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Damit der Appetit beim Tasten kommt

Damit der Appetit beim Tasten kommt

Ein Restaurantbesuch birgt für Menschen mit Behinderungen einige Herausforderungen. Rollstuhlfahrer stehen vor Treppen, Blinde können die Speisekarte nicht lesen. Der Behindertenbeirat Trier hat jetzt an neun Gaststätten die jeweiligen Speisekarten in Blinden (Braille-Schrift) überreicht.

Trier. Schon beim Lesen der Speisekarte kommt im Idealfall der Appetit. Dieses Vergnügen war bisher für blinde Menschen nur sehr eingeschränkt möglich. Sie waren darauf angewiesen, dass ihnen jemand die Karte vorliest. Das gehört zumindest in neun Trierer Restaurants jetzt der Vergangenheit an. Im Rathaus in Trier hat der Beirat der Menschen mit Behinderungen jetzt an neun Gaststätten Speisekarten in Blindenschrift übergeben. Das Deckblatt aus durchsichtiger Folie jeweils mit dem Logo des Restaurants. Die restlichen Blätter sind aus weißer Folie und mit Blindenschrift bedruckt.Textformate erschweren Arbeit



Umgesetzt wurde die Idee von Martin Ludwig, der selber blind ist. Das größte Problem waren für ihn die Textformate. Deshalb appelliert auch die Behindertenbeauftragte Nancy Poser an alle Restaurantbesitzer, die Interesse an einer solchen Karte haben, die Texte nach Möglichkeit in einem Worddokument zu schicken. Sehr aufwendig sei die Bearbeitung bei gescannten PDF-Formaten.
Für Ludwig galt es zunächst alle Textformatierungen rauszunehmen. Dann konnte er die Dokumente mit einem speziellen Programm bearbeiten und mit Blindenschrift ausdrucken. Um selbst die Schrift im Computer als Blindenschrift ertasten zu können, wird diese auf einem speziellen Braille-Display angezeigt, bei dem über Impulse Stifte angesteuert werden.
Zusätzlich zu der Karte in Blindenschrift hat Nancy Poser noch Auszeichnungen an einige Restaurants vergeben, die behindertengerecht ausgebaut sind. Dazu gehören ein barrierefreier Zugang, Toiletten für Behinderte, unterfahrbare Tische und die Möglichkeit, einen Assistenzhund mitzubringen.
Um hier eine Liste erstellen zu können, hat der Behindertenbeirat etwa 350 Restaurants und Gaststätten in Trier angeschrieben. Rund 60 von ihnen haben geantwortet. Doch nur fünf davon erfüllen wirklich alle Kriterien, um das Siegel des Behindertenbeirates zu bekommen.
Das Interesse an der Karte in Braille-Schrift sei allerdings groß, sagt Nancy Poser. Für die Restaurants ist sie kostenfrei. Wie groß die Kosten sind, kann Martin Ludwig derzeit noch nicht sagen.

Restaurants, die besonders barrierearm sind und über eine Karte in Braille-Schrift verfügen: Warsberger Hof, Donna Mia, Bitburger Wirtshaus, Café Balduin, Romikulum.
Restaurants, die eine Karte in Braille-Schrift haben: Casa del Caffé, Pizzahut, Primavera, Römersprudel.
Mehr Infos gibt es auf der Internetseite des Behindertenbeirats Trier: behindertenbeirat-trier.de