Damit die Ruwertaler auch morgen noch Platt schwätzen

Damit die Ruwertaler auch morgen noch Platt schwätzen

Sie trifft sich seit zehn Jahren, um Geschichten, Gedichte, Spiele und Redewendungen "off Platt" zu sammeln: In 15 Ausgaben hat die Mundartgruppe Unteres Ruwertal veröffentlicht, wie im Unteren Ruwertal "göschwaat" (gesprochen) wird - früher und heute.

Kasel/Mertesdorf/Waldrach. "In den 1960er und 70er Jahren war Mundart geradezu verpönt", sagt Hermann Jakobs. "Wer Platt sprach, galt als primitiv, rückständig und unmodern." Jakobs ist der Kopf der Mundartgruppe Unteres Ruwertal. Er hält die Gruppe, die aus rund zwanzig Männern und Frauen besteht, zusammen und sorgt dafür, dass das Erarbeitete schriftlich festgehalten wird. "Uns ist es wichtig, dass die Leute was zum Nachlesen in der Hand haben", sagt der 75-Jährige. Denn das Hauptziel ist, dass die Mundart für die Nachkommen erhalten bleibt. Mittlerweile halten die Bewahrer des Dialekts Band 15 in der Hand: "So gött bäi uus göschwaat" (So wird bei uns gesprochen) heißt die rund 130 Seiten starke Ausgabe mit Kindersprüchen, Gedichten und Geschichten in moselfränkischer Mundart sowie Wissenswertem über die Geschichte und Verbreitung des Dialekts im Unteren Ruwertal.

Für die aktuelle Ausgabe hatten die Mitglieder der Mundartgruppe auch tief in der Kindheit gekramt: Abzählreime, Kirmeslieder, Klapperrufe und lustige Zungenbrecher. Mit seinen 57 Jahren ist Karl-Heinrich Ewald, Ortsbürgermeister von Kasel, der Jüngste in der Gruppe. "Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändern wird", sagt Ewald. Jeder der möchte, sei herzlich eingeladen, mitzumachen. Ausgabe 16 ist schon in Vorbereitung. Das Thema: alte Kinderspiele. "Klicker" (Murmelspiel), "Heepheißi" (Hüpfhäuschen). Manchmal kochen Mitglieder während der Treffen auch Gerichte nach alten Rezepten. Sich für den Erhalt der Mundart einzusetzen ist viel mehr, als sich nur mit der Sprache zu beschäftigen.

Die Ausgaben können bei der Gemeinde Kasel im Gemeindehaus, Nikolausstraße 27, ausgeliehen werden. Weitere Infos: Telefon 0651/53221, E-Mail: ortsgemeinde@kasel-ruwertal.dekat