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Corona-Regeln in RLP: Was jetzt gilt - sogar Landesregierung ist verwirrt

Corona : Verwirrung und Frust über neue Corona-Regeln - Was jetzt wo gilt und wo es hakt

Wo gilt 2G? Wann brauchen Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Test? Wo dürfen Ungeimpfte einkaufen? Die neue Corona-Verordnung des Landes sorgt bei einigen für Verdruss.

Die Schlangen vor einigen Testzentren in der Region waren auch am Montag lang. In einigen Stellen wurden die Tests knapp. Nachschub konnte vielerorts nicht mehr rechtzeitig geordert werden. Wegen der seit Samstag  in Rheinland-Pfalz unter anderem in der Gastronomie geltenden 2G-plus-Regel, müssen sich Geimpfte und Genesene   vor dem Gang ins Restaurant oder auch zu einer Veranstaltung in Innenräumen auf Corona testen lassen. Kurz vor Inkrafttreten der neuen Verordnung am Samstag entschied die rheinland-pfälzische Landesregierung, dass für alle, die bereits eine Booster-Impfung erhalten haben, die Testpflicht entfällt. Die Booster-Impfung zählt bereits vom Tag der Impfung an. Dadurch ist die Nachfrage nach Corona-Tests sprunghaft gestiegen. Zumal auch Ungeimpfte einen Testnachweis brauchen für die Arbeit oder um mit Bus oder Bahn fahren zu können.

Was gilt für Kinder?

Generell ausgenommen von der 2G-plus-Regel sind in Rheinland-Pfalz Kinder bis 12 Jahre und drei Monate. Sie brauchen keinen Test. Für Kinder bis einschließlich 17 Jahre gilt überall 3G – geimpfte und genesene Kinder über 12 Jahre brauchen etwa im Kino keinen Test.

Keine weiteren Ausnahmen von der Regel

In Baden-Württemberg soll es für Geimpfte und Genesene weitere Lockerungen von 2Gplus geben. Demnach brauchen auch Personen, deren letzte Impfung nicht länger als sechs Monate zurückliegt, keinen zusätzlichen Test. Das gilt auch für Genesene, deren Corona-Infektion nachweislich höchstens ein halbes Jahr zurückliegt. Rheinland-Pfalz plant derzeit allerdings keine weiteren Ausnahmen von der Regel. Man habe weiter hohe Fallzahlen und  eine dynamische Entwicklung, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion aus dem Gesundheitsministerium. Im Hinblick auf die „geboosterten“ Menschen habe man eine Ausnahme von der Testpflicht gemacht. Für weitere Ausnahmen sehe man derzeit „keine Notwendigkeit“, heißt es aus dem Ministerium. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf, fordert, dass Rheinland-Pfalz die in Baden-Württemberg geltenden Ausnahmen der 2G-plus-Regel übernehmen soll. Das sei eine pragmatische und sinnvolle Regelung. „Auch um Verwirrung zu vermeiden“, so Baldauf.

Große Verwirrung - selbst bei der Landesregierung

Die Verwirrung ist in der Tat groß. Viele wissen nicht, wo welche Regel gilt. Bei Außenveranstaltungen gilt  2G, das heißt Zutritt haben Geimpfte und Genesene, die dafür aber keinen Test brauchen. Auch in den meisten Geschäften haben Ungeimpfte keinen Zutritt. Ausnahmen sind laut der Corona-Verordnung des Landes: „Lebensmittelgeschäfte, Getränkemärkte, Wochenmärkten,  Apotheken, Sanitätshäuser,  Drogerien, Reformhäuser, Babyfachmärkte,  Optiker, Hörakustiker,  Tankstellen,  Buchhandlungen und Zeitungsläden,  Blumengeschäfte, Gartenmärkte,  Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte und   Großhandel.

Aber offenbar verwirren die neuen Regeln  selbst die Landesregierung. Am Freitag veröffentlichte diese eine Übersicht, in welchen Bereichen welche Regel gelten wird. Bei Hotels wurde angegeben, dass dort 2G gelten wird, dass also Geimpfte und Genesene ohne zusätzlichen Test übernachten dürfen. Das hat sich allerdings als Fehlinformation erwiesen. In der neuen Verordnung steht, dass für die Übernachtung in Hotels, Pensionen, Gasthäusern oder Jugendherbergen die 2Gplus-Regel gilt. Geimpfte und Genesene (mit Ausnahme der Geboosterten) brauchen auch für Bus- und Schiffsreisen einen negativen Corona-Test, ebenso in Schwimmbädern.

Großer Frust bei Vereinen - Auftritte abgesagt

Der Frust wegen  2Gplus ist aber bei einigen Gastronomen und Vereinsvorsitzenden groß.  Viele Musikvereine haben ihren Probenbetrieb eingestellt, weil auch an den Proben nur Geimpfte und Genesene teilnehmen dürfen und – mit Ausnahme der „Geboosterten“ – jedes Mal einen negativen Test benötigen. Aus diesem Grund hat etwa der Musikverein Kyllburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sein für Januar geplantes Jubiläumskonzert abgesagt. Auch der Auftritt in der Christmette falle aus, berichtet ein Mitglied des Musikvereins. Viele Musiker hätten geheult, als sie davon gehört hätten. Auch einige Sportvereine in der Region haben ihren Trainingsbetrieb in der Halle eingestellt, weil den Übungsleitern der Aufwand für die Kontrolle der Impf- und Testnachweise zu groß ist.

Einige Gastwirte in der Region ziehen die Reißleine: „Wir möchten arbeiten und gemeinsam schöne Stunden mit euch verbringen, doch mit einer 2Gplus-Regel für gastronomische Betriebe ist ein wirtschaftliches, zumindest kostendeckendes Arbeiten so nicht mehr möglich“, heißt es etwa auf der Facebook-Seite der Saarburger Pizzeria Meridiana, die dort verkündet, dass sie vorläufig geschlossen sein wird.

Kritik an Kommunikation der neuen Regeln

 Bereits vor Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung hat diese für reichlich Ärger gesorgt. Erst am späten Freitagabend nach 21 Uhr hat die Landesregierung die neuen Regeln veröffentlicht, die dann weniger als drei Stunden später gelten sollten. „Derart kurzfristige Veröffentlichungen von verpflichtenden Regelungen, die bei Nichteinhaltung mit hohen Bußgeldern sanktioniert werden, ist schlichtweg nicht mehr akzeptabel“, schäumte daher der Präsident des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Gereon Haumann, am Freitagabend.