Chaos und Gegenstimmen

Heide von Schütz und Sascha Gottschalk führen die Grünen im Kreis Trier-Saarburg in das Wahljahr 2009. Mit Zustimmung überhäuft wurden die beiden neuen Vorstandssprecher bei ihrer Wahl am Dienstagabend allerdings nicht.

Trier. Allzu häufig kommt es vor, dass die Grünen bei Versammlungen nicht beschlussfähig sind. Daheimgebliebene werden dann schon mal per SMS aktiviert, damit zum Beispiel Wahlen überhaupt stattfinden können. Am Dienstag war das anders: Knapp 40 der rund 130 Grünen im Kreis kamen, um ihren Vorstand neu zu wählen. Schließlich barg der Abend Brisanz: Der Trierer Reiner Marz, bis 2006 grüner Landtagsabgeordneter, hatte über die Trierer Medien einen Richtungswechsel gefordert. Insbesondere im Trierer Stadtrat sollte künftig eine feste Koalition mit anderen Fraktionen gebildet werden, um so grüner Politik Mehrheiten zu verschaffen. Von einem "Ja" der Basis zu dieser Koalitionsfrage wollte Marz seine Kandidatur als Vorstandsprecher abhängig machen. Diskutiert hatten die Grünen darüber bisher offenbar nicht, holten das aber am Wahlabend nach.

Schwarz-Grün als Option in Trier?

Im Mittelpunkt stand dabei ein Missverständnis: Während Marz Gespräche mit allen Fraktionen avisiert hatte, verkürzten einige dies auf einen Koalitionsantrag an die CDU. "Warum sollen wir ausgerechnet eine Option auf die CDU aufmachen - als Dank für den ganzen Beton in der Stadt und deren hohe Verschuldung?", fragte Alt-Grüner Horst Steffny.

Auch als Minderheit könne man Politik machen, Koalitionsaussagen verwirrten dagegen lediglich die Wähler. "Ohne Mehrheit können wir gar nichts machen", hielt Rainer Landele dagegen, "ich würde zwar nicht für Grün-Schwarz, aber zum Beispiel für Grün-Rot kämpfen." Insgesamt überwogen in der rund 45-minütigen Diskussion die Stimmen gegen Koalitionsgespräche - sowohl auf Stadt- als auch auf Kreisebene. Ein Fazit daraus für die künftige Marschrichtung zog jedoch auch die bis dato amtierende Vorstandssprecherin Claudia Brinkmann nicht.

Chaotisch ging es weiter bei der Wahl der Vorstandssprecherin: Die einzige Kandidatin, Heide von Schütz aus Langsur, erhielt im ersten Wahlgang nur 19 der 38 Stimmen - exakt ein "Ja" zu wenig, um gewählt zu sein.

Nach einigen Diskussionen über die Wahl-Regularien ging es in den zweiten Wahlgang, in dem 20 Grüne für von Schütz votierten, aber immerhin 15 sich mit einem klaren "Nein" gegen sie stellten. Ganz offen erklärte Marz, dass er - ganz abgesehen von der Koalitionsfrage - mit von Schütz nicht zusammenarbeiten will.

Daher gab es auch für den zweiten Vorstandsposten mit Sascha Gottschalk aus Konz nicht nur ebenfalls nur einen Bewerber, sondern auch zum zweiten Mal am Abend kein Traumergebnis: Der 29-Jährige erhielt 23 Ja- und 12 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Zur neuen Kassiererin wurde Claudia Brinkmann gewählt, neue Beisitzer sind Martina Wehrheim aus Konz, Sabina Quijano aus Kanzem, Sandra Vogel und Rasmus Klimpe (beide Trier).

Meinung
Krise? Welche Krise?

Von Christiane Wolff

Auch, wenn sie es nicht wahrhaben wollen und meinen, ihre Krise sei von den Medien "hoch gejazzt": Die Grünen stecken im Schlamassel. Lydia Hepke, Frontfrau der Kommunalwahl 2004, ist nach innerparteilichen Querelen aus der Partei ausgetreten. Anja Matatko ist zwar gar nicht erst in die Partei eingetreten, sitzt aber für die Grünen im Trierer Stadtrat - und hat kürzlich frustiert angekündigt, für diesen im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren zu wollen. Und den frisch gewählten Vorstandssprechern trauen viele offenbar nicht zu, die Partei in das schwierige Wahljahr 2009 zu führen. Die Grünen müssen zusehen, dass sie ihren Schulterschluss wieder finden. Die 17 Prozent, die sie bei der letzten Kommunalwahl in Trier erzielt haben, könnten sie sonst im nächsten Jahr nicht nur nicht wiederholen, sondern weit unterbieten. c.wolff@volksfreund.de