CT ist von gestern

TRIER. Wenn an der Universität zum Wintersemester 2007/08 die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge beginnen, wird sich in der Studienpraxis einiges ändern. Die Studenten erwartet eine verkürzte, weitgehend durchgeplante Regelstudienzeit mit anderen als bisher gekannten Leistungsvorgaben und -kontrollen.

Im Universitätsstudium der Zukunft bleiben Lehrformen wie Vorlesung, Seminar oder Übung bestehen. Jedoch werden sie angeboten als nach Lerninhalten gebündelte Module - anstelle von wählbaren Einzelveranstaltungen. Diese Struktur soll den Erwerb berufsrelevanter Kompetenzen sichern und es erleichtern, Geleistetes anderenorts anerkennen lassen. Einheitliches Bewertungssystem

Dafür wird europaweit ein einheitliches Bewertungssystem eingeführt, das mit Begriffen wie "Student Workload" und "Credit Points (ECTS)" demnächst auch den Alltag der über 13 000 Uni-Studenten in Trier bestimmt. Der "Workload" ist der Arbeitsaufwand in Stunden, der inklusive Anwesenheit, Vor-, Nachbereitung, Hausarbeit und Endprüfung für ein Modul vorgegeben sei, erklärt Henning Buddenbaum, Bologna-Assistent im Fachbereich VI (Geowissenschaften). Er betrage jährlich 1800 Stunden. Aus dem Workload berechnen sich die Credit Points, die die Wertigkeit eines Moduls in der Endnote angeben. Ein Bachelor-Abschluss wird mit 180 Credit Points erreicht, nur etwa ein Zehntel davon macht die sechswöchige Abschlussarbeit aus, den Rest die zu absolvierenden Module. In Trier noch ungeklärt sei die zusätzliche Einführung von A bis F gestaffelter Noten, die Studenten in Leistungskategorien ihres Semesters einordneten. Die Anwesenheitspflicht sei klarer geregelt und werde überwacht. Ausschluss bei zu häufigem Fehlen sei als Regelung neu, sagt Buddenbaum. Besonders die fixierten Mindestpunktzahlen pro Studienjahr sehen Studentenvertreter des Asta, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, wie Martin Heuskel (RCDS) betont, kritisch. Er, der unter anderem als studentischer Vertreter im Senat am Umstellungsprozess mitwirkt, sagt: "Der Arbeitsaufwand wird steigen, bei teilweise unrealistischen Vorgaben" und weist als Beispiel auf unterschiedlichen Leseaufwand je nach Literatur hin. "Das Studium verliert an Freiheit, Verschulung nimmt zu und man hat wegen der vielen Prüfungen weder Zeit noch Raum, über die Grenzen des eigenen Fachs zu gucken." Das Ziel der Mobilitätssteigerung könne so nicht erreicht werden. Weiter befürchtet Heuskel zukünftige Verschärfungen der Vorgaben, was die Gefahr der Exmatrikulation erhöhen könnte. Diese drohe, so erklärt Henning Buddenbaum, wenn versäumte Credit-Points nach einer dann obligatorischen Beratung nicht nachgeholt würden. Was wiederum schwierig sei, wenn aus Kapazitätsgründen die Module nur einmal jährlich angeboten würden. Besonders Studierende mit Familie oder die, die für ihren Lebensunterhalt neben dem Studium oder in den Semesterferien arbeiten müssten, könnten so durchs Raster fallen, meint Verena Gleich (Juso-HSG), bis vor kurzem Hochschulpolitik-Referentin beim Asta. "Es wäre wichtig, dass ein Teilzeitstudium verankert würde", sagt sie. Dafür gebe es im Hochschulgesetz Rheinland Pfalz keine Regelung, weiß Guido Kaesgen, Leiter des Prüfungsamtes. Mit Beginn der Bachelor/Master-Einführung könne man aber die doppelte Regelstudienzeit in Anspruch nehmen, erläutert Henning Buddenbaum. Prüfungs- und Studienordnungen würden derzeit häufig modifiziert, über vieles werde noch diskutiert, auch über die Frage der Übergangsregelungen mit ihrer prüfungsrechtlichen Problematik, sagt Guido Kaesgen. "Im alten System hat man nur Vordiplom- und Diplom-, im neuen studienbegleitende Prüfungen. Wie man was anrechnen kann, muss besprochen werden."

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