Da kommt zusammen, was zusammengehört

Da kommt zusammen, was zusammengehört

TRIER. Einzigartig in der Weltkirche: Im Trierer Dom ist die Athanasius-Kapelle eingerichtet worden, in der orthodoxe Gottesdienste gefeiert werden können. Anba Damian, Bischof der deutschen Kopten, ist voll des Lobes. Von Trier gehe ein kraftvoller Impuls zur Förderung der Einheit der Kirche aus.

Unter dem Heiligen Rock kommt zusammen, was zusammengehört. Fast drei Jahrhunderte stand das Erdgeschoss der von 1702 bis 1708 erbauten Heilig-Rock-Kapelle leer. Nun beherbergt es einen einzigartigen Gebetsraum: Die kurz vor der Vollendung stehende Athanasius-Kapelle ist mehr als nur ein gemeinsamer Nenner für die Einheit der Christen. Sie nimmt direkten Bezug auf die Aufbruchphase des Christentums - an authentischer Stätte.Ikonen auch von Simeon, Konstantin und Helena

Professor Franz Ronig (79), Domschatz-Kustos und Verwalter der Trierer Reliquien, spricht voller Enthusiasmus von der Athanasius-Kapelle: "Wir gehen zurück zu unseren Wurzeln. Hier ganz in der Nähe haben Triers Bischof Maximin und sein aus Alexandria verbannter Amtskollege Athanasius im Winter 335/36 am Altar des damals noch ganz neuen Doms gestanden und zusammen den Gottesdienst zelebriert." Die älteste Kathedrale nördlich der Alpen als Wirkungsstätte zweier so herausragender Männer des frühen Christentums, einer aus dem Osten, einer aus dem Westen - dieses bedeutsame Erbe blieb lange Zeit weit gehend ungewürdigt. Als Papst Johannes XXIII. anlässlich der Heilig-Rock-Wallfahrt 1959 den Trierer Dom zur "Kirche der Einheit" erklärte, rückte auch Athanasius wieder ins Blickfeld. "Den Plan, ihm im ungenutzten Raum unter dem Heiligen Rock eine Kapelle einzurichten, haben wir in einem kleinen geistlichen Zirkel 1973 ausgeheckt, als die Dom-Restaurierung lief. Ich kann mich noch gut an die Begeisterung erinnern", berichtet Ronig. Es blieb lange bei der Vision. 2003 kam der Stein dann doch ins Rollen: Der deutsche Kopten-Bischof Damian (Höxter-Brenkhausen) sprach mit Triers Bischof Reinhard Marx - und lief offene Türen ein. Das Domkapitel setzte zwei Kommissionen ein, um das überwiegend mit Spenden finanzierte Projekt zu realisieren. Das Resultat steht kurz vor der Einweihung. Unter der organisatorischen Leitung von Prälat Roland Ries und nach Plänen von Dombaumeister Karl Peter Böhr ist ein Kirchenraum für den Ritus der Ostkirchen entstanden: Der Altarraum ist abgetrennt durch die so genannte Ikonostase, eine hohe Bildwand mit drei Türen. Das Bildprogramm weist einen großen "Trier-Bezug" auf: Die von rumänischen Künstlern gemalten Ikonen zeigen nebst Abendmahl, Aposteln, Jesus und Maria auch den von orthodoxen Christen besonders verehrten Konstantin, seine Mutter Helena und - in direkter Nachbarschaft zu Athanasius - den Porta-Nigra-Einsiedler Simeon. Der "Clou" laut Ronig: "Die Ikonostase ist aufklappbar und so hergestellt, dass sie auch für römisch-katholische Gottesdienste genutzt werden kann." In erster Linie soll die neue Kapelle aber den orthodoxen Christen zur Verfügung stehen. Drei Millionen davon gibt es in Deutschland. Die rund 6000 deutschen Kopten (ägyptische Glaubensrichtung, regionales Gemeindezentrum in Bitburg) nehmen große Entfernungen auf sich, um ihre mindestens zweistündigen Gottesdienste zu feiern. "Manche fahren 200 Kilometer und mehr", sagt Damian, der "sehr, sehr glücklich" ist über die neue Gebetsstätte. "Es ist einfach großartig, dass Bischof Marx und das Trierer Domkapitel diesen kraftvollen Impuls geben, um die Einheit der Kirche zu fördern."Einweihung im kleinen Kreis

Die Einweihung soll laut Roland Ries nach Abschluss der letzten Arbeiten in den kommenden Tagen und im kleinen Kreis der "Domfamilie" stattfinden. Wann Damian mit seiner Gemeinde die Gottesdienst-Premiere feiern kann, steht noch nicht fest. Allerdings drängt sich ein Termin förmlich auf: der 2. Mai, der Gedenktag des heiligen Athanasius.