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City-Initiative gegen weiteres Einkaufscenter: Furcht vor dem Verlust des Trier-Typischen

Trier. Die City-Initiative (CIT) bezieht eindeutig Position gegen die Trier-Ambitionen des Einkaufscenter-Marktführers ECE. "Wir brauchen in unserer Stadt kein weiteres Einkaufscenter!", sagt der Vorsitzende Michael Cornelius nach der Sitzung des CIT-Lenkungsgremiums. Roland Morgen

Trier. Die CIT steht dem Vorhaben der ECE, in Trier ein Shopping-Center zu bauen, sehr kritisch gegenüber: "Das würde lediglich zu einer quantitativen Ausweitung des Angebots führen", erklärt der Vorstand der Händlergemeinschaft nach der Beratung mit seinem Lenkungsgremium. Viele Städte mit ausgeprägter "Center-Kultur" stünden inzwischen für Uniformiertheit ohne eigenen Charakter. Von diesem "Einheitsbrei" sollte Trier verschont bleiben, betont CIT-Chef Michael Cornelius: "Wir brauchen in unserer Stadt kein weiteres Einkaufscenter."
Dass die ECE nach Trier kommen will, galt bisher als offenes Geheimnis, wurde aber noch nie auf breiterer Ebene besprochen. Der CIT-Lenkungsausschuss, bestehend unter anderem aus Vertretern von Stadtratsfraktionen und Kammern, machte den Anfang. Matthias Schmitt, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), hatte das Thema auf die Tagesordnung des knapp 20-köpfigen Beratungsgremiums gebracht und sieht sich bestätigt: "Endlich einmal ein Meinungs- und Erfahrungsaustausch in etwas größerer Runde. Aber nun muss es weitergehen. Wir warten auf substanzielle Informationen, um ergebnisorientiert diskutieren zu können."
Wirtschaftsdezernent ist gefragt


Heißt konkret: Nun ist Wirtschaftsdezernent Thomas Egger am Zug, und der hat gleich mehrfach Gelegenheit zu erklären, was Sache ist: in der nächsten CIT-Vorstandssitzung, aber auch im Gespräch mit dem Regional-Einzelhandelsverband, beides auf Anfang April terminiert.
Von Egger wird Auskunft darüber erwartet, ob die ECE tatsächlich auf den Standort der städtischen Europahalle spekuliert - eine Vermutung, die durch Ende 2017 auslaufende Pachtverträge angeheizt wird. Die ECE selbst hat sich in Standortfragen noch nicht erklärt, sondern auf TV-Anfrage lediglich bestätigt, sie plane ein Projekt in Trier und wolle sich derzeit nicht weiter äußern (TV-Mittwochausgabe).
Unter Einzelhändlern löst bereits die Absichtserklärung Besorgnis aus. 330 000 Quadratmeter Einzelhandelsverkaufsfläche gibt es in Trier, davon 150 000 Quadratmeter in der Altstadt. Die ECE würde aller Erfahrung nach mindestens weitere rund 25 000 Quadratmeter schaffen wollen und die vermutlich überwiegend mit Bekleidungsshops bestücken - was nach Einschätzung des CIT-Vorstands zu einem ungesunden Wettbewerb in der Innenstadt führen würde. Adressat der "Wir brauchen kein weiteres Einkaufscenter"-Botschaft ist laut Cornelius der Stadtrat, um dessen Gunst die ECE in jüngerer Zeit verstärkt mit Infomaterial buhlt. Offiziell im Rathaus vorstellig geworden ist das Hamburger Unternehmen aber noch nicht, jedenfalls verneint Dezernentin Simone Kaes-Torchiani die Frage, ob es bereits eine Bauanfrage gegeben hat.
Karin Kaltenkirchen, Inhaberin des Modehauses Marx, hegt Befürchtungen: "Ich kann nur hoffen, dass sich unsere Politiker von der Macht der ECE nicht blenden und sich nicht über den Tisch ziehen lassen."
Die erste Äußerung aus einem politischen Lager kommt von der Jungen Union (JU) Trier-Mitte. "Wir sind gegen ein weiteres Einkaufscenter", erklärt der Vorsitzende Michael Felix Fischer. "Vom Investor ECE geplante Großprojekte sind immer häufiger Ursache für eine gravierende Schädigung gesunder innerstädtischer Strukturen, was sich in anderen mittelgroßen deutschen Städten gezeigt hat".