Christiane macht MIttag - Rossini/Nagelstraße

Gastro-Check : Christiane macht Mittag – Im Rossini in der Trierer Nagelstraße

„Adoro“ heißt „ich liebe es“. Und unsere Mittagstischspezialistin liebt Italien. Ihre heutige Kolumne fällt daher ein bisschen schwelgerisch aus. Aber la Cucina Italiana ist ja auch einfach lecker!

Wenn’s um Italien geht, ist’s bei mir vorbei mit der Objektivität. Während ich sonst Menschenmassen meide, lag ich im vergangenen Sommer bei Neapel an einem völlig überfüllten Strand, zahlte mit Freude einen horrenden Preis für Liege, Sonnenschirm und Espresso, ließ mir die Ohren volldröhnten von viel zu lautem Familiengeschrei und liebte einfach alles daran. Selbst der Lacrima Christi schmeckte mir im Anblick des Vesuvs. Zu Hause wäre der saure Rotwein in’s Gulasch gekommen. Vielleicht.

Mag mein Blick auf alles Italienische durch Kindheitserinnerungen an unendlich scheinende Sommer auf Campingplätzen der Adriaküste verklärt sein, eins steht fest: Die italienische Küche ist die beste der Welt.

Fans wie mir geht im Rossini in der Trierer Nagelstraße das Herz auf. Das kleine, feine Restaurant lockt zunächst mit Klischees: eingetopfte Olivenbäume und Schiefertafeln mit kreidegeschriebenen Menüempfehlungen draußen. Drinnen alte, schmale Holztische mit echten Stofftischdecken, echten Kerzen und echten Rosen darauf. Dazu sanfte Chansons und Klavier aus der Musikanlage. Hach, das Leben ist süß.

Mittagstisch im Rossini in der Trierer Nagelstraße: Vorweg eine kräftige Linsensuppe mit fein geschnittenem Gemüse. Foto: Christiane Wolff

Von Montag bis Freitag gibt’s von 12 Uhr bis 15 Uhr eine wöchentlich wechselnde Mittagskarte. Zwei Hauptgerichte stehen zur Auswahl, inklusive Tagessuppe oder Salat oder Dessert. Das Angebot reicht vom knusprig gebratenen Spanferkel im Kräutermantel mit Rosmarinkartoffeln und Ratatouillegemüse (12 Euro) über gefüllte Calameretti in Rotweinsauce mit Reisbällchen (12 Euro) bis zu Spaghetti mit Ricotta-Mousse und frittierten Auberginenwürfeln (10,50 Euro). Montags, dienstags und mittwochs werden außerdem Pizzas gebacken.

Ich entscheide mich für die Linguine alla Nonna mit Steinpilzen, Lauch und Cherrytomaten in Weißweinsauce (10,50 Euro). Auch, weil ich in diesem ja so großen Pilzjahr noch nicht einen einzigen Porcino gegessen habe. Als Tagessuppe gibt’s vorweg eine kräftige Linsensuppe mit fein geschnittenen Kartoffeln und Gemüsen.

Mittagstisch im Rossini: Linguine mit Steinpilzen, Cherrytomaten und Lauchzwiebeln in einer leichten Weißweinsauce. Foto: Christiane Wolff

Köchin und Inhaberin Dagmar Montallto ist in Trier eine kleine Legende: In den 1990ern gründete sie das Klein Florenz in der Karl-Marx-Straße, in dem die Trierer Theater-Szene fortan ein und aus ging. 1999 verließ die Süditalienerin das Klein Florenz und eröffnete in der Nagelstraße das Rossini, mit großem Erfolg. Gut zehn Jahre später vergrößerte Montallto ihr Konzept mit der L’Osteria am Pferdemarkt – ebenfalls ein Renner. Als das Haus der L’Osteria 2018 abgerissen wurde, kehrte die Gastronomin in die Nagelstraße zurück. Das Rossini II führt sie nun zusammen mit ihrer Tochter, die souverän den Service macht.

Meine Steinpilzpasta riecht und schmeckt hervorragend: Die Soße ist cremig, aber nicht schwer, die Cocktail-Tomaten heiß, aber nicht verkocht, die Linguine haben Biss und sind gleichzeitig weich. Auch Konsistenz und Geschmack der Steinpilze sind perfekt: fest, buttrig und salzig. Beste italienische Küche halt. Adoro.