Damit Schlagen nicht zur Gewohnheit wird

Damit Schlagen nicht zur Gewohnheit wird

Seit 2007 gibt es in Trier eine von insgesamt acht sogenannten Täterarbeitseinrichtungen im Land. In der Beratungsstelle Contra Häusliche Gewalt sollen Täter lernen, ihr Verhalten zu ändern. Ein Mann, der vor der Therapie seine Freundin geschlagen hat, hat dem Trierischen Volksfreund von seiner Vergangenheit berichtet.

Trier. Der Mann sieht unscheinbar aus - wie ein Stammtisch-Typ oder Vereinsmensch. Wenn er lacht, dann laut und nervös. Er ist Arbeiter aus Trier und 40 Jahre alt. Mit dem Fantasienamen Hans Müller ist er einverstanden, weil er anonym bleiben will.
"Muss nicht sein, dass das jeder weiß", begründet er diesen Aliasnamen. "Das" ist schnell erzählt: "Ich habe meine Freundin einmal geschlagen", sagt er bündig und sichtlich unangenehm berührt.
Gespräche und Gruppentraining



Seine Freundin habe ihn provoziert und öffentlich beleidigt, bis "irgendwann bei mir eine Sicherung durchbrannte". Im Krankenhaus musste sie aber nicht behandelt werden - "So schlimm war es nicht". Allerdings war sein gewalttätiger Übergriff für ihn so beängstigend, dass "ich vor mir selbst einen Schreck bekam" und er sofort Hilfe suchte. "Damit mir sowas nicht nochmal passiert", sagt der Mann, der selbst mit Gewalterlebnissen aufwuchs.
Bei der Beratungsstelle Contra Häusliche Gewalt konnte er schon bald die ersten Gespräche mit Diplom-Pädagoge Michael Charles führen und begann dann mit dem Gruppentraining. "Das war schon ein etwas mulmiges Gefühl, das erste Mal in die Gruppe zu gehen", gibt er zu. Schließlich wisse man nicht, wer noch in der Gruppe sei - da schwingt eine hörbare Portion Scham mit. Wenn man Müller zuhört, ahnt man, dass die Treffen in der Beratungsstelle alles andere als Freizeitspaß waren. Es wird aber auch klar: Da hat jemand viel über sich selbst gelernt und war willens, an sich zu arbeiten.
Zusammen mit Michael Charles und der Sozialarbeiterin Ursula Wollscheid trainierte Müller regelmäßig mit sechs bis acht Teilnehmern. Er lernte, mit Gefühlen richtig umzugehen, Risikosignale zu verstehen, Eskalationen zu vermeiden oder aktuelle Konflikte aufzuarbeiten. "Ich war im Frauenversteherkurs", sagt Müller grinsend - und nimmt umgehend den verpatzten Witz zurück. Schließlich ginge es nicht um das, was seine Freundin getan habe, sondern um sein eigenes Verhalten. Und da habe er einiges gelernt. Die Beziehung zur Freundin, die er anfangs noch retten wollte, habe er aufgegeben.
"Das ist eine von verschiedenen denkbaren Konsequenzen", erklärt Charles, "eine andere Konsequenz hätte die Paartherapie sein können". Für Müller war das Training in der Beratungsstelle ein Gewinn, sagt er. Ab und zu gucke er noch in seinen Ordner. "Schreiben Sie das bloß nicht", unterbricht Charles, das klinge nach Arbeit und Hausaufgaben. "Na ja, es war ja wirklich nicht, als wenn man ins Kino geht", verabschiedet sich Müller mit einem freundschaftlichen Händeschütteln. Die Einrichtung Contra Häusliche Gewalt hat im vergangenen Jahr 45 Personen, fast ausschließlich Männer, betreut. Etwa die Hälfte der Betroffenen kommt freiwillig, die anderen aufgrund verpflichtender Anordnung etwa der Staatsanwaltschaften. Die Teilnahme an den Trainigseinheiten kostet jeweils fünf Euro. Die Beratungszeit umfasst etwa ein halbes Jahr. Mit Gewalt ist nicht nur körperliche, sondern auch psychische oder verbale Gewalt umschrieben. Die Beratungsstellen im Land sind jeweils den Landgerichtsbezirken zugeordnet. Sie werden zu 90 Prozent vom Land finanziert, die restlichen zehn Prozent werden größtenteils über Bußgelder eingenommen. Contra Häusliche Gewalt hat in Trier seinen Sitz bei der Beratungsstelle Pro Familia e.V. im Mehrgenerationenhaus in der Balduinstraße. gsb