1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Corona-Krise – Jugendamt stoppt Geld für Tagesmütter

Kostenpflichtiger Inhalt: Kinderbetreuung : Corona-Krise – Jugendamt stoppt Geld für Tagesmütter

Die Kitas sind geschlossen – Erzieher und Erzieherinnen erhalten trotzdem weiter ihr Gehalt. Anders sieht es aus bei Tagesmüttern: Deren Lohn zahlen die Jugendämter nur wenige Wochen weiter. Dabei übernehmen Tagesmütter mit der Kinderbetreuung eine Aufgabe, die sonst die Kommunen leisten müssten.

Normalerweise hat Simone Schmitt (Name geändert) richtig viel zu tun: Fünf Kinder betreut die 28-Jährige ganztags von montags bis freitags. Das Jüngste ist gerade mal neun Wochen alt, die Ältesten zwei Jahre. Gut 3000 Euro brutto bekommt die Tagesmutter dafür pro Monat vom Jugendamt. Jetzt steht die Frau, selbst Mutter von zwei Töchtern und Alleinverdienerin ihrer Familie, vor dem finanziellen Nichts.

Vor zwei Wochen haben die Stadt Trier und der Landkreis Trier-Saarburg die Schließung aller Kitas verfügt. Tagesmütter waren von der Entscheidung nicht betroffen. „Trotzdem haben alle Eltern ihre Kinder, die bei mir in der Betreuung waren, abgemeldet“, berichtet Schmitt. Und für abgemeldete Kinder zahlt das Trierer Jugendamt nur zwei Wochen lang weiter. Vielen ihrer Kolleginnen gehe es derzeit ähnlich, berichtet die Trierer Tagesmutter. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“

Im Stadtgebiet Trier gibt es 142 Tagesmütter, die insgesamt 433 Kinder betreuen, für die das Jugendamt die Kosten übernimmt – normalerweise. Im Landkreis sind es 70 Tagesmütter mit 205 Kindern.

 Die Tagesmütter übernehmen damit eine wichtige Aufgabe, die sonst die Kommunen selbst stemmen müssten. Denn die Betreuungsplätze in den regulären Kitas decken die Nachfrage nicht. Immer noch gibt es Wartelisten. Seit einigen Jahren haben Eltern allerdings das gesetzlich verbriefte Recht auf Betreuungsplätze. Ohne Tagespflegeplätze müssten Stadt und Landkreis entweder ihre eigenen Kita-Plätze aufstocken oder sich auf etliche Klagen der Eltern einstellen.

Die Tagesmütter werden für die Übernahme der Betreuungsleistung von den Jugendämtern bezahlt. „Ich kenne keine Tagesmutter, die sich noch durch direkte Zahlungen der Eltern finanziert“, sagt Schmitt.

Die Jugendämter sind also abhängig von der Betreuungsleistung der Tagesmütter. Und die Tagesmütter finanziell abhängig vom Jugendamt, das auch anteilig die Sozialversicherungskosten übernimmt. Trotzdem: „Tagespflegepersonen sind selbstständig tätig“, betont Michael Schmitz, Pressesprecher der Trierer Stadtverwaltung. „Gemäß der Satzung der Stadt Trier wird im Falle der Abwesenheit der Kinder die Tagespflegeperson über einen Zeitraum von zwei Wochen fortgesetzt gefördert.“

Im Landkreis Trier-Saarburg gilt eine für die Tagesmütter zumindest etwas bessere Regelung. „Bei Abwesenheit des betreuten Kindes wird die laufende Geldleistung über einen Zeitraum von bis zu vier zusammenhängenden Wochen weitergewährt“, heißt es in der entsprechenden Satzung. Martina Bosch, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, erklärt: „Wir halten uns an diese Satzung und zahlen den Tagesmüttern und Tagesvätern – unabhängig von den Gründen für die Unterbrechung der Kinderbetreuung – die festgesetzten Entgelte vier Wochen weiter.“

Warum Stadt und Kreis unterschiedlich verfahren, bleibt offen. „Wir gehen davon aus, dass es für diese Sache bis Mitte April eine einheitliche Regelung auf Landesebene geben wird“, sagt Bosch.

Was bis dahin ist, weiß Tagesmutter Simone Schmitt noch nicht. Am Montag hat sie angefangen, sich durch die Unterlagen zu kämpfen, mit denen Kleinselbstständige finanzielle Unterstützung vom Staat beantragen können. „Aber wenn die Eltern ihre Kinder dann in den nächsten zwei Wochen doch wieder bringen, muss ich diese auch wieder aufnehmen und betreuen. Und die Situation ist dann wieder anders“, sagt Schmitt. Dabei würde die 28-Jährige ihren Tagespflegebetrieb am liebsten von sich aus einstellen – wären nicht die finanziellen Sorgen. Denn ihr Mann ist an Krebs erkrankt und zu Hause. „Das Immunsystem meines Mannes ist durch die Krankheit geschwächt und der Krebs beeinträchtigt die Atmungsorgane – mein Mann ist daher Hochrisikopatient.“ Genau solche Menschen sollten durch die Schließung der Kitas und Schulen vor Infektionen mit dem Coronavirus geschützt werden.