Vorentwurf für den Flächennutzungsplan 2025 firmiert das Vorhaben unter "Ehemaliger Handwerkerpark". Einen solchen hat es nie gegeben, entsprechende Pläne wurden 2009 ad acta gelegt. Der dazugehörige Bebauungsplan BF 13, der eine gewerbliche Nutzung des Areals vorsieht, existiert nach wie vor. Noch. Denn bei der Entwicklungsgesellschaft EGP hegt man längst andere Pläne. Das Unternehmen, das erst den Petrisberg umwandelte und mit dem Bobinet-Gelände und Castelnau derzeit zwei Vorhaben parallel realisiert, plant sein nächstes Großprojekt: Castelnau II. Man sei noch weit entfernt von Baurecht, eröffnet EGP-Chef Jan Eitel das Gespräch. Doch in dessen Verlauf wird rasch deutl ich, wie weit die Pläne schon gediehen sind.
Melanie Baumeister, EGP-Bereichsleiterin Städtebau, wird konkret: Mit 19 Hektar Nettobauland kalkuliert sie, die Verkehrsanbindung soll vor allem über die Bundesstraße B 268 ("Pellinger") erfolgen. Erste Vorstellungen gibt es, welchen Weg dereinst die Stadtbusse nehmen könnten. Auch existiert ein "Planungsansatz", in welchen Bereichen Mehr- oder eher Einfamilienhäuser errichtet werden sollen, und wo eine lockere Bebauung vorstellbar ist.
Dass der Verkehr ein Knackpunkt werden dürfte, liegt auf der Hand. Schließlich rechnet die EGP mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 3920 Fahrzeugen täglich. Der Knotenpunkt am Moselufer, wo B 268 und B 51 aufeinandertreffen, sei schon jetzt "nicht leistungsfähig", so Baumeister. Auch an einem Ausbau des Knotenpunkts Aulstraße/Arnulfstraße/Auf der Weismark führe kein Weg vorbei. Dieser Ausbau war vor Jahren ein großes Thema, zuletzt hat man wenig gehört von dem nicht unkomplizierten Vorhaben.
Für Diskussionen dürfte auch die Lage von Castelnau II sorgen: Das Areal grenzt ans FFH-Gebiet "Mattheiser Wald" sowie an ein Landschaftsschutzgebiet. Eitel hält es für möglich, dass Umweltschützer auf die Barrikaden gehen könnten. Schließlich waren es nicht zuletzt deren massive Widerstände, die die Realisierung des Handwerkerparks zu Fall brachten. Bei der EGP sieht man sich für neuerliche Proteste gewappnet. Auch hat man die Verbände frühzeitig kontaktiert und informiert, berichtet Eitel. Zudem wurden Voruntersuchungen durchgeführt - auch zur Frage, welche Belange des Artenschutzes zu berücksichtigen sind (siehe Extra). Bei der EGP plant man eine "Pufferzone" zum FFH-Gebiet.
Ob diese Pufferzone später einer Bebauung zum Opfer fallen könnte, etwa wenn die Rechnung für die EGP nicht aufgehen sollte? "Nein, denn das wäre ein Riesenvertrauensbruch", versichert Eitel. Abgesehen davon müsse man sich aber immer im Klaren darüber sein, "dass wir von einer Konversionsfläche sprechen, bei der rund 80 Prozent dessen, was wir bebauen möchten, schon versiegelt ist". Zum Beispiel ein riesiges Plateau, das im Zuge der Konversionsmaßnahme ohnehin bebaut werden sollte und nun Teil von Castelnau II werden soll.Meinung

Vermintes Gelände
Jan Eitel ist ein eloquenter Verkäufer, doch bringen er und sein Team auch jene Professionalität mit, die manchem Projektentwickler abgeht. Zudem scheinen die EGP und ihr Chef lernfähig. Diese selbstkritische Offenheit schlägt sich in den laufenden Projekten nieder. Sie zeigt sich aber auch in der Art, wie die Gesellschaft in ihren "Castelnau-Gesprächen" über das Konversionsprojekt informiert. Sich durch Transparenz Akzeptanz verschaffen, lautet das Ziel. Nun wird die EGP mehr Überzeugungsarbeit denn je leisten müssen. Denn mit Castelnau II betritt sie vermintes Gelände, und es ist alles andere als sicher, dass sich alle wichtigen Probleme, die mit einer Realisierung des Quartiers verbunden wären, entschärfen lassen. Das gilt für den Naturschutz, aber mehr noch für das Thema Verkehr. Erst müssen Stadt und EGP eine überzeugende Lösung präsentieren, wie sich die Mehrbelastung in verträgliche Bahnen lenken lässt! Dann muss ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung einer solchen Lösung beschlossen werden. Erst dann - und nur dann - darf für Castelnau II Baurecht geschaffen werden. Sonst wird sich die Geschichte wiederholen - die des Petrisbergs und der weiteren Höhenstadtteile, die weiter wachsen, ohne dass sich für die Linderung der Verkehrsbelastung eine Lösung abzeichnet. trier@volksfreund.deExtra

"Naherholung statt Handwer kerpark" titelte der TV, als er im April 2011 über den Verkauf des Geländes an die EGP berichtete. "Wir wollen das Gelände nutzen für Ausgleichsmaßnahmen, die durch die Bebauung des Castelnau-Geländes notwendig werden", kündigte Jan Eitel an. Zudem sollten die Flächen der Naherholung dienen. Von einer Wohnbebauung war nicht die Rede. 2012 begannen Voruntersuchungen für Castelnau II. Ein Sinneswandel binnen kürzester Zeit? Oder existierten die Pläne schon beim Kauf des Geländes? "Beides, also Ausgleichsmaßnahmen und Naherholung, bilden noch immer einen ganz wichtigen Bestandteil unseres Vorschlages für den Rahmenplan Castelnau II", erklärt Eitel auf Nachfrage. So seien unter anderem eine "große Freizeitfläche" und eine "große und aufwändige Fußgänger- und Fahrradtrasse rund um das Gelände" vorgesehen. Der EGP-Chef weiter: "Allerdings war unsere Motivation für den Ankauf in der Tat damals noch eine andere: Wir haben gekauft, um uns die Fläche zu sichern und damit zu verhindern, dass ein dritter Käufer das Grundstück mit dem rechtskräftigen Bebauungsplan erwirbt. Jeder Erwerber hätte sofort Baurecht gehabt." Eitel stellt klar: "An eine Wohnbebauung haben wir nicht gedacht, das war ja damals gar keine Option." Zudem sei die Situation seinerzeit "eine ganz andere" gewesen und die "Problematik und das Bewusstsein für die Wohnraumnot und rund um das Thema bezahlbarer Wohnraum noch nicht auf der Agenda". mstExtra

2009 verabschiedeten sich Stadt und HWK von den Plänen für einen Handwerkerpark. 2011 erwarb die EGP das Gelände. 2012 begannen Voruntersuchungen, ob auf dem Areal eine Wohnbebauung machbar wäre. An diesem Mittwoch wird die EGP im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Bauausschusses über den Sachstand berichten. Im Februar und März 2015 soll die Öffentlichkeit umfassend informiert werden, unter anderem im Rahmen der Castelnau-Gespräche. Schon im September 2015 könnte das Bebauungsplanverfahren starten. Bis Ende 2016, hofft man bei der EGP, könnte Baurecht geschaffen sein. mstExtra

Da das Gelände an das FFH- und Naturschutzgebiet "Mattheiser Wald", ein Landschaftsschutzgebiet und an ein gesetzlich geschütztes Biotop grenzt, veranlasste die EGP eine Vorprüfung zum Artenschutz. Hierbei wurden im östlichen Randgebiet des Areals Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Gelbbauchunke gefunden. Allerdings wären diese laut EGP nicht von einer Bebauung betroffen. Was den im Gelände vorkommenden Mittelspecht anbelangt, plant man "konfliktvermeidende Maßnahmen". Der große Bestand an Fledermäusen im Gelände sei "maßgeblich für die Angrenzung der potenziellen Baufläche". So ist eine Bebauung des ehemaligen Gefechtsdorfs nicht geplant. Das Fazit der EGP: "Artenschutzproblematik für abgegrenzte Baufläche lösbar".