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Container allein reichen nicht: Wohnungssuche für Asylbegehrende kompliziert - Notfalls Unterbringung in Turnhallen

Container allein reichen nicht: Wohnungssuche für Asylbegehrende kompliziert - Notfalls Unterbringung in Turnhallen

Hallen, Container, Einliegerwohnungen, Hotels. Hauptsache Platz, um dort Betten aufzustellen. Betten für Menschen, die nach Deutschland geflohen sind und Asyl beantragt haben. Noch schafft es die Kreisverwaltung, alle unterzubringen. Fragt sich nur, wie lange noch.

Trier/Schweich. Zustände wie in Trier hat es bisher im Landkreis Trier-Saarburg noch nicht gegeben. Dort mussten Asylbegehrende im Freien ohne Zelte campieren, weil in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) kein Platz mehr war. Bisher hat die Kreisverwaltung noch Platz für alle die Menschen gefunden, die ihr von der Afa zugewiesen worden sind. Pressesprecher Thomas Müller beschreibt das Prozedere: "Dann hält ein Bus vor der Kreisverwaltung, 40 Menschen steigen mit ihrem Gepäck aus, und die werden anschließend zu ihren Unterkünften gefahren."TV-Serie: Flüchtlinge in der Region


Wöchentlich werden durchschnittlich 40 Männer, Frauen und Kinder dem Kreis zugewiesen. Wenn der Flüchtlingsstrom so anhält, werden es am Jahresende rund 1400 Asylbegehrende sein. Oder noch mehr. Müller: "Die vor ein paar Tagen in München angekommenen Flüchtlinge sind noch nicht bei uns angekommen." Unterkommen sollten viele der Menschen in Containern. Fünf Standorte waren ursprünglich vorgesehen. Doch es gibt Probleme. Grundsätzlich ist es so, dass Wohncontainer nur noch schwer zu finden sind. "Wir nehmen alles, was wir bekommen", sagt Müller. Zusätzlich gibt es Schwierigkeiten mit geplanten Standorten. Wenn alles gut läuft, werden Ende September die ersten Bewohner in Container einziehen, die an der alten Mühle in Kell aufgestellt werden. Dort sind insgesamt 45 Plätze geplant.
80 Asylsuchende sollen in Containern in Konz zeitweise eine Bleibe finden. Die Kreisverwaltung rechnet damit, dass frühestens im Dezember dort Menschen einziehen. 120 Plätze soll es an der Famo-Kaserne Saarburg geben. Die Container werden dort nach und nach aufgestellt. In Schweich (120 Plätze) gibt es laut Kreisverwaltung mit dem vorgesehenen Gelände im Bereich Schlimmfuhren Komplikationen. Dort sollen jedoch ebenfalls bald Container stehen.
Sich was Neues überlegen muss die Kreisverwaltung für Osburg. Auch dort sollte Wohnraum geschaffen werden. Doch es hat sich gezeigt, dass ein Wasserschutzgebiet das Aufstellen der Behelfsunterkünfte verhindert.
Bereits mehrfach hat sich herausgestellt, dass angebotener Wohnraum wegen irgendwelcher Vorschriften nicht genutzt werden kann, sagt Thomas Müller. Doch die Suche nach Wohnungen geht weiter. "Wenn nichts anderes hilft, werden wir öffentliche Gebäude nutzen", sagt der Pressesprecher. Und meint damit auch Turnhallen. Denn für die Kreisverwaltung steht fest: Den Winter über darf niemand in Zelten untergebracht sein.
Dieser Wunsch hat Landrat Günther Schartz dazu bewogen, allen Zivil- und Kirchengemeinden einen Brief zu schreiben. Darin bittet er, Wohnraum bereitzustellen. Müller weiß unter anderem von Pfarrhäusern, die als Unterkunft dienen. In Trierweiler hat beispielsweise die Ortsgemeinde ein Haus gekauft, in dem unter anderem eine Familie und ein junger Somalier wohnen. Ortsbürgermeister Matthias Daleiden sagt: "Anders hätten wir keinen Platz zur Verfügung stellen können."
Wer Wohnraum anbieten kann, kann sich an die Sozialämter bei den Verbandsgemeindeverwaltungen und der Kreisverwaltung (0651/7150) wenden.

Meinung

Damit kann und muss man leben
Die Unterbringung von Flüchtlingen ist für viele Bürger bisher eine eher theoretische Frage gewesen. Das war alles weit weg und spielte sich im Fernseher ab. Der nicht enden wollende Strom von Asylsuchenden könnte schneller als gedacht praktische Konsequenzen haben. Dann nämlich, wenn im Winter der Landkreis notgedrungen Turnhallen in Schlafräume umwandeln wird, weil sonst die ihm anvertrauten Menschen erfrieren würden. Mag sein, dass dann das eigene Fußballtraining oder der Sportunterricht von Schülern ausfällt. Damit kann man leben. Und damit muss man leben. Vor allem deshalb, weil das Sterben in ihren Heimatländern viele Menschen zur Flucht getrieben hat. Vor diesem Hintergrund ist es jedem von uns zuzumuten, ein klein wenig zu verzichten. Oder? h.jansen@volksfreund.deExtra

Die Notunterkunft für neu ankommende Flüchtlinge an der früheren Kaserne in Hermeskeil wächst weiter. Dort wurde inzwischen ein fünftes Zelt aufgestellt, "das so schnell wie möglich belegt werden soll". Das sagte eine Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier am Dienstag auf TV-Anfrage. Durch das zusätzliche Zelt können 625 statt bisher 500 Menschen in Hermeskeil untergebracht werden. ax