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Damit der Strom für einkommensschwache Menschen in der Region weiter fließt

Damit der Strom für einkommensschwache Menschen in der Region weiter fließt

Werden die Schulden zu groß, kann der Energieversorger den Strom abdrehen. Damit es so weit gar nicht erst kommt, sucht ein Bündnis aus verschiedenen Trierer Organisationen gemeinsam nach Lösungen gegen Energiearmut.

Wer eine Wohnung mietet, muss auch Nebenkosten zahlen. Wer mehr verbraucht, muss nachzahlen. Seinen Energieversorger kann jeder frei wählen. Für die meisten Deutschen dürften das Binsenweisheiten sein. Für viele Geflüchtete aber ist das alles neu - deshalb gehören auch sie zu den Menschen, für die der Lenkungskreis Aktiv gegen Energiearmut derzeit Konzepte sucht. Ein Flyer auf Englisch, Arabisch und Farsi, der die oben genannten Ratschläge und viele weitere enthält, ist eines der ersten Ergebnisse dieses Lenkungskreises.

Im Mai hatte sich das Bündnis aus Caritas, Verbraucherzentrale, Wohnungsbaugesellschaften, dem Energieversorger SWT und vielen weiteren Akteuren zusammengeschlossen. Das gemeinsame Ziel: Sie wollen präventiv gegen Energiearmut vorgehen. Als energiearm gelten vor allem Menschen, deren Einkommen für die steigenden Kosten für Strom und Heizung nicht ausreicht. Schulden bei den Energieversorgern sind oft die Folge, im schlimmsten Fall dreht der Versorger Strom oder Gas ab.

Jetzt haben die Akteure erste Ergebnisse der Gespräche präsentiert. Über zwei Wege will das Bündnis im Wesentlichen helfen. Zum einen wollen die Akteure mit Beratungsangeboten so viele Menschen wie möglich erreichen. Zum anderen sollen auch Investoren und Vermieter dafür sensibilisiert werden, möglichst energiesparend zu bauen oder zu sanieren. "Wir sind noch nicht so weit, dass wir auch die Gerätehersteller mit am Tisch haben", sagt Bürgermeisterin Angelika Birk, Schirmherrin der Aktion. Besonders im Fokus steht der Stromspar-Check, eine Kooperation der Caritas und der Energieagentur. Mitarbeiter des Projektes kommen in den Haushalt und prüfen, wo sich Strom einsparen lässt. Die Caritas kooperiert im Rahmen des Lenkungskreises jetzt auch mit den Stadtwerken. Mit der Mahnung für säumige Abschlagszahler verschickt die SWT künftig ein Informationsschreiben zum Stromspar-Check. In den Stadtbussen fahren Werbe-Plakate mit.

Einen anderen Weg geht die Wohnungsgenossenschaft Beutelweg mit Wohnen im Quartier in der Thyrsusstraße. Bis 2019 sollen hier überwiegend Sozialwohnungen entstehen (der TV berichtete). Die Energie dafür kommt aus dem sogenannten Mieterstrommodell. Ein Blockheizkraftwerk und Solar-Paneele auf dem Dach erzeugen Strom, der nicht ins öffentliche Netz eingespeist wird. Nur die Mieter können diesen Strom beziehen - zu vergünstigten Preisen. In vielen Trierer Wohnungen werde außerdem Strom gebraucht, um warmes Wasser zu erzeugen und zu heizen. Durchlauferhitzer und Nachtspeicherheizungen sind keine Seltenheit. Schirmherrin Birk hofft, dass Bauherren und Vermieter in Zukunft andere Wege gehen. "Die Nutzung eines Durchlauferhitzers ist teuer und ökologisch fragwürdig."

Wie viele Trierer von Energiearmut bedroht oder betroffen sind, kann aber offenbar niemand genau sagen. "Weil es keine einheitliche Definition von Energiearmut gibt", sagt Antje Kahlheber von der Verbraucherzentrale. Nicht immer liegt es am Einkommen, wenn ein Verbraucher Energiekosten nicht zahlen kann. Manchmal liegen zum Beispiel auch lange Krankheitszeiten oder psychische Probleme zugrunde.

850 Kunden der SWT nutzen derzeit einen sogenannten Chipkartenleser. Das kleine Gerät ist mit dem Stromzähler verbunden. Mit einer Chipkarte, die an den Kassenautomaten der SWT aufgeladen wird, wird er aktiviert, erst dann fließt der Strom. Ist das Guthaben aufgebraucht, gehen die Lichter aus.