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Corona-Abi 2021 in Trier: Maskenparade statt Abiball

Schulen : Corona-Abi 2021 in Trier: Maskenparade statt Abiball

Mit Livestream, ohne Ballkleid, mit Eltern, ohne Gäste, ... Der zweite Corona-Abiturjahrgang feiert die Zeugnisübergabe unterschiedlich.

Ihr Abiballkleid blieb aus Solidarität im Kleiderschrank hängen: „Die meisten Abiturientinnen aus meinem Jahrgang haben gar nicht mehr mit einer feierlichen Zeugnisverleihung gerechnet und hatten daher kein Ballkleid“, erzählt Abiturientin Eva Fischer. Statt ihres Tüllkleids, das sie für den Abiball gekauft hatte, trug sie zur Zeugnisvergabe daher ein graublaues Minikleid mit einem schwarzen Blazer. „Ich fand es schöner, etwas schlichter, aber dafür einheitlicher mit den anderen gekleidet zu sein“, begründet sie.

Die Triererin ist Abiturientin des nunmehr zweiten Corona-Abiturjahrgangs. Der Abistreich und der große Abschlussball fielen aus, Reisepläne sind auf Eis gelegt. Das war schon im vergangenen Jahr so. Der Abiturjahrgang 2021 ist jedoch der erste, der auch während seiner Unterrichtszeit und Prüfungsphasen unter den Corona-Restriktionen gelitten hat: Keine Abschlussfahrt, der Wechsel von Präsenz- und Online-Unterricht, viel Unterrichtsausfall, Prüfungen in Winterjacke und mit Wolldecke – und die Unsicherheit als ständiger Begleiter während der vergangenen Monate.

Dass unter diesen Umständen überhaupt eine Zeugnisvergabe stattfinden konnte, war für Eva Fischer ein Highlight: „Ich bin unserer Direktorin super dankbar, dass sie uns das ermöglicht hat“, erzählt die Abiturientin am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. „Natürlich gab es viele Regeln, an die wir uns halten mussten“, sagt sie. Die Stühle in der Turnhalle seien zum Beispiel mit je zwei Metern Abstand zueinander aufgestellt worden; zusätzlich habe jeder eine Maske getragen. Dank festlicher Garderobe, Luftballons und persönlicher Zeugnisüberreichung sei es dennoch gelungen, eine feierliche Atmosphäre zu schaffen.

FEIER OHNE ELTERN

An fast allen Gymnasien mussten die Eltern der Abiturienten jedoch zu Hause bleiben. „Ich bin Einzelkind. Dass meine Eltern das nicht live miterleben konnten, hat mir für sie leidgetan“, erzählt Eva Fischer. Mutter Marion berichtet: „Es war schon ein komisches Gefühl, meine Tochter zur Zeugnisübergabe in die Schule zu fahren und sie dann dort abzugeben. Da begleitet man die Kinder so lange durch die Schulzeit und kann dann nicht beim Abschluss dabei sein.“ Immerhin gebe es von der Zeugnisverleihung Video- und Bildaufnahmen, die bald zur Verfügung gestellt werden sollen.

LIVEÜBERTRAGUNG

Am Max-Planck-Gymnasium konnten Eltern, Lehrer und Freunde dank des Engagements einiger technikaffiner Abiturienten der Zeugnisübergabe per Livestream zusehen. Ab 9 Uhr bauten die Abiturienten Kameras und Stative in der Turnhalle auf. Vor allem in formeller Hinsicht sei der Livestream eine Herausforderung gewesen „Der Datenschutz hat die Organisation recht aufwendig gemacht“, sagt Abiturient Johannes Lorenz. Seine Eltern verfolgten die Liveübertragung von zu Hause. „Meine Großeltern haben es auch versucht, aber es hat mangels technischer Fähigkeiten nicht geklappt“, erzählt er. Trotz der Übertragung habe es sich nicht so angefühlt, als seien seine Eltern dabei gewesen. „Es war kein adäquater Ersatz“, sagt der 19-Jährige.

Zwischenzeitlich folgten rund 230 Menschen der – der Pandemie geschuldet – sehr umständlichen Zeugnisübergabe: Ein Tisch wird auf die Bühne getragen; auf ihm liegen die Zeugnismappen bereit. Die Abiturienten betreten nacheinander mit Maske die Bühne und schnappen sich im Vorbeigehen ihr Abiturzeugnis vom Tisch. Das geht so schnell, dass kaum ein Absolvent länger als fünf Sekunden im Bild ist und erinnert an einen Staffellauf. Zwischendurch lassen Musikfetzen erahnen, dass die Zeugnisübergabe musikalisch untermalt und für jeden Stammkurs applaudiert wird. Die meiste Zeit kommt davon hinter dem Bildschirm jedoch nichts an.

Beim zweiten Mal klappt dann alles schon besser: Denn um die Abstandsregeln einhalten zu können, wurde der Jahrgang in zwei Gruppen geteilt, die ihre Zeugnisse in aufeinanderfolgenden Veranstaltungen erhielten. Technische Schwierigkeiten konnten zum zweiten Livestream dann bereits behoben werden. Und statt eines Staffellaufs auf der Bühne hält jeder Abiturient seine Zeugnismappe stolz in die Kamera, bevor er die Bühne wieder verlässt.

Auch die Film-AG am Humboldt-Gymnasium organisierte eine Online-Übertragung der Zeugnisvergabe. „Meine Geschwister haben den Livestream von zu Hause geguckt. Das war komisch, aber auch schön, dass sie ‚dabei‘ waren“, erzählt die HGT-Abiturientin Inga Boost. Im Gegensatz zu allen anderen Gymnasien durften die Abiturienten ihre Eltern zur Zeugnisvergabe mitbringen. Das war möglich, weil der Jahrgang in sechs Gruppen geteilt und die Zeugnisverleihungen über zwei Tage verteilt erfolgten. Lehrer, die nicht dabei sein konnten, verabschiedeten sich von ihren ehemaligen Schülern mit selbst gedrehten Videos, die während der Veranstaltung abgespielt wurden: „Am Ende des Videos haben sie gerufen: ‚Wir feiern euch!‘ Das fand ich total schön“, erzählt die Abiturientin. Gefehlt habe natürlich der inoffizielle Teil. „Dass man zusammen isst, trinkt und später feiern geht“, erklärt Inga Boost.

FEIERN IM KLEINEN KREIS

Stattdessen habe sie ihre bestandene Reifeprüfung anschließend zu Hause mit der Familie gefeiert. „Dementsprechend war es nicht so, wie ich es mir gewünscht habe. Aber es war eine schöne Alternative, fand ich. Es geht halt im Moment nicht anders.“

Am FWG feierten die Absolventen am Abend virtuell weiter: „Viele haben sich abends online getroffen. Das ging nicht lange, weil es mit so vielen Leuten dann doch nicht so gut funktioniert hat“, erzählt Eva Fischer. Johannes Lorenz berichtet: „Nach der Zeugnisvergabe gab es ein Stammkursfoto mit ausreichend Abstand zwischen den Abiturienten, und danach wurden wir vom Schulhof verscheucht, damit die zweite Gruppe ihre Zeugnisse abholen kann.“ Einige Anwohner hätten die jungen Leute ermahnt, sich nicht vor dem Schulhof zu versammeln und damit gedroht, das Ordnungsamt zu rufen. „Eine sonderlich festliche Stimmung war das also nicht.“

KEINE GÄSTE, KEIN LIVESTREAM

Am Angela-Merici-Gymnasium und Auguste-Viktoria-Gymnasium erhielten die Abiturienten ihre Zeugnisse in Kleingruppen ohne Gäste und ohne Livestream. „Viele haben daher gar kein Ballkleid gekauft“, weiß Charlotte W. Am AVG schloss sich an die Zeugnisverleihung eine „Online-Abifeier“ mit Eltern an. „Dort wurden die zuvor aufgenommenen Schüler- und Lehrerreden vorgetragen“, sagt Abiturientin Louisa B. Am Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier-Ehrang werden die Abiturprüfungen im Sommer geschrieben.

HOFFNUNG AUF FEIER IM SOMMER

Viele Absolventen haben die Hoffnung, dass man im Sommer eine Feier mit allen Schülern, Lehrern und Eltern nachholen kann. Manche haben ihre ehemaligen Mitschüler durch den eingeschränkten Präsenzunterricht und die Zeugnisverleihung in Kleingruppen seit den schriftlichen Prüfungen im Januar nicht mehr gesehen. Sie würden sich gerne verabschieden, um mit der Schulzeit abschließen zu können. „Ich hab nicht den Eindruck, dass ich mein Abitur gemacht habe. Es kommt mir vor, als wäre es ein verlängertes Wochenende, und ich müsste bald wieder zur Schule“, beschreibt Johannes Lorenz. „Bei einer Feier im Sommer hätten wir die Möglichkeit, viele noch einmal zu sehen, und könnten den Abschluss der Schulzeit gemeinsam feiern“, sagt Louisa B. vom AVG. Eva Fischer würde sich vor allem für ihre Eltern über eine nachträgliche Abi­turfeier im Sommer freuen. Dann kommt vielleicht auch endlich ihr Tüllkleid mit den Spaghettiträgern und Glitzersteinen zum Einsatz.