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Corona: Weiterhin keine Besuche in Mutterhaus und Brüderkrankenhaus Trier

Besucherstopp : Coronavirus: Wieso Kranke in der Klinik noch immer nicht besucht werden dürfen

An immer mehr Stellen werden die Corona-Einschränkungen gelockert. Doch im Krankenhaus warten Patienten noch immer vergeblich darauf, von ihren Liebsten besucht zu werden. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Jessica S. (Name geändert) ist sauer: Mit einem Herzinfarkt ist ihre Oma vorige Woche ins Trierer Brüderkrankenhaus eingeliefert worden, eine Not-OP wurde angesetzt. Nach der Operation kam die ältere Frau erst auf die Intensiv-, dann auf die Normalstation. „Wir dachten, wir könnten sie besuchen – aber niemand durfte hin. Nicht mein Opa, nicht meine Mutter und ich auch nicht – noch nichtmal für eine Stunde“, beschreibt Jessica S. die Situation.

Wenig später muss die Großmutter wieder auf die Intensivstation verlegt werden, wegen Komplikationen. Unter anderem ist eine Bluttransfusion nötig. Das alles erfährt ihre Familie am Telefon. Obwohl sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat, lehnt das Krankenhaus die dringenden Bitten der engsten Angehörigen ab, die alte Frau besuchen zu dürfen. „Meine Oma versteht doch die Welt nicht mehr, wenn keiner sie besuchen kommt. Und wir wissen auch nicht, ob sie weiß, dass wir schlicht nicht vorbeikommen dürfen“, klagt Jessica S. „Soll meine Oma jetzt alleine sterben, ohne, dass wir nochmal ihre Hand halten und mit ihr reden konnten? Und das, obwohl die Infektionszahlen in Trier und im Landkreis so niedrig sind?“

Keine Sonderregelungen für Geimpfte, Genesene und Getestete

Dass während der Hochphase der Pandemie ein Besuchsstopp in den Kliniken nötig war, sieht die junge Frau, die im Kreis Trier-Saarburg wohnt, ein. Mittlerweile haben allerdings die meisten Krankenhausmitarbeiter einen vollständigen Impfschutz und auch viele – gerade ältere – Patienten sind geimpft. Aber anders als andere Einrichtungen gewähren die Kliniken für die drei großen Gs – Geimpfte, Genesene, Getestete  – keine Sonderregeln. „Derzeit gibt es keine Ausnahmen bei den Besucherregeln für vollständig Geimpfte, Genesene oder per Schnelltest negativ Getestete“, bestätigt Michaela Hellmann, Pressesprecherin des Mutterhauses.

Tatsächlich schreibt die am 1. Juni erneuerte Corona-Verordnung des Landes weiter vor, dass Krankenhäuser „für Zwecke des Besuchs von Patientinnen und Patienten nicht betreten werden dürfen“. Für Ehegatten, Lebenspartner und sonstige nahe Angehörige oder nahestehende Personen gilt das allerdings nicht, wie in Paragraf 16, Absatz 3, der Verordnung geregelt ist.

Bislang gelten weiter die Besucherstopp-Regeln vom November

Sowohl das Trierer Mutterhaus als auch das Brüderkrankenhaus bestätigen auf TV-Nachfrage dagegen, dass zumindest bislang weiter die strengen Besucherstopp-Regeln vom November gelten. Das sei so sowohl mit den „großen koordinierenden Kliniken in Rheinland-Pfalz“ abgesprochen als auch mit dem Land, erklärt Markus Leineweber, Hausoberer im Brüderkrankenhaus auf TV-Nachfrage. Zwar seien die Inzidenzwerte rückläufig, und das Krankenhaus sehe auch die damit einhergehenden Lockerungen im öffentlichen Bereich. „Allerdings haben wir es im Krankenhaus mit einer sehr vulnerablen Gruppe zu tun, sodass wir der Entwicklung mit einer verantwortbaren Vorsicht begegnen, um die Infektionsrisiken durch zunehmenden Besucherverkehr so gering wie möglich zu halten“, sagt Leineweber. Ausnahmen seien allerdings ohnehin immer möglich.

Patienten, die zum Beispiel im Sterben liegen, durften von ihren Angehörigen auch während der Hochphase der Pandemie besucht werden, sagt auch MKT-Sprecherin Hellmann. „Uns ist kein Fall bekannt, bei dem dies nicht möglich war.“ Als katholischer Träger trage man „Sorge für ein menschenwürdiges Sterben“. Deshalb sei es dem MKT schon immer ein Anliegen gewesen, „Patienten und Angehörigen auch in Grenzsituationen einen adäquaten Abschied – und den entsprechenden Hygienemaßnahmen – zu bieten.“

Lockerungen der strikten Regeln werden sich „in diesen Tagen abzeichnen“

Auch BKT-Chef Leineweber betont: „Uns ist sehr bewusst, wie wichtig der Besuch für unsere Patientinnen und Patienten ist. Daher ist es auch uns ein großes Anliegen, dass wir den Besuch bald wieder in normalere Bahnen lenken können.“ Aktuell sei man daher dabei, abzustimmen – auch mit dem Mutterhaus –, wie eine „schrittweise Öffnung für Besucherinnen und Besucher erfolgen kann“, sagt Leineweber. Für Angehörige, die sich um ihre Kranken sorgen, gibt es also Hoffnung: Lockerungen der strikten Regeln würden sich „in diesen Tagen abzeichnen“, verspricht Leineweber.

Der Zustand von Jessica S. Oma hat sich in den letzten Tagen übrigens gebessert. Besuch empfangen durfte die alte Dame bislang allerdings weiterhin nicht. „Ich empfinde es als zutiefst unmenschlich, dass bei der aktuellen Infektions- und Impflage alte Menschen, die überhaupt nicht verstehen, was los ist, immer noch nicht besucht werden dürfen. Das ist grausam“, sagt Jessica S.