"Coole Oma" mit Herz für Kinder

"Coole Oma" mit Herz für Kinder

TRIER. "Es ist wichtig, nach rechts und links zu schauen", ist sich Ute Weiersbach sicher. Vor fünf Jahren hat auch sie einen lebensverändernden Seitenblick gewagt. Nach 25-jähriger Berufstätigkeit hat sie sich für das Ehrenamt entschieden. Ein TV-Artikel machte sie damals auf den Kinderschutzbund und dessen Personalmangel aufmerksam. Sie wusste sofort: Das ist es! Mittlerweile ist sie Vorstandsmitglied und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

"Ach, da läuft ja gerade Clarissa", freut sich die Frau mit dem modischen Pagenkopf und winkt. "Eine sehr nette Kollegin, sie ist Schulsozialarbeiterin bei uns", erläutert Ute Weiersbach. Mit "bei uns" meint sie den Trierer Kinderschutzbund. Seit fünf Jahren hat sie sich dem Verein verschrieben. Begonnen hat sie am Kinder- und Jugendtelefon, welches ein offenes Ohr bietet (0800/1110333 die Nummer gegen Kummer). "Es sind nicht nur extreme Gespräche über Suizidgedanken oder Gewalt in der Familie, die wir führen. Immer öfter rufen Kinder auch aus Einsamkeit oder Langeweile an", erzählt sie, während ihre Augen schon im Voraus lachen. Eine Anekdote entlockt ihr noch heute ein Schmunzeln: Ein deutscher Junge meldete sich unter türkischem Namen ("Mehmet wird immer wieder gerne genommen"), ließ jedoch sein Inkognito fallen, als sie ihm klar machte, dass er auch anrufen könne, wenn er einfach nur jemanden zum Reden brauche. Der Schlüsseljunge fasst im Laufe des Telefonats soviel Vertrauen zu der eigentlich fremden Frau am anderen Ende der Leitung, dass er sie schließlich mit dem Mobilteil auf eine telefonische Hausführung mitnimmt und alles detailreich beschreibt. "Das war einfach klasse, das vergesse ich nie wieder", schwärmt die Kürenzerin. Noch mehr Begeisterung legt sie an den Tag, wenn es um ihre eigene Familie geht: "Ich hab vier wahnsinnig tolle Enkel, zwei supernette Schwiegertöchter und zwei wunderbare Söhne". Dass diese heiße Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, zeigt die stolze Aussage ihrer ältesten Enkeltochter. Die 13-Jährige meint, sie habe eine "sehr coole Oma". Nachdenklich wird Ute Weiersbach, wenn sie von ihrem verstorbenen Mann spricht. Nach seinem Tod vor elf Jahren brauchte sie Zeit, bis sie wieder ins Leben zurückkehrte. 2001 kam die Wende: Sie marschierte voller Tatendrang zum Kinderschutzbund. Mittlerweile ist sie Beisitzerin im Vorstand und organisiert in der Öffentlichkeitsgruppe Info-Stände oder Feste. Im kommenden Jahr ist bereits eine große Tombola auf dem Hauptmarkt geplant, das Sammeln von Sachpreisen soeben gestartet. Über ihre Kollegen verliert sie nur positive Worte: "Das sind ganz besondere Menschen, die sich so engagieren. Ich habe dort ganz tolle Freundschaften gewonnen und gelernt, meine eigenen Probleme nicht so wichtig zu nehmen", strahlt die agile Frau, die ein Faible für Flohmärkte und Thermalbäder hat. Rund 350 Mitglieder hat der Trierer Kinderschutzbund, von denen die Hälfte ehrenamtlich tätig ist. Selbst der zwölf-Stunden-Tag des ersten Vorsitzenden wird monetär nicht honoriert. "Wir bekommen zwar finanzielle Mittel von Kreis und Stadt, aber ohne Spendengelder könnten wir unser bestehendes Angebot nicht aufrechterhalten", berichtet Weiersbach von der stets engen Etatlage. "Deswegen sind wir auch immer dankbar, wenn sich Leute bei uns engagieren. Dabei ist es ganz egal, ob das ein Grafiker ist, der unsere Broschüren designt und druckt, ein Buchhalter, der bereit wäre als Kassenwart zu fungieren, oder Betriebe, die uns unterstützen. Das muss kein Acht-Stunden-Tag sein, es reichen auch schon zwei bis drei Stunden die Woche." Momentan macht die räumliche Enge der alten Immobilie in der Thebäerstraße einen Umzug dringlich. Findet gerade ein betreuter Umgang (Scheidungskinder treffen sich unter Aufsicht mit dem Elternteil, welches nur das Besuchsrecht hat) statt, muss das Sorgentelefon in die Küche ausweichen - ein unhaltbarer Zustand. Doch ihren Optimismus verliert Ute Weiersbach nicht. Sie glaubt an das Potenzial der Region und ihrer Leute: "Das schlummert irgendwo, man muss es nur wecken." Kinderschutzbund-Spendenkonto: 132 282 bei der Sparkasse Trier (BLZ 585 501 30)

Mehr von Volksfreund