Damit Kinder des Elends eine Zukunft haben

Die Kinder aus Mathare, dem größten Elendsviertel von Kenias Hauptstadt Nairobi, gehören zu den Ärmsten der Armen. Ihre einzige Chance auf Zukunft ist Bildung. Studenten des Fachbereichs Geowissenschaften haben jetzt einen Förderverein gegründet, der dort gezielt eine Schule unterstützt, die Future-Kids-Academy.

Trier. Die Future-Kids-Academy ist ein einfaches Gebäude aus Steinen, Holz und Wellblech, umgeben von Wellblechhütten und Müllbedeckten Gassen in Nairobis Slum Mathare. 2001 hat das Ehepaar Lydia und Mwalo Munyala die Primary School für Kinder ab drei Jahren bis zur achten Klasse gegründet, 300 Kinder besuchen sie. Sie müssen eine kleine Gebühr zahlen, damit sich die Schule tragen kann. Doch die können viele nicht aufbringen. Die Mittel der Future-Kids-Academy sind so knapp, dass es manchmal nicht für die nötigen Zukäufe zu den Nahrungsmitteln aus dem World Food Program reicht, aus denen das Schulessen bereitet wird, für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag.

All das berichten Andreas Eberth, Geographiestudent aus Trier und ehemaliger Praktikant an der Future-Kids-Schule, und seine Studienkollegen des achten Semesters, die im Frühjahr dort auf Exkursion waren. Leiter war Professor Johannes-Michael Nebe, der seit Jahren enge Beziehungen zur Schule unterhält und an der Uni Trier Unterstützung für sie mobilisiert (der TV berichtete mehrfach). "Alles, was die Schule an Ausstattung besitzt, ist aus Trier", erläutert Eberth.

Angesichts des nahenden Ruhestands von Professor Nebe haben die Studenten jetzt den Förderverein ELIMU (Kiswahili für "Bildung") gegründet, der weiterhin Hilfe auf mehreren Ebenen leisten will: finanziell über Mitgliedsbeiträge, "so gering, dass Studenten ihn aufbringen können" (Eberth), über Spenden, zum Beispiel aus Erlösen eines Weihnachtsmarktstands mit Massai-Schmuck, und über Patenschaften. "Wichtig ist uns auch die ideelle Förderung", sagt Andreas Eberth. Die soll Aufklärungsarbeit hierzulande, beispielsweise Vorträge und Ausstellungen zum Leben in Slums beinhalten, dazu die Entsendung von Lehramtsanwärtern als Praktikanten nach Afrika. Davon profitierten beide Seiten: Während die Deutschen Einblick in eine andere Lebens- und Bildungswelt erhielten, lerne die Schule weitere Möglichkeiten der Bildungsvermittlung kennen, zum Beispiel Debattierclubs oder Theaterprojekte. Andreas Eberth und seine Mitstreiter hoffen: "Vielleicht lernen die Kinder dadurch genau das, was ihnen ermöglicht, sich in ihrem Land einzubringen und eine Zukunft zu haben."

Am Mittwoch, 7. Oktober, um 19 Uhr wird sich der ELIMU-Förderverein der Future-Kids-Schule Nairobi öffentlich im Gasthaus Wollscheid in Tarforst vorstellen. Infos zum Verein gibt es auch unter www.elimu-ev.org und auf der Homepage der Future-Kids-Schule: www.futurekids-academy.com. Am Mittwoch, 28. Oktober, um 18 Uhr eröffnet der Verein eine Ausstellung zum Thema "Leben in Slums" in der Sparkasse Theodor-Heuss-Allee Trier, Grußworte sprechen OB Klaus Jensen und Unipräsident Peter Schwenkmezger. Schulen in Kenia In Kenias Gesetzen ist verankert, dass alle Kinder Zugang zu kostenloser Bildung haben sollen. Doch in den Slums der Hauptstadt Nairobi, in denen 60 Prozent der rund drei Millionen Einwohner auf fünf Prozent der Stadtfläche leben, gibt es keine staatlichen (kostenfreien) Schulen. Bildung vermitteln nur wenige, von ausländischen Hilfsorganisationen, kirchlichen Einrichtungen und Privatleuten getragene Institute, die jedoch Gebühren erheben müssen, um sich zu finanzieren. Nur die Hälfte der Slumkinder besucht eine Schule. (ae)