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Corona-Alarm in Trier und im Kreis Trier-Saarburg – Was Sie jetzt wissen müssen

Gesundheit : Coronavirus in Trier und im Kreis Trier-Saarburg – Was Sie jetzt wissen müssen

Warnstufe Orange! Die Corona-Infektionszahlen in Trier und im Kreis Trier-Saarburg sind innerhalb eines Tages dramatisch gestiegen. Die Stadt Trier hat den verkaufsoffenen Sonntag deshalb abgesagt. Wir informieren darüber, was Sie jetzt wissen müssen.

Als am Mittwoch das Gesundheitsamt die aktuellen Infektionszahlen meldet, herrscht im Trierer Rathaus Alarmstimmung. Zwar hatte Amtsleiter Dr. Bernd Michels vor einem drastischen Anstieg gewarnt. Aber dass dieser dann so schnell kommen würde überraschte. 43 weitere Infektionen mit dem Coronavirus wurden gemeldet – 24 aus dem Landkreis und 19 aus der Stadt Trier. Damit haben Kreis und Stadt die Warnstufe Orange des Warn- und Aktionsplans des Landes Rheinland-Pfalz erreicht. 

Die Reaktion aus dem Rathaus folgt umgehend: Der für den 25. Oktober geplante verkaufsoffene Sonntag wird abgesagt. „In dieser Lage können wir es nicht verantworten, dass die Menschen in der Innenstadt und den Geschäften eng an eng zusammenkommen“, erklärt der zuständige Ordnungsdezernent Thomas Schmitt. Oberbürgermeister Wolfram Leibe ergänzt: „Aufgrund der steigenden Zahl an Neuinfektionen in Trier sind auch die bei der Genehmigung des verkaufsoffenen Sonntags getroffenen Vereinbarungen über Schutzmaßnahmen wie eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone nicht mehr ausreichend. Uns sind die Belastungen bewusst, die das für diejenigen bedeutet, die unsere Stadt lebenswert machen. Aber das aktuelle Infektionsgeschehen lässt uns keinen Spielraum.“

Zumindest für die Notwendigkeit der Absage hat Patrick Sterzenbach, Vorsitzender der City-Initiative Trier, Verständnis. „Die Kurzfristigkeit ist für uns Händler aber eine Katastrophe.“ Die vier verkaufsoffenen Sonntag seien bereits im November 2019 genehmigt worden. Sterzenbach sieht nun auch den letzten geplanten Termin am 29. November in Gefahr, falls auch das neue Weihnachtsmarktkonzept nicht zum Tragen kommen würde. „Das wird vielleicht ein sehr trauriges Weihnachtsfest.“ Sterzenbach bemängelt eine „enorme Wettbewerbsverzerrung“ mit Blick auf Outlet-Center wie in Zweibrücken. „Dass die trotz roter Ampel sonntags öffnen dürfen, ist für uns ein Schlag ins Gesicht.“

Auch Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier, meldet sich mit deutlichen Worten: „Wir bedauern die kurzfristige Absage. Der Einzelhandel hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass dort sehr verantwortungsbewusst mit den geltenden Vorschriften umgegangen wird. Für den Sonntag lag zudem ein Hygienekonzept mit Maskenpflicht auch im Freien vor. Auch die Unternehmen hatten sich bereits voll auf den kommenden Sonntag eingestellt und Werbung geschaltet, die nun ins Leere läuft und deren Kosten die Betriebe nicht refinanzieren können“. Der Handel in der Region sei bislang nicht für steigende Infektionszahlen verantwortlich. „Wir hoffen, dass der verkaufsoffene Sonntag, sobald es die Corona-Lage zulässt, nachgeholt werden kann.“

Von Entspannung ist derzeit keine Rede. Die 7-Tage-Inzidenz, (Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen), liegt am Mittwoch im Kreis bei 40,2 und in der Stadt Trier bei 40,6. Damit ist die Zahl der seit dem 11. März nachweislich mit dem Corona-Virus infizierten Personen auf 829 gestiegen – 310 in der Stadt Trier und 519 im Kreis Trier-Saarburg. Aktuell gelten 139 Personen als infiziert – 77 im Kreis und 62 in Trier. Vier Patienten befinden sich in stationärer Behandlung.

Die Infektionszahlen verteilen sich im Kreis Trier-Saarburg wie folgt auf die Verbandsgemeinden: VG Hermeskeil: 104; VG Konz: 85; VG Ruwer: 37; VG Saarburg-Kell: 134; VG Schweich: 89; VG Trier-Land: 70.

Besonders alarmierend an den neuen Daten ist die zunehmende Zahl der betroffenen Einrichtungen: Neben den bereits in den vergangenen Tagen teilweise oder ganz geschlossenen Einrichtungen, für die zum Teil noch Befunde ausstehen (Kita Mutterhaus und Zewen in Trier, Kita Wincheringen, AfA Hermeskeil, Balthasar-Neumann-Technikum Trier), sind nun erstmals seit langer Zeit auch zwei Altenheime betroffen: in Hermeskeil und St. Irminen in Trier. Auf den betroffenen Stationen wurde ein strikter Besucher- und Aufnahmestopp verfügt. Neu von Infektionen betroffen sind zudem die beiden Kitas Trassem und Montessori Trier; letztere wurde komplett geschlossen. Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) Trier trägt inzwischen mit sechs bestätigten Infektionen zur Statistik bei. Alle betroffenen Personen befinden sich nach Auskunft des Gesundheitsamts Trier-Saarburg in Quarantäne.

Trotz der Warnstufe Orange waren bis Redaktionsschluss vom Land weder in der Stadt noch im Kreis Sitzungen der Corona-Task-Force einberufen worden. Die Fachbehörden des Landes beraten dabei gemeinsam mit der Kommune, Polizei und Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen gegen die Pandemie. „Wir warten minütlich auf einen entsprechenden Anruf“, sagt Rathaussprecher Ernst Mettlach am Abend. Stadt und Kreis wünschen sich zudem eine gemeinsame Task-Force. Entscheiden muss darüber das Land. Oberbürgermeister Wolfram Leibe versichert: „Wir stimmen alle Maßnahmen mit dem Land ab und greifen auf Erfahrungen aus anderen Städten zurück.“

Unabhängig davon tritt am Donnerstag turnusgemäß der wöchentlich tagende Krisenstab zusammen, in dem die Stadt, die Trierer Kliniken, Gesundheitsamt und Polizei darüber beraten, wie sich die Corona-Lage entwickelt. Kreis- und Stadtverwaltung haben sich am Mittwoch bereits intensiv ausgetauscht. Künftig soll täglich eine gemeinsame Lagebesprechung stattfinden.

Das Gesundheitsamt appelliert an die Menschen in der Region: „AHAL-Regeln strikt beachten und verantwortungsvoll handeln.“ Es hat zudem auf die Möglichkeit hingewiesen, mittels der App „Mein Laborergebnis“ das Testergebnis zeitnah selbst abzufragen und den Befund auch auszudrucken.

„Die deutlich steigenden Neuinfektionen der letzten Tage und das Erreichen der Warnstufe Orange zeigen, dass weiterhin die Beachtung der Hygiene-, Abstands- und Kontaktregelungen wichtig ist, um eine Weiterverbreitung des Virus zu unterbinden. Empfohlen wird, auch bei Menschenansammlung im Freien einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, wenn dort der Abstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. Regelmäßiges Lüften von Räumen, in denen sich mehrere Menschen aufhalten, wird ebenso angeraten.“

Mach Mit! Das gilt unabhängig vom abgesagten Mantelsonntag, wie Patrick Sterzenbach demonstriert. Foto: City-Initiative

Insbesondere bei privaten Feiern sollte man auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sowie der Tragen eines Mund-Nasenschutzes achten. Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg: „Grundsätzlich sollte man prüfen, ob in der aktuellen Lage private Feiern, Partys, aber auch Urlaubsreisen oder Ausflüge wirklich notwendig sind.“