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Club 11: Stadt weist Vorwürfe zurück

Club 11: Stadt weist Vorwürfe zurück

Maximal 50 Leute dürfen in den 2011 eröffneten Club 11 in der Simeonstraße - darüber streitet die Stadt Trier mit dem Betreiber Matthias Sonnen. Die Basis dieser Beschränkung, so argumentiert die Verwaltung, sei eine Baugenehmigung aus dem Jahr 1988.

Trier. Ein Club für nur 50 Leute - dieses in der Region einmalige Kuriosum beschäftigt zurzeit die Trierer Partyszene. 2011 hat Matthias Sonnen den Club 11 nahe der Porta Nigra eröffnet, in guten Nächten feierten dort 300 Besucher, manchmal auch mehr. An Ostern 2014 griff die Verwaltung ein: Nur 50 Leute dürfen rein, sonst bestehe eine "Gefahr für Leib und Leben". Seitdem kämpft der kleine Club ums Überleben (der TV berichtete). Die Stadtverwaltung nimmt Stellung. "Wir weisen sämtliche Vorwürfe im Hinblick auf eine nicht sachgerechte und voreingenommene Sachbearbeitung aufs Schärfste zurück", sagt Ralf Frühauf vom Presseamt. Am 5. Dezember 1988, so Frühauf, habe die Stadt eine Genehmigung zur Errichtung einer Gaststätte im Untergeschoss erteilt - daraus wurde der alte Gambrinuskeller. "Die Anzahl der Besucher wurde auf 40 Gäste plus Bedienungspersonal begrenzt", sagt der Pressesprecher der Stadt Trier. Frühauf beantwortet auch die Frage, was diese alte Baugenehmigung mit der aktuellen Situation zu tun hat. Denn natürlich hat Matthias Sonnen 2010 einen neuen Bauantrag gestellt. Auch der Besitzer war mittlerweile ein anderer als 1988 - seit den 90ern gehört das Haus der Unternehmerfamilie Friedrich.
"Mit Bescheid vom September 2010 wurde auf Antrag der Eventis UG, vertreten durch den Geschäftsführer Matthias Sonnen, eine Baugenehmigung zum Umbau und zur Instandsetzung der bestehenden gastronomischen Einrichtung erteilt." Es folgt der Kernsatz: "Eine Erhöhung der Gaststättenbesucher war mit dem Antrag nicht verbunden." Das ergebe sich eindeutig aus den im Bauantrag getroffenen Angaben, die den Stellplatznachweis bestimmen. Frühauf: "Es wurde dabei von einer gleichbleibenden Gastanzahl ausgegangen, um die Anzahl der nachzuweisenden Stellplätze nicht zu erhöhen."
Bis Ostern dieses Jahres war die Beschränkung auf 50 Gäste kein Thema - weder für Sonnen, der sie laut eigener Aussage gar nicht kannte, noch für die Verwaltung, die sie offenbar fast drei Jahre lang nicht monierte. "Am 11. April 2014 setzte ein Gast per Mail das Ordnungsamt darüber in Kenntnis, dass sich mehr als 300 Menschen an Donnerstagen und Freitagen dort aufhielten und gegen Jugendschutzregelungen sowie das Nichtraucherschutzgesetz verstoßen würden", sagt Ralf Frühauf. Am 24. April folgte die Anordnung der Bauaufsicht: Ihr dürft nur noch 50 Leute reinlassen, dann ist Schluss.
Der aktuelle Stand: Matthias Sonnen hat einen neuen, zweiten Bauantrag gestellt. Er steht laut eigener Aussage mit dem Club kurz vor der Insolvenz. Ziel des Antrags, so Ralf Frühauf, sei die Nutzungsänderung einer Gaststätte zur Diskothek. Aber: "Angaben über die Anzahl der Besucher, der beschäftigten Personen sowie der Betriebszeiten und den Nachweis der erforderlichen Stellplätze beinhaltet der Antrag nicht."
Sonnen prüft, ob und wie er rechtlich vorgehen will. "Das ist auch eine Frage des Schadenersatzes. Ich hätte doch nie in diesen Club investiert, wenn ich von einer Beschränkung auf 50 Gäste gewusst hätte." jpMeinung

Eine seltsame Geschichte
Die Erklärung der Stadt Trier ist dermaßen absurd, dass es wirklich schwerfällt, sie nicht als Ironie, sondern als harte Realität zu sehen. Ein Gastronom stellt 2010 einen Bauantrag, weil er eine alte Gaststätte in eine Diskothek umwandeln will. Der Antrag wird genehmigt, die Konzession wird erteilt. Alle sicherheits- und brandschutzrelevanten Auflagen müssen damit wohl beachtet worden sein, sonst hätte es keine Genehmigung gegeben. Der Club gewinnt eine feste Fanbasis und zieht an Wochenenden um die 300 Besucher an. Fast drei Jahre später greift die Stadt ein und sagt, in diesen Club dürfen nur 50 Besucher. Das gehe schließlich aus dem Bauantrag hervor - jedoch nicht aus dem von Matthias Sonnen gestellten Antrag, sondern aus dem Vorgängermodell von 1988, mit dem der Gambrinuskeller gestartet worden ist. Wäre diese absurde Beschränkung tatsächlich ernstzunehmen, dann hätte die Verwaltung sie seit 2011 klar kommunizieren und natürlich auch kontrollieren müssen. Niemand investiert in eine Disco für 50 Leute. j.pistorius@volksfreund.de