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Damit es dem Theater nicht an den Kragen geht

Damit es dem Theater nicht an den Kragen geht

Das Theater soll weiter sparen - unter anderem mit Hilfe eines externen Beraters. Das sorgt bei den 210 Mitarbeitern für Unruhe. Am Montag haben sie eine Online-Petition gestartet. Devise: Mehr sparen geht nicht. Adressat: der Stadtrat. Bis Dienstagabend unterzeichneten 1000 Internet-User die Petition. 20 000 Unterschriften sollen es werden.

Trier. Auf der am Montagnachmittag freigeschalteten Online-Plattform www.openpetition.de/petition/online/pro-ensemble-theater-trier ist ganz schön was los. Die Zahl der Unterzeichner wächst rapide. 300 waren es am frühen Dienstagvormittag, knapp 600 zur Mittagszeit, und am Abend wurde die 1000er Marke überschritten.
"Wir sind sehr glücklich über das große Interesse und die Unterstützung unserer Aktion, Pro Ensemble-Theater Trier\'", erklärt Frank-Uwe Orbons, Pressesprecher des Theaters. Der 42-Jährige ist einer der Initiatoren der Petitionsoffensive, die das Theater Trier gestartet hat. Anlass sind die im Raum stehenden drastischen Sparforderungen: Bis Juni soll das Berliner Beratungsunternehmen ICG "strukturelle" Maßnahmen erarbeiten, um zusätzliche 400 000 Euro pro Jahr einzusparen (der TV berichtete).
Strukturveränderungen - dieses Wort lässt beim 210-köpfigen Theaterpersonal die Alarmglocken läuten. "Zusätzlich sparen und dennoch unser Haus und sein Angebot in bewährter Form erhalten - das geht nicht. Es droht also die Beschneidung unserer drei Sparten", fürchtet Orbons.
Ganz gleich, ob der Musentempel am Augustinerhof in ein reines Bespieltheater verwandelt oder die Zusammenlegung mit Kaiserslautern und Koblenz zu einem Landestheater angepeilt werden sollte: "Die Konsequenz wären massenhafte Kündigungen."
"Das Opfern einer Bühne mit einer mehr als 200-jährigen Tradition, verbunden mit dem langfristigen Verlust von mehr als 200 Arbeitsplätzen in Trier - das kann der Stadtrat doch nicht wollen", glaubt Intendant Gerhard Weber (63) "bei allem Verständnis für die dramatische Finanzsituation der Stadt". Er bittet darum, dass sich die Lokalpolitiker "vor ihr Theater stellen".
Hiltrud Zock (50), Vorsitzende des Fördervereins Gesellschaft der Freunde des Trierer Theaters, führt ein weiteres Argument für den Erhalt des Bestehenden an: "Theater ist weit mehr als das, was auf der Bühne passiert. Die Ensemblemitglieder sind auch weit darüber hinaus kulturell und künstlerisch tätig, zum Beispiel als Musiklehrer, in der Jugend- und Seniorenarbeit oder mit eigenen Projekten. Die Kulturstadt Trier ohne den Idealismus und das Engagement der Theaterleute - ein echtes Horrorszenario. Daran wage ich gar nicht zu denken."Ziel: 20 000 Unterschriften


Müsste sie auch nicht, wenn der Stadtrat sich von der "Pro Ensemble-Theater"-Petition beeindrucken lässt. Die hat zum Ziel, binnen 60 Tagen 20 000 Unterzeichner zu gewinnen. Fünf Prozent der angepeilten Marke sind bereits einen Tag nach dem Start zusammengekommen. Und erfahrungsgemäß wird die einmal ins Laufen geratene Online-Kampagne nicht verebben, sondern weite Kreise ziehen.
Sicherheitshalber wird auch auf nichtdigitalem Weg um Unterstützung geworben. Zur Aufführung des aktuellen Schauspielproduktion "Die Katze auf dem heißen Blechdach" gestern Abend lagen erstmals Unterschriftenlisten aus.
Treue Besucher kennen das: Bereits zu Beginn der Spielzeit 2011/12 sammelte das Theater Unterschriften "gegen das Totsparen". Rund 10 000 kamen damals zusammen. Adressat: Kulturdezernent Thomas Egger und der übrige Stadtvorstand. Resultat laut Intendant Weber: "Wir befinden uns immer noch zwischen Hoffen und Bangen."
Diesmal wendet sich das Theater direkt an die Entscheidungsträger, sprich: den Stadtrat. Der könnte sich in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien (Mittwoch, 3. Juli) mit der Zukunft des Theaters befassen und den Daumen heben - oder senken.
Dass viele der ersten tausend Unterstützer von weit außerhalb der Region Trier kommen und es - von Kritikern möglicherweise nicht ernst genommener - Zuspruch sogar aus Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Polen und vom Baltikum gibt, findet Intendant Weber "ganz prima. Auch wenn es sich bei diesen Menschen nicht unbedingt um unser originäres Publikum handelt, freuen wir uns doch sehr über die Anteilnahme. Die Botschaft lautet doch: Wir sind bei Euch! Wäre wunderbar, wenn auch die Damen und Herren des Stadtrats das sein könnten."