Damit der Handel brummt

Wie kann die Einkaufsstadt Trier ihre Attraktivität steigern? Wie ist die Versorgung in den Stadtteilen zu verbessern? Das sind die zentralen Fragen, auf die das neue Einzelhandelskonzept Trier Antworten geben soll.

Trier. Im Stadtrat herrscht weitestgehend Einigkeit: Das fast einmütig verabschiedete Einzelhandelskonzept Trier 2025+ bietet eine gute Basis, um die Entwicklung dieses für die Stadt so wichtigen Wirtschaftsbereiches zu fördern und positiv zu steuern. "Sie haben eine wichtige Weichenstellung für Trier getroffen", kommentiert der scheidende Oberbürgermeister Klaus Jensen dann auch die breite Zustimmung, aus der nur die Fraktion Die Linke mit zwei Gegenstimmen ausschert.Die Linke ist dagegen


Diese fordert einen stärkeren Schutz des regionalen Einzelhandels, den sie durch "Konsumtempel in den Stadtteilen" gefährdet sieht. Gemeint sind damit die im Konzept definierten Neben- und Nahversorgungszentren, die in der Regel geprägt sind durch einen Vollsortimenter wie Edeka oder Wasgau, einen Discounter (Lidl, Aldi etc.) und einen Drogeriefachmarkt. Mit dieser Kombination, wie sie zum Beispiel in Tarforst und Trier-West bereits vorhanden ist, soll sichergestellt werden, dass sich die Menschen in nicht allzu großer Entfernung von ihrem Wohnort mit den Waren des täglichen Gebrauchs versorgen können, ohne dazu in die Innenstadt oder auf die "grüne Wiese" fahren zu müssen.
Das Zentrenkonzept (siehe Grafik), das vom Amt für Stadtentwicklung gemeinsam mit dem Büro Cima entwickelt worden ist, sieht ein abgestuftes Einzelhandelsangebot vor. Dreh- und Angelpunkt bleibt dabei die Innenstadt, die nun auch die Paulinstraße und Teile der Saarstraße umfasst. Die City soll weiterentwickelt werden, auch um der wachsenden Konkurrenz aus dem Umland und durch Luxemburg noch mehr Attraktivität entgegenzusetzen.
Wie dies auch im Zusammenhang mit den Bereichen Tourismus, Gastronomie, Kultur und Wohnen erreicht werden kann, ist Gegenstand einer nun anstehenden intensiven Diskussion, bei der es um ein strategisches Entwicklungs- und Nutzungskonzept für die Innenstadt von Trier geht. Den Grundsatzbeschluss zu diesem "SENI-Konzept" hat der Stadtrat einstimmig gefasst.
Die umfassenden Datenerhebungen und Schlussfolgerungen für das Einzelhandelskonzept sind dafür eine wichtige Basis. Es wird auch darum gehen, ob und wo neue Schwerpunkte für den Handel in der Innenstadt entstehen könnten.
Unabhängig von dieser noch nicht abschließend geklärten Frage legt das Zentrenkonzept nun fest, was in den Stadtteilen möglich und wünschenswert ist. Es definiert auch, wo großflächiger Einzelhandel erlaubt ist - nicht in neuen Gewerbe- und Industriegebieten. In neuen Wohngebieten, die nicht im Bereich der Nahversorgungs- oder Stadtteilzentren liegen werden, sind kleinere Neuansiedlungen aber "ausnahmsweise zulässig".
Bei aller Zustimmung mahnen die Sprecher aller Fraktionen im Rat zu Flexibilität. "Stadtrat und Verwaltung dürfen das Einzelhandelskonzept nicht wie eine Monstranz vor sich hertragen", fasste Martin Neuffer (FDP) diesen Anspruch treffend in Worte. Umgesetzt werden soll er durch die Verpflichtung der Verwaltung, dem Stadtrat jährlich einen Bericht über die Entwicklung im Einzelhandel vorzulegen. Das Konzept soll ab sofort alle drei Jahre überarbeitet und aktualisiert werden.Meinung

Die Basis stimmt
Braucht der Handel so viel Regulierung? Mit Blick auf die Stadtteile muss das mit Ja beantwortet werden. Es geht um die Nahversorgung, die gesichert werden will. Auch mit den angepassten Vorgaben wird sich allerdings die Tendenz kaum verhindern lassen: Ein großes Angebot wird es nur in verkehrstechnisch günstig gelegenen und bevölkerungsreichen Stadtteilen geben. In Pfalzel oder Olewig wird sich an der schlechten bis erbärmlichen Nahversorgung kaum etwas ändern, auch wenn dies im neuen Konzept ausdrücklich gewünscht ist. Denn dazu müssten die Menschen dort bereit sein, die höheren Preise in einem Tante-Emma-Laden zu zahlen. Von existenzieller Bedeutung ist das Einzelhandelskonzept für die Innenstadt. Dort strategisch aber nur auf den Handel zu schauen, ist zu wenig. Erst in Kombination mit Gastronomie und Kultur wird das Einkaufen zum Erlebnis. Gut, dass Verwaltung und Rat das erkannt haben. r.neubert@volksfreund.de