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Damit Helfer und Hilfesuchende schneller und besser zusammenfinden

Damit Helfer und Hilfesuchende schneller und besser zusammenfinden

40 Interessierte aus der Region Welschbillig haben ein Netzwerk gegründet, um sich um Flüchtlinge zu kümmern. Dabei geht es um konkrete Hilfe für Menschen, die in der Region eine neue Bleibe gefunden haben.

Welschbillig. Wie können sie sich einbringen, fragt ein junges Pärchen in die aus rund 40 Leuten bestehende Runde. "Wir hatten noch nie Kontakt mit Flüchtlingen." Sofort kommt der Einwurf einer Frau, die bereits eine Familie betreut: "Wir brauchen noch jemanden." Deshalb seien sie ja hier, antwortet das Paar. Egal ob sprachliche Unterstützung, Hilfe bei Behördengängen oder das Besorgen einer Couch. Jeder kann sich dort engagieren, wo er seine Fähigkeiten sieht.
In dieser Woche wurde das Netzwerk offiziell in der Welschbilliger Kultur- und Marktscheune gegründet. Dabei gingen auch schon sechs Gruppen hervor, die sich untereinander treffen, austauschen und dann mit den anderen vernetzen. Koordiniert wird das Netzwerk von Roland Hinzmann vom Dekanat Schweich-Welschbillig und Andreas Flämig vom Caritasverband Trier. Sie sind sogenannte "Tandem-Partner", die aus der Flüchtlingshilfe im Bistum Trier hervorgegangen sind.
Im ganzen Bistum werden derzeit aus der Flüchtlingshilfe heraus Netzwerke gegründet, um Ehrenamtliche zu unterstützen. Allein im Dekanat Schweich-Welschbillig ist es nach der Fidei und Trierweiler das dritte. Roland Hinzmann: "Die Ressource zur Flüchtlingshilfe liegt in den einzelnen Sozialräumen." Das bedeute, dass bei den Ehrenamtlichen selbst viele Kompetenzen vorhanden seien.
"Es muss nur gut überlegt, strukturiert und miteinander in Verbindung gebracht werden." Denn viele Menschen hätten Lust, etwas zu tun. Sie haben aber viele offene Fragen, wie sie dies umsetzen können. "Es ist unsere Aufgabe, dass sie die Sicherheit bekommen und sich engagieren können." Zudem unterstütze das Netzwerk dabei, die Hilfen zu verbinden. Ein Sprachkurs könne so etwa nicht nur zwei Flüchtlingen vor Ort angeboten werden. Andere können hinzukommen, weil ein Ehrenamtlicher einen Fahrdienst anbietet.
Auch Assaf Sudad will sich beim Netzwerk in der Gruppe "Sprache" engagieren. Der 49-Jährige stammt ursprünglich aus dem Nord-Irak und ist selbst vor rund 20 Jahren geflohen. "Ich kenne die Situation und das Gefühl anzukommen und die Sprache nicht zu verstehen", sagt er. Bereits jetzt bietet er mit seiner Frau Übersetzungen für Flüchtlinge an. "Es macht mir einfach Freude, wenn ich helfen und unterstützen kann." Anna Dahm (19) wird künftig zu neu angekommenen Flüchtlingen fahren, sie begrüßen und "ihnen zeigen, dass jemand für sie da ist". Denn woher sollen sie von der Kultur und Gebräuchen in Deutschland wissen, "wenn wir es ihnen nicht erzählen", fragt sie.
Im Bistum Trier gibt es 33 Tandem-Paare wie Hinzmann und Flämig, eines pro Dekanat. "Es braucht jemanden, der die Fachfragen beantworten kann und gleichzeitig vor Ort pastoral aktiv ist und den Menschen ein Gesicht bieten kann", sagt Hinzmann. Und es sei schön, dass sie diese Arbeit "auf gesamtgesellschaftliche Beine stellen können", sagt Flämig - durch eine enge Zusammenarbeit mit den Ortschefs, Verbandsgemeinden und Sozialdiensten.
Informationen bei Roland Hinzmann, Telefon 06502/9371600, roland.hinzmann@bistum-trier.de