City-Hack: Die Stadt Trier vergibt Preisgelder für die besten Ideen zu Thema Verkehrsplanung der Zukunft.

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Trierer Verkehrschaos? Es geht auch anders

Junge Leute liefern beim Wettbewerb City-Hack Ideen zur smarten Fortbewegung, und die Stadt vergibt Preisgelder. Zwölf Entwicklerteams nehmen die Herausforderung an.

„Hacktisch“ geht es in den letzten Minuten des Trierer „City-Hacks“ an der Fachhochschule zu, bevor die zwölf  Gruppen ihre Ideen zur Mobilität in und um Trier dem Oberbürgermeister (OB)  und einer fachkundigen Jury präsentieren. Sie alle haben sich Gedanken dazu gemacht, wie die Verkehrsplanung und Mobilität allgemein der Stadt Trier  in Zukunft aussehen könnten und wie man sie ökologisch und vor allem smart gestalten kann.

Für die kurze Präsentation muss jeder Satz sitzen und jede innovative Idee auch verständlich dargestellt werden und das innerhalb von nur fünf Minuten. Es zeigt sich großer Ideenreichtum. Eine Projektvorstellung übertrifft die nächste an Kreativität. Ganz klar im Fokus der meisten Gruppen stehen Apps für das Smartphone, welche dem Nutzer, aber auch der Stadt auf verschiedene Arten helfen sollen,  Mobilität zu managen. So präsentiert das eine Team ein Programm, welches dem Nutzer  nach individuellen Vorlieben die besten Verkehrsmittel für die jeweiligen Ansprüche auswählt und die passende Strecke gleich mit. Dies soll dazu anregen, auch einmal die Alternativen zum Automobil in Betracht zu ziehen und dadurch eventuell schneller oder sicherer innerstädtisch zum Ziel zu gelangen.

Aber was, wenn man weiter außer­halb lebt, ist man dort nicht einfach auf das Auto angewiesen? Auch darüber hat sich eine weitere Gruppe Gedanken gemacht und stellt ebenfalls eine App vor, die es Dorfbewohnern erleichtern soll, flexibler Busse und Mitfahrgelegenheiten zu nutzen, so dass auf dem Land ein bedarfsgerechterer ÖPNV angeboten werden könnte. So ließen sich Busse einsparen, die sonst leer fahren würden und Busse dazu buchen in Zeiten, in denen der Bedarf größer ist.

Wenn der Bus dann schon mal im Dorf ist, kann er doch gleich die immer weiter steigende Flut an Paketen mitliefern. So  zumindest schwebt es einem weiteren Team vor um „die letzte Meile“ der Paketzusteller zu erleichtern. In ländlichen Gebieten besteht nämlich oft das Problem, dass es sich für die Lieferunternehmen immer weniger rentiert, direkt nach Hause zu liefern. Dies soll eine weitere App organisieren, welche die Anwohner wechselseitig selbst zum Zulieferer werden lässt. Doch auch abseits der Apps gab es nicht minder interessante Vorschläge. So hat sich eine Gruppe von der Hochschule ein architektonisches Konzept für die neue Bushaltestelle der FH ausgedacht. Von einem barrierefreien Zugang und Elektroroller-Parkplätzen bis hin zur Energieversorgung haben sie an alles gedacht.

Das wohl größte und ambitionierteste Projekt jedoch ist die waghalsige, aber nicht minder geniale Idee eines weiteren Teams. Ihnen schwebt eine Seilbahn für Trier vor. Diese Idee ist für die Stadt schon länger in der Diskussion (der TV berichtete mehrfach).  Die Seilbahn  könnte von der Autobahn A 64 den Pendlerverkehr bis nach Tarforst leiten und so Passagiere schneller, effizienter und ohne die Stadt zu verstopfen zum Ziel bringen. Mit Zwischenstopps an FH und Innenstadt wären die meisten hoch frequentierten Orte in Trier schnell erreichbar und das bei gleichzeitiger enormer Entlastung des Straßenverkehrs.

Um den Autoverkehr haben sich auch noch andere Hacker Gedanken gemacht. Zum einen um die Entschleunigung, etwa durch Grünstreifenelemente auf der Straße, die dem Autofahrer psychologisch den Fuß vom Gas nehmen sollen. Aber auch ein automatisches System welches Falschparker sofort erfasst und sanktioniert wird vorgestellt, indem man per Smartphone-Kamera den Verkehr mitschneidet. Ein ähnliches System schlägt auch eine weitere Gruppe vor, die aufgrund von genauen Messungen bessere Verkehrsleitsysteme für Trier erstellen will, mit denen gleichzeitig sogar die Luftbelastung ermittelt werden kann. Die Jury hat es bei solchen Präsentationen und Ideen natürlich enorm schwer, einen Sieger in der jeweiligen Kategorie zu küren. Auch OB Wolfram Leibe ist froh, nicht in der Jury dabei sein  und über die Preisgelder in Höhe von 1500 Euro entscheiden zu müssen, denn eigentlich sind die Ideen aller Teams mit enormem Potenzial gesegnet.

In der freien Kategorie, die von der Sparkasse Trier sogar mit 2000 Euro dotiert ist, setzen sich zwei „Hacker“ mit der App „Bonus Mobil“ durch. Michael Esch und Nils Dammfeld haben sich etwas Cleveres ausgedacht um Menschen spielerisch zu einer nachhaltigeren Verkehrsmittelnutzung anzuregen. So verteilt ihre App Punkte für jeden der besonders viel zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist. Mit dem Auto gibt es nicht so viele Punkte. Sein persönliches Verhalten lässt sich dann auch noch mit den Freunden vergleichen, was einen zusätzlichen Ansporn gibt, etwa weniger Auto und mehr Bus zu fahren. „Das Stichwort dazu lautet „Gamification“, freuen sich die beiden jungen Entwickler und nehmen stolz den Scheck in Höhe von 2000 Euro für ihr Projekt entgegen. Bei so viel Ideenreichtum dürfte die Zukunft der Mobilität in Trier auf gesichert sein.

Die meisten Gruppen des Trierer Talentwettbewerbs City-Hack präsentierten Apps für das Smartphone, die dem Nutzer und der Stadt helfen, Mobilität zu managen. Foto: Friedemann Vetter

OB Wolfram Leibe gab auch schon den nächsten Anstoß für die „Hacker“ mit einem leichten Augenzwinkern: „Als nächstes würde ich mir einen Hackathon zum Thema städtischen Wohnungsbau wünschen!“ Ob die jungen Entwicklerinnen und Entwickler ihm auch dabei helfen können?

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