CDU Trier: Udo Köhler bleibt Fraktionschef, aber wie geht es jetzt weiter?

Trierer CDU-Fraktion : Neustart mit altem Chef

Udo Köhler hat seinen Herausforderer Thomas Albrecht abgewehrt und bleibt Fraktionschef der CDU Trier. Trotzdem ist die Führungskrise noch nicht überwunden.

Udo Köhler und Thomas Albrecht haben sich darauf geeinigt, das genaue Ergebnis der Abstimmung in der konstituierenden CDU-Fraktionssitzung am Montagabend nicht zu verraten. War es denn eng? „Nein, eigentlich nicht“, sagt Köhler. Die Kandidatur von Albrecht habe ihn nicht überrascht, sagt Köhler. „Wir kennen uns seit vielen Jahren. Die Wahl eines Fraktionsvorsitzenden ist ein normales demokratisches Verfahren, und natürlich muss man als Amtsinhaber jederzeit mit Herausforderungen rechnen.“

Albrecht selbst reagiert ein wenig emotionaler. „Ich akzeptiere die Entscheidung der Fraktion natürlich vorbehaltlos“, sagt er. „Aber ich ziehe mich jetzt in die zweite Reihe zurück und stehe auch als Stellvertreter nicht mehr zur Verfügung.“

Hier lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich Thomas Albrechts politische Vita in Trier in Erinnerung zu rufen. Seit 25 Jahren sitzt er im Stadtrat. 2003 wurde er zum ersten Mal zum stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion gewählt, nach der Kommunalwahl 2004 zum zweiten Mal, 2016 zum dritten Mal, nachdem er sich in der Zwischenzeit aus der Spitze zurückgezogen hatte – nach harter interner Kritik am damaligen CDU-Parteichef Bernhard Kaster, dem Albrecht einen „autoritären Führungsstil“ vorwarf.

Und jetzt will Albrecht wieder aus der Spitze weg, nachdem er die Wahl zum Fraktionschef verloren hat. Es brodelt in ihm, kein Zweifel. Aber offiziell spricht er nicht darüber. Ein Veränderer oder gar Reformer sei eben zurzeit nicht gewünscht, ist aus CDU-Kreisen zu hören.

Udo Köhler bleibt an der Spitze der Fraktion, die mit der Kommunalwahl sieben ihrer 20 Sitze verloren hat und zum ersten Mal seit Menschengedenken nicht mehr stärkste Kraft im Stadtrat ist. Diese Rolle haben die Grünen übernommen (siehe Text unten).

„Es wird ab sofort eine ganz andere Arbeit im Stadtrat und in den Ausschüssen sein“, sagt Köhler. Eine klare Absage an das Motto „Weiter so wie bisher“.

Doch wer im Stadtrat Trier politische Ziele erreichen und durchsetzen will, braucht eine Mehrheit. Von einer solchen ist die CDU weit entfernt, selbst wenn der bisherige Partner, die Grünen, die alte „Verantwortungsgemeinschaft“ weiterführen wollen sollte. Zusammen hätten CDU und Grüne 28 der 56 Stimmen im Rat. Das reicht nicht für eine Mehrheit. Es sei denn, ein weiterer Partner kommt dazu. Beispielsweise die FDP. Eine Jamaika-Koalition.

Köhler bleibt diplomatisch. „Wir werden mit allen Fraktionen sprechen.“ Was sagt die FDP? „Nur wenn es hier eine echte gemeinsame Vision gäbe, käme für uns ein Bündnis mit anderen Fraktionen infrage“, erklärt Spitzenkandidat Tobias Schneider. „Ein reines Zweckbündnis würde Trier nicht weiterbringen. Ob das mit Grünen und CDU möglich wäre, kann ich nicht sagen, aber Zweifel sind aufgrund zum Teil sehr unterschiedlicher Positionen zumindest angebracht.“

Die neue Mehrheit im Stadtrat, falls es eine geben sollte, ist nicht die einzige offene Frage. Die CDU sucht nämlich immer noch einen neuen Parteichef in Trier, da Max Monzel nach anderthalb Jahren nicht mehr will (der TV berichtete).

Möglicherweise will auch Thomas Albrecht nicht mehr. Vor seiner Niederlage in der Wahl des Fraktionschefs hatte der 63-jährige Oberstaatsanwalt noch erklärt, er stehe bereit, falls die CDU ihn braucht. Das klingt jetzt ein wenig anders.

„Es ist noch lange Zeit bis zum Herbst“, sagt Albrecht auf die konkrete Frage, ob er als Kandidat für den Chefposten noch zur Verfügung steht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Partei in Trier einen Neubeginn benötigt. Ob und in welcher Form ich mich daran beteilige, kann ich derzeit noch nicht sagen. Das werde ich zu gegebener Zeit entscheiden.“

Vielleicht will Udo Köhler das Amt des Parteivorsitzenden wieder übernehmen, das er vor der Stabübergabe an Max Monzel 2018 schon innehatte? „Ein klares Nein“, sagt der 56-jährige Architekt. „Der Parteivorsitz ist quasi ein zweiter Vollzeitjob, das lässt meine berufliche Belastung nicht zu.“

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