Cobras fangen und Axthieben ausweichen

Cobras fangen und Axthieben ausweichen

TRIER. Sie sorgen für Sicherheit im öffentlichen Raum, müssen mit Randalierern fertig werden und psychisch oder suchtkranke Menschen daran hindern, sich selbst oder andere zu verletzten - doch sie sind keine Polizisten. Trier hat acht kommunale Vollzugsbeamte, deren Dienst oft von der gesamten Bandbreite menschlichen Elends geprägt wird.

Auf den ersten Blick sehen Markus H. und Helmut R. wie Polizisten aus: grüne Uniformhose, schwarze Lederjacke mit Wappen, Funkgerät und Handschellen. Doch sie tragen keine Schusswaffen, und das Wappen am Jackenärmel trägt den Schriftzug "Kommunaler Vollzugsdienst". Zusammen mit sechs weiteren Kollegen bilden beide den langen Arm des Ordnungsamts und decken einen riesigen Verantwortungsbereich ab. "Wir müssen während unseres Dienstes Szenen miterleben, die aus einem Horrorfilm stammen könnten." Helmut R. spricht offen über die Seiten seines Jobs, die kaum bekannt sind. "Wir werden zu hilflosen Personen gerufen, die ohne Pflege allein in mit Müll vollgestopften und total verdreckten Wohnungen leben. Wir werden auch gerufen, wenn der Verwesungsgestank eines unbemerkt verstorbenen Menschen aus seiner Wohnung ins Treppenhaus wabert und die Nachbarn schließlich den Notruf absetzen." Gequälte und halb verhungerte Tiere können ebenso zu einem Fall für den kommunalen Vollzugsdienst werden. "Man erlebt dabei Szenen, die man im 21. Jahrhundert und in einer Stadt wie Trier nicht für möglich halten würde", sagt der erfahrene Beamte. Dabei stört ihn eine oberflächliche Auffassung seines Berufs: "Für viele sind wir leider nur die bösen Buben, die Obdachlose vom Hauptmarkt verjagen oder Hundebesitzer drangsalieren, die ihr Tier nicht an die Leine nehmen." Roman Schmitz, gelernter Sozialpädagoge, ist der Leiter des kommunalen Vollzugsdiensts in Trier. "Wenn es zu happig wird, muss natürlich die Polizei ran", erläutert er. Wenn körperliche Gewalt ins Spiel kommt, wird den Vollzugsbeamten der "geordnete Rückzug" empfohlen. "Die Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium ist gut. Die Polizei hat gar keine andere Wahl, als viele Aufgaben auf uns abzuschieben, denn ihre Personalstärke ist bei weitem nicht so, wie sie sein sollte." Auch Schmitz ist schon lange dabei. "Die nervliche Belastung unseres Berufs ist enorm", betont er. Schmitz musste im Einsatz Axthieben ausweichen, mit ansehen, wie ein psychisch Kranker sich mit einem Messer eine lebensgefährliche Bauchverletzung zufügte, und mit seinem Team 28 Giftschlangen, darunter eine Drei-Meter-Cobra, aus einer Wohnung entfernen. Der kommunale Vollzugsdienst arbeitet in zwei Schichten von acht bis 16 und von 16 bis 24 Uhr. Streifen sind immer zu zweit unterwegs. Die Ausbildung besteht aus einem dreimonatigen Lehrgang an der Landespolizeischule. "Wir haben in Trier ein gutes Team mit erfahrenen Leuten. Wir bewirken etwas, aber wir brauchen mehr Personal." So sieht auch Wirtschaftsdezernentin Christiane Horsch die Situation. "Die Kommunen erhalten immer mehr Aufgaben vom Land. Leider wächst die Personalstärke der Ordnungsämter nicht proportional zum Zuständigkeitsbereich." Außerdem verfügt der Vollzugsdienst nicht über Blaulicht oder Martinshorn. "Die Grenze der Belastbarkeit unserer Mitarbeiter ist erreicht und überschritten worden."