Christdemokraten feiern Parteigeburtstag

TRIER. "Gründung einer Partei" stand auf der Tagesordnung, als sich die Gründungsmitglieder des heutigen CDU-Kreisverbandes Trier-Stadt am 20. September 1945 im Herz-Jesu-Pfarrheim trafen. Am Dienstag feierte die Partei ihren runden Geburtstag in der Europäischen Rechtsakademie.

Über 250 Stühle haben die Helfer im Foyer der Europäischen Rechtsakademie hintereinander gereiht. Doch die Sitzplätze reichen nicht aus. Immer mehr Trierer Christdemokraten strömen in den nüchternen Raum. Sie sitzen auf Treppenaufgängen und lehnen in Nischen, jeder versucht, sich einen guten Blick auf die kleine Bühne zu sichern. "Häufig kommen zu solch offiziellen Anlässen - bei denen es nicht um Listenplätze für den Stadtrat oder so geht - leider nicht so viele", sagt Bertrand Adams. Dass knapp 20 Prozent der rund 1500 Parteimitglieder da sind, um die Festreden zum 60-jährigen Bestehen der CDU zu verfolgen, freut den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat."Wir können stolz auf unser Land sein"

Feierliche Stimmung herrscht im ERA-Foyer. Ulrich Holkenbrink, angehender Oberbürgermeister-Kandidat der CDU und deren Vorsitzender, begrüßt gut gelaunt das Auditorium, nutzt die Gelegenheit aber auch zur Kritik: "Im zurückliegenden Wahlkampf haben die zuständigen Strategen Fehler gemacht. Inhalte wurden nicht richtig vermittelt. Darüber hilft hier in Trier auch nicht das gewonnene Direktmandat hinweg." Dann spricht Christoph Böhr, Landesfraktionsvorsitzender. "Lieber Uli, liebe Parteimitglieder", sagt er und holt aus zu einem weiten Bogen darüber, was man an einem hohen runden Geburtstag nicht vergessen dürfe. Das Innehalten, den Blick in die Zukunft und das Zurückschauen. "Führt man sich die Bilder, Erlebnisse, Namen, Siege und gemeinsam durchlittenen Niederlagen der vergangenen 60 Jahre CDU Trier vor Augen, dann erfüllt mich ein Gefühl tiefer Dankbarkeit", sagt der Christdemokrat. Dann hebt er die Stimme: "Einer alleine für sich vermag überhaupt nichts, aber in der Mannschaft, da können alle zusammen spielen!" Böhr betont, wie stolz man auf die CDU Trier und Helmut Kohl sein könne. Im Hinblick auf 60 Jahre Bundesrepublik und die "Schaffenskraft der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg" müsse "manche falsche Zurückhaltung" aufgegeben werden. "Patriotisch zu fühlen, ist das natürlichste der Welt. Wir können stolz auf unser Land sein und es dürfte auch keine Diskussionen mehr darüber geben, ob man sagen darf, dass man stolz ist, Deutscher zu sein." Das wichtigste Ziel heiße "Arbeit und Wohlstand für alle", ruft Böhr und erinnert an den Wirtschaftswunder-Minister Ludwig Erhard. Aufgabe der Partei sei es, gegen die linke parlamentarische Mehrheit im Bundestag "zu werben". Weniger kämpferisch, dafür aber umso inhaltsorientierter fällt Horst Langes' Festrede aus. "Trier war ein Bollwerk der katholischen Zentrum-Partei", sagt der ehemalige Europa-Parlamentarier und Staatssekretär. Unmittelbar nach ihrer Gründung sei die CDU in Trier vorrangig ein "soziales Instrument" gewesen. "Die Leute wollten wissen, was die Partei tut, damit sie Kohle und Kartoffeln bekommen", nimmt der beinahe 77-Jährige seine gespannten Zuhörer mit in die Trierer Nachkriegszeit. Das kleine Buch "Die Gründungsgeschichte der CDU in Trier, 1945-1948", das er anlässlich des runden CDU-Geburtstags herausgegeben hat, hilft ihm dabei. Die Aufsätze der frühen CDU-Mitglieder Hans Klasen und Heinrich Holkenbrink geben Zeugnis aus einer Zeit des Aufbruchs. Christliche Grundwerte geschickt formuliert

Es geht um Josef Breitenbach, den Zentrumspolitiker, der am 5. März 1945 Oberbürgermeister Triers wurde, und um die Gründungsmitglieder der "Trierischen christlichen Partei" Heinrich Kemper, Alois Zimmer, Peter Zettelmeyer, August Wolters und Mathilde Gantenberg. "Es hätte uns nicht schlecht angestanden im zurückliegenden Wahlkampf, unsere christlichen Grundwerte stärker zu betonen", sagt Langes. Den Vorwurf an Angela Merkel, sie sei mit der offensiven Ankündigung der Mehrwertsteuererhöhung "zu ehrlich" gewesen, könne man so nicht gelten lassen. "Ehrlichkeit ist ein Wert an sich", betont Langes in einer Manier, die man bei Politikern ausgestorben glaubt. Und fügt dann, verschmitzt grinsend, hinzu: "Es kommt nur darauf an, wie man sie formuliert." Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Monika Elsner, Karl-Heinz Gorges, Ludwig Hellriegel, Udo Köhler, Michael Maxheim, Bernd Steil. Für 30-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Wolfgang Block, Margret Böhr, Albrecht Classen, Fredy Drumm, Jürgen Haubrich, Alfons Herrmann, Hans-Peter Kiefler, Hans Kinzig, Hannelore Komes, Reinholf Lambertz, Franz Luebke, Hubert Mainusch, Hermann Steffens, Arno Steil. Für 35-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Theoa Gimmler, Matthias Jäckels jun., Agnes Masthoff, Fritz Schleser, Lore Wagner, Herbert Wahlen, Helmut Wollscheid. Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Ignaz Bender, Karl-Rainer Heiderich, Alfred Hess, Matthias Jaeckels, Wolfgang Kram, Jürgen Schmitt. Für 45-jährige Mitgliedschaft wurden geehrt: Rolf Goedert, Paul W. Müller, Siegfried Zimmermann.