City-Initiative Trier fordert vom Rathaus mehr Entscheidungsfreude

Kostenpflichtiger Inhalt: Einzelhandel : Trierer Einzelhändler schlagen Alarm

Die City-Initiative fordert vom Rathaus mehr Entscheidungsfreude. Der Zeitpunkt passt: Schon am Freitag gibt es Gelegenheit zur Diskussion.

Die Buchhandlung Stephanus schließt ihr Stammhaus in der Trierer Fleischstraße (TV vom 21. August). Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe, und nun schlägt auch die City-Initiative Trier (CIT), und zwar Alarm. „Das ist ein schwerer Verlust für den Einzelhandel, um den es ohnehin nicht sehr rosig bestellt ist“, findet der CIT-Vorsitzende Patrick Sterzenbach (50). Und es sei „hoffentlich ein Weckruf für die Stadtverwaltung“. Im Rathaus würden zu viele Dinge, die das Leben von Ladenbetreibern in Triers City erleichtern können, „auf die lange Bank geschoben“.

Ein Beispiel: 2015 habe man, wie von der Stadt gewünscht, mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Stellungnahmen zur Fortschreibung der Sondernutzungssatzung abgegeben. Darin geht es unter anderem um Warenauslage und -verkauf und Terrassengastronomie, aber auch um Straßenmusik. Vier Jahre und einen Dezernentenwechsel (von Simone Kaes-Torchiani zu Andreas Ludwig) später sei aber „immer noch nichts passiert mit den Handlungsempfehlungen. Außer vielleicht, dass die Ergebnisse unserer Überlegungen in einer Schublade im Rathaus gelandet sind“, mutmaßt CIT-Schatzmeister Jürgen Poss (48).

Dabei erwarte man nicht auf die Schnelle eine fertige neue Satzung. Es gehe auch um kleine Lösungen, die aber schnell kommen müssten, wie CIT-Vize Johannes Kolz (48) fordert. „Viele Händler würden gerne Stühle vor ihre Ladentüren stellen und auf sich aufmerksam machen und Interesse wecken. Nach jetzigem Stand dürfen sie das aber nicht. Da erwarte ich, dass sich jemand von der Verwaltungspitze traut und sagt: ,Okay, wir versuchen es mal.’ Also nicht verbieten, sondern auch mal was dulden.“

Neben „endlos langen Entscheigungswegen“ moniert der CIT-Vorstand im Gespräch mit dem TV auch mangelnde Flexibilität. Beispiel Mariä Himmelfahrt (15. August). Laut Jürgen Poss habe man die Stadt gebeten, den nach der Umgestaltung bis auf Markierungsarbeiten fertigen Nikolaus-Koch-Platz für einen Tag provisorisch freizugeben, „damit der Feiertagsverkehr aus dem Saarland, Luxemburg, Frankreich und Belgien sich nicht um ein weiteres Nadelöhr herum staut. Leider wurde unser Wunsch nicht erhört.“

Der Umgang mit den sich häufenden Leerständen in der Fußgängerzone bereitet ebenfalls Sorge. Kolz: „Das Erscheinungsbild der Fleischstraße ist nach dem Umzug des ADAC in diesem Teil verheerend. Da würde ich mir wünschen, dass es im Rathaus einen Kümmerer gibt, der mit dem Immobilienbesitzer eine Zwischennutzung etwa für eine Ausstellung  aushandelt.“ Sich selbst trauen die Vereinsfunktionäre das nicht zu: „Wir hängen uns doch bereits weit über Gebühr ehrenamtlich rein.“

Leerstände – die Problemzonen der Trierer Fußgängerzone. Hier die seit Monaten  verwaiste ehemalige ADAC-Geschäftsstelle in der Fleischstraße. Foto: Roland Morgen

Apropos Geld: Die Stadt gibt der CIT einen jährlichen Zuschuss von 71 000 Euro, der noch nicht einmal die Personalkosten der Geschäftsstelle (80 000 Euro) deckt. Auf der Ausgabenseite stehen aber weitere dicke Brocken wie die Organisation und Finanzierung des Park&Ride-Angebots an sogenannten „Hochfrequenztagen“. Da wolle man mit der Stadt ins Gespräch kommen, um diesen „dicken Ausgabeposten“ künftig abzutreten: „Es ist nicht unsere Aufgabe, den Verkehrsinfarkt zu verhindern“, sagt Poss. Unterstützung erhofft sich der CIT-Vorstand vom neu gewählten Stadtrat. Auf Konfrontationskurs mit dem Stadtvorstand wolle man nicht gehen: „Warum auch?“, sagt Sterzenbach. Wir sehen uns als Partner und haben dasselbe Ziel: Trier voranbringen.“

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