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Damit das lange Laden ein Ende hat

Damit das lange Laden ein Ende hat

Nun soll es schnell gehen. Bis Ende Oktober muss der Förderantrag abgeschickt werden, damit mehr Menschen im Landkreis Trier-Saarburg schnelles Internet nutzen können. Rund 15 Millionen Euro soll das kosten.

Trier/Schweich. Andere waren schneller. Beispielsweise die Bernkastel-Wittlicher. Oder die Bitburg-Prümer. Das gibt Landrat Günther Schartz offen zu. Bisher habe es im Landkreis Trier-Saarburg kein gemeinsames Vorgehen beim Ausbau der Datennetze gegeben. Oft sei es so gewesen, dass die Dörfer jeweils für sich geschaut hätten, dass sie eine Breitbandverbindung bekommen. Mit diesem informationstechnischen Flickenteppich soll bald Schluss sein. Es fehlt nur noch der Beschluss des Keller Verbandsgemeinderats. Dann sind alle Verbandsgemeinden mit an Bord. Hubert Rommelfanger von der Kreisverwaltung geht davon aus, dass die Keller in dieser Woche den entsprechenden Beschluss fassen. Und dann muss die Post abgehen. Ende Oktober ist Einsendeschluss für ein Bundesprogramm, das mehrere Millionen Euro in den Landkreis bringen soll (der TV berichtete). Ein Gutachten des Tüv zeigt, dass es überall im Kreis Nachholbedarf gibt. Rund dreieinhalb Millionen Euro müssen nach aktuellem Stand in der Verbandsgemeinde Trier-Land investiert werden, damit das Laden von Internetseiten keine Tortur mehr ist, rund 200 000 Euro sind es hingegen in der Verbandsgemeinde Ruwer (siehe Grafik). Dieser Unterschied hat nicht unbedingt etwas mit der Größe der Verwaltungseinheiten zu tun. Sondern damit, wie attraktiv es bisher für Telekommunikationsunternehmen war, von sich aus tätig zu werden. Und, was ganz wichtig ist, wie sich die Gemeinden bisher selbst engagiert haben. So berichtet Rommelfanger, der auch Ortsbürgermeister von Osburg ist, davon, dass in der VG Ruwer schon relativ früh der Ausbau der Breitbandverbindungen als wichtige Aufgabe erkannt worden sei. Was er nicht sagt, ist, dass in anderen Dörfern offensichtlich die Meinung vorgeherrscht hat, dass sich das mit dem Internet schon irgendwie von alleine regelt. Doch das tut es nicht. Die öffentliche Hand muss Geld investieren, damit es sich für die Netzbetreiber lohnt, Leitungen zu verlegen und Verteilerkästen aufzustellen. Laut Kreisverwaltung sind es für Wohn- und Mischgebiete rund 11,5 Millionen Euro. Die Wirtschaftlichkeitslücke beim Ausbau der Gewerbegebiete liegt bei rund 3,8 Millionen Euro. Insgesamt ergibt sich damit für den Ausbau des Landkreises Trier-Saarburg eine Wirtschaftlichkeitslücke von rund 15,3 Millionen Euro. Falls der Landkreis mit seinem Förderantrag Erfolg hat, werden 90 Prozent dieser Summe von Bund und Land übernommen. Die übrigen rund 1,5 Millionen Euro teilen sich Kreis und die Verbandsgemeinden.Baubeginn in einem Jahr

Bis der erste Bagger rollt, wird es noch einige Monate dauern. Wirtschaftsförderer Rommelfanger rechnet - falls alles wie gewünscht läuft - damit, dass im Herbst 2017 die ersten Bagger rollen. Wo das sein wird und wer die Arbeiten beauftragt, ist derzeit noch offen. Rommelfanger: "Es gibt derzeit keine Priorität, beispielsweise in Leiwen anzufangen oder auf dem Saargau." Nach Auskunft von Landrat Schartz ist noch offen, ob das Millionenprojekt ausgeschrieben wird. Dann würde die Telekom oder ein Mitbewerber die Netze erweitern und für schnelleres Internet sorgen. Möglicherweise wird der Landkreis über eine kreiseigene Anstalt öffentlichen Rechts selbst aktiv. Das hätte für den Landkreis einen Vorteil. Aufgrund der technischen Entwicklung werden in ein paar Jahren Übertragungsraten Standard sein, die heute unerreichbar scheinen. Spätestens dann sind wieder die Kommunen gefragt, sich finanziell zu engagieren. Dass Kreis, VG und Gemeinden sich kümmern müssen, steht für Landrat Günther Schartz außer Frage. Für ihn gehören Datenleitungen ebenso zu den öffentlichen Aufgaben wie Telefon oder Wasserleitungen. Der Unterschied ist, dass Datenleitungen viel schneller zu klein sind, als etwa Abwasserrohre. Meinung

Hoffnung auf EinsichtWegen Problemen des Netzbetreibers kann es vorkommen, dass jemand tagelang ohne Telefonanschluss dasteht. Das ist ärgerlich. Doch wohl niemand kann sich vorstellen, keine Chance auf einen Anschluss zu haben, weil so was am Wohnort nicht angeboten wird. Beim Thema Breitbandversorgung gibt es im Kreis viele solcher weißen Flecken, die gar nicht oder nur mangelhaft versorgt sind. Wohl auch deshalb, weil einige Gemeindeobere nicht bereit waren, mit öffentlichem Geld eine bessere Versorgung möglich zu machen. Andere haben die Zeichen der Zeit erkannt, dass eine Versorgung mit Internet heute ebenso wichtig ist wie ein Wasser- und ein Stromanschluss. Wenn nun der Kreis in den Genuss der Bundes- und Landesförderung für den Breitbandausbau kommt, werden zwar die belohnt, die sich bisher nicht an schnellerem Internet für die Bürger beteiligen wollten. Unterm Strich profitieren am Ende jedoch fast alle Kreisbewohner. Und vielleicht hat sich in ein paar Jahren - wenn erneut ausgebaut werden muss - auch im letzten Gemeinderat rumgesprochen, dass eine genügend große Bandbreite wichtig ist. h.jansen@volksfreund.deExtra

Versorgungslage: Im Landkreis Trier-Saarburg haben laut einer Studie des Tüv Rheinland etwa 94 Prozent der Haushalte eine Grundversorgung von sechs Mbit/s, jedoch nur etwa 63 Prozent eine leistungsfähige Versorgung von mehr als 30 Mbit/s und lediglich rund 44 Prozent der Haushalte eine Versorgung von mehr als 50 Mbit/s. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2018 flächendeckend mindestens 50 Mbit/s anzubieten. Die Einheit Mbit/s gibt an, welche Datenmenge pro Sekunde geschickt oder empfangen werden kann. har