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Catherina Grans führt Weingut Grans-Fassian in Leiwen in 13. Generation

Weinbau : Steile Weinberge statt Bankentürmen

In unserer Serie „Die Winzerinnen“ stellen wir heute Catherina Grans vor. Sie führt ihr für trockene Moselweine bekanntes Weingut Grans-Fassian in Leiwen in 13. Generation.

Catherina Grans beweist Stil und Klasse. Und das ist durchaus nicht nur auf ihre Weine zu beziehen. Die sind nämlich ziemlich einzigartig, hier im seit 1624 bestehenden Weingut in Leiwen, vis-à-vis der Top-Lagen Laurentiuslay und Apotheke. Die 34-jährige Winzerin hat eine klare Linie, und die wird konsequent verfolgt: Schlanke Weine will sie produzieren, elegant, filigran, aber langlebig mit Struktur und Körper.

Eine klare Philosophie

Und sie bevorzugt trockene Weine, das ist an der Mosel eher die Ausnahme. Über 90 Prozent ihrer Weine werden trocken ausgebaut. Bis hin zur Spätlese will sie keine edelfaulen (vom Boytritis-Pilz befallenen) Trauben im Lesegut. Das ist eine klare Philosophie, in Zeiten wo sich Boytritis-Töne selbst in einfachen Qualitätsweinen mancher Kollegen finden. Auch Holztöne sind in ihrer Stilistik unerwünscht, deshalb erfolgt der Ausbau zu 100 Prozent in Edelstahltanks.

Ihr Aushängeschild sind die großen Gewächse (GG), die nach den strengen, selbst auferlegten Regeln des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) produziert werden. Seit 2012 gibt es diese Klassifizierung, angelehnt an die „Grand Cru“ in Frankreich: Trockene Weine, ausschließlich aus renommierten Spitzenlagen (hier Goldtröpfchen, Laurentiuslay, Apotheke und Hofberg), mit hoher Reife und Mostgewichten, bei selektiver Lese per Hand und nach traditionellen Verfahren vinifiziert.

Generationswechsel ohne Druck

Catherinas Vater Gerhard hat seine beiden Töchter nie gedrängt, das Weingut Grans-Fassian zu übernehmen. Sie sagt: „Meine Eltern haben immer gesagt, Hauptsache ihr macht, was euch glücklich macht.“ So arbeitet Catherinas ältere Schwester heute in Frankfurt bei einer Bank. Auch die Jüngere zog es nach dem Abitur zunächst einmal fort von der Mosel, auch sie machte in Frankfurt eine Ausbildung zur Bankkaufrau. Doch am Ende war das Interesse am Weinbau größer als die Leidenschaft für Zahlen, obwohl ihr die kauffrauliche Ausbildung als selbstständige Unternehmerin zugutekommt. 13 Hektar mit rund 120.000 Flaschen pro Jahr wollen bewirtschaftet und an den Kunden gebracht werden.

Wein-Unternehmerin statt Bankerin

So war es dann schlussendlich logisch, dass Catherina Grans nach der Banklehre ihren „Bachelor of Science in Weinbau und Oenologie“ an der Geisenheimer Wein-Uni machte. Und sie setzte noch eins drauf: Im südfranzösischen Montpellier (mit Stationen in Bordeaux und Portugal) erwarb sie den „Master of Science in Viticulture & Enology“ und absolvierte Praktika im kalifornischen Napa-Valley und im Weingut Künstler im Rheingau.

All das erzählt sie ganz zurückhaltend und bescheiden, das zeugt von Selbstbewusstsein. Auch der große Auftritt scheint nicht ihr Ding zu sein, in ihrer freien Zeit sucht sie den Austausch mit befreundeten Kollegen, da wird dann gut gegessen und (blind) verkostet, um den Horizont vinologisch, aber auch privat zu erweitern. Als Ausgleich spielt sie Tennis, reist gerne, „manchmal auch dahin, wo kein Wein wächst.“

Verantwortung als Team

Im Jahr 2017 hat sie offiziell die Verantwortung für den Betrieb übernommen. Vier Festangestellte, viele Helfer und ihre Eltern stehen ihr zur Seite. Dabei findet sie guten Rat bei Vater und Mutter und profitiert gerne davon. „Die Erfahrung von 12 Generationen sind ein Schatz“, sagt sie. Die endgültigen Entscheidungen muss sie aber selbst treffen, da gab es bisher auch keine größeren Auseinandersetzungen. Alle ziehen an einem Strang. Sie weiß ihr junges Team hinter sich, „die ticken genauso wie ich.“

Langfristige Perspektive

70 Prozent der Weine werden an Handel, Gastronomie und Privatkunden in Deutschland verkauft, 30 Prozent gehen in den Export. In ganz Europa, aber auch in Südamerika und Asien findet man Weine von Grans-Fassian, besonders stark ist die Nachfrage nach trockenen Rieslingen traditionell in Skandinavien.

Um langfristig Erfolg zu haben, sagt die junge Winzerin, muss die Qualität nicht nur hoch, sondern auch gleichbleibend sein. Viele Händler bestellen die neuen Jahrgänge blind, ohne verkostet zu haben. Dieses Vertrauen will sie nicht enttäuschen. Deshalb ist sie sehr fokussiert und verzettelt sich nicht, pflegt ihr Kernsortiment. Penibel wird die Weinlese geplant, von einem auf den anderen Tag müssen die Trauben dann in die Kelter, wenn sie den optimalen Reifegrad haben.

Die Natur ist allerdings nicht immer berechenbar, das weiß auch Catherina und bleibt flexibel. Flexibel müssen auch die Rebstöcke in Zeiten von Klimawandel und Wasserknappheit sein. Da bei Grans-Fassian viele über 50 Jahre alte Stöcke stehen, die sehr tief verwurzelt und widerstandsfähig sind, bleibt Catherina zunächst einmal gelassen.

Genauso gelassen, wie sie auf die Frage antwortet, wie es als Frau im männlich dominierten Weinbusiness so ist: „Genauso wie als Mann: Leistung zählt.“ Sie habe nicht den Eindruck, dass heutzutage noch große Unterschiede gemacht würden, zumindest nicht im täglichen Geschäft.

Unaufdringlicher Charme

Sie ist sich mit den meisten Weinkennern einig, dass viele Rieslinge immer noch zu jung getrunken werden, deshalb bleiben 25 Prozent ihrer Lagenweine zunächst im vom Opa erbauten Gewölbekeller und gehen für einige Jahre nicht in den Verkauf. Auf die dadurch erreichte Jahrgangstiefe in ihrem Angebot ist sie zu Recht stolz. Nach fünf bis zehn Jahren erreichen die Lagenweine dann ihre optimale Trinkreife. Und sind von zurückhaltendem, nicht aufdringlichem Charme, ganz wie Catherina Grans selbst.