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Da steht er, er kann nicht anders

Da steht er, er kann nicht anders

Lange Zeit waren nicht alle vier Stellen in der Evangelischen Kirchengemeinde Trier besetzt. Mit Matthias Ratz schließt sich nun die Lücke. Der aus der Köln-Bonner-Gegend stammende Theologe ist innerhalb der Gemeinde längst kein unbekanntes Gesicht mehr. Bevor er im November 2016 zum Nachfolger von Pfarrer Guido Hepke gewählt wurde, absolvierte er bereits zwei Jahre Probedienst in Trier.

Trier. Wenn Matthias Ratz im schwarzen Talar auf der Kanzel steht und predigt, sticht im Kontrast zu dem traditionellen Rahmen vor allem dessen jugendliche Vortragsart hervor. Er wahrt zwar die Form, gestaltet diese aber auf seine eigene Art und Weise. Bibelzitate und -interpretationen lockert er sprachlich auf, indem er die Lage bei Petrus zum Beispiel als "alles cool, alles easy" umschreibt. Mit dem 34-Jährigen kommt frischer Wind in die Kirchengemeinde. Er möchte sowohl für langjährige Gemeindemitglieder da sein als auch potenzielle Neulinge werben. "Darin sehe ich den größten Spagat", sagt Ratz. Zu unterschiedlich seien manchmal die Interessen der verschiedenen Gruppen.
Für den neuen Trierer Pfarrer ändert sich tatsächlich nur wenig. Er war schon in den vergangenen beiden Jahren in der Gemeinde aktiv und wurde nun nach seinem Probedienst direkt in das Amt eingeführt. Davor studierte er Theologie in Wuppertal, Heidelberg und Münster. Nach dem ersten Examen absolvierte Ratz ein sogenanntes Sondervikariat bei der United Church of Christ (UCC) und anschließend sein Vikariat in Langenfeld im Kirchenkreis Leverkusen. Dass Ratz nach all den Stationen in Trier bleiben darf, stimmt ihn zufrieden, da er hier in den architektonischen Genuss der Konstantin-Basilika kommt und sich weiterhin in der bereits vertrauten Gemeinde engagieren kann. Seine bisherigen Zuständigkeitsbereiche Jugendarbeit und Öffentlichkeitsarbeit wird er nach wie vor betreuen.
Bei seiner Einführungspredigt präsentiert sich Ratz nachdenklich, reflektiert seinen Lebensweg und hinterfragt seine Berufung. Dabei erzählt er von Glaubenskrisen während seines Studiums oder von seinem früheren Wunsch, Journalist oder Lehrer zu werden. Letzten Endes fühlt er sich in der Rolle als Geistlicher doch sehr wohl. "Hier stehe ich, ich kann nicht anders," sagt er und nutzt im Jubiläumsjahr der Reformation Martin Luthers berühmte Worte, um auszudrücken, dass er ganz im Pfarrberuf angekommen ist.
Extra

Die Evangelische Kirchengemeinde Trier feiert in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Heute gehören der Gemeinde circa 11 100 Mitglieder an, die in verschiedenen Stadtteilen wohnen. Lediglich Ruwer-Eitelsbach, Zewen, Biewer, Ehrang und Pfalzel gehören zu einer anderen Gemeinde. Die Gottesdienste der Trierer Kirchengemeinde finden sonntags im Caspar-Olevian-Saal sowie in der Konstantinbasilika statt. nhl