Damm kaputt: Mehr als Bäume müssen weg

Kostenpflichtiger Inhalt: Hochwasserschutz in Trier : Damm kaputt: Mehr als 40 Bäume müssen weg

Die Fällarbeiten für die dringend notwendige Sanierung des Hochwasserschutzdeichs in Trier-Nord beginnen am Montag.

Wenn zu schlechtes Wetter es nicht verhindert, werden ab Montag am Moseldamm zwischen der Jugendherberge und der Tankstelle im Norden der Stadt die Motorsägen kreischen. Die ersten Baumfällarbeiten markieren den Start der Vorarbeiten für ein Sanierungsprojekt, das nach Einschätzung der Hochwasserexperten und Ingenieure dringend notwendig ist. „Der Deich schützt seit 100 Jahren die Stadt vor Hochwasser“, sagt Alfred Weinandy, Referatsleiter der Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz Trier der SGD Nord. „Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Schutzbau in einem schlechten und teilweise sogar gefährlich maroden Zustand befindet.“

Im ersten Bauabschnitt wurde das Zurlaubener Ufer zwischen der Kaiser-Wilhelm-Brücke und der Jugendherberge bereits saniert und umgestaltet. Nach der abgeschlossenen Renaturierung der Uferflächen in Richtung Norden folgt nun in den kommenden 13 Monaten der zweite Abschnitt der Deichsanierung. Erhöht wird der Deich dabei nicht. Der Schutz ist weiterhin auf ein extremes Hochwasser ausgelegt, wie es, statistisch gesehen, alle 50 Jahre möglich ist.

Insgesamt 2,75 Millionen Euro wird die Maßnahme nach Angaben von Projektleiter Heinrich Krzywon kosten. Nach Abzug des 90prozentigen Anteils des Landes beträgt der Anteil der Stadt Trier 268 000 Euro. 74 000 Euro zahlen die Stadtwerke für Leitungsarbeiten, die bei der kompletten Erneuerung der instabilen und vor allem durch Wurzeln zerstörten Dammkrone und Böschung, des Radwegs und der Fußwege kostengünstig möglich sind.

Von den 187 Bäumen, die derzeit auf beiden Seiten der Deichkrone im betroffenen Bereich stehen, werden nach aktuellem Planungsstand 41 gefällt. „Wir haben keine andere Wahl, wenn die schützenswerten Bäume auf der Moselseite erhalten werden sollen“, argumentiert Krzywon. „Das sind Kollateralschäden, die sich nicht vermeiden lassen. Wir investieren aber insgesamt eine Millionen Euro, um möglichst viele Bäume erhalten zu können.“

Grundsätzlich, so erläutern die Ingenieure, bergen große Bäume auf Deichen und Dämmen ein hohes Risiko. So kann das Wurzelwerk zerstörerisch wirken. Bei einem großen Hochwasser droht zusätzliche Gefahr, wenn der Baum unterspült wird und umstürzt. Der dabei entstehende Krater ist eine große Gefahr für die Stabilität des Damms. Um diese zu gewährleisten, werden in zwei längeren Teilbereichen mehrere Meter hohe Stahlspundwände in den Damm getrieben.

Krzywon: „Der Abstand zu der geschützten Baumreihe muss mindestens vier bis fünf Meter betragen, wenn deren Wurzeln nicht beschädigt werden sollen. Damit gelangen wir zwangsläufig in den Bereich der Bäume auf der Stadtseite. Für jeden gefällten Baum werden drei neue gepflanzt.“ Elf der betroffenen 41 Bäume hätten nach einem Fachgutachten ohnehin entfernt werden müssen. 43 weitere Bäume auf der Landseite sollen erhalten bleiben und über sogenannte Wurzelbrücken geschützt werden. Diese Hohlräume unter dem neuen Radweg sollen vermeiden, dass die Wurzeln Schäden anrichten.

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Bei der Präsentation der Projekts im Bauausschuss des Stadtrats am Donnerstagabend haben diese Erläuterungen alle Kritiker beschwichtigt. Vor allem aus den Reihen der Grünen wurde dennoch gefordert, so viele Bäume wie möglich zu schützen. Baudezernent Andreas Ludwig widersprach Gerüchten, die Bäume würden nur gefällt, um den Bewohnern des neuen Wohnquartiers freie Sicht auf die Mosel zu verschaffen.

Von diesen Gerüchten hat auch Ortsvorsteher Dirk Löwe gehört, der sich am Freitagmorgen mit dem Fahrrad einen genauen Eindruck von der Situation verschafft hat. „Die Alleensituation wird zwar verschwinden“, bedauert der Grünen-Politiker. „Ich freue mich aber, dass die großen Bäume auf der Moselseite erhalten bleiben.“ Auch er fordert, so viele Bäume wie möglich zu schonen. Löwe weiß um die Sensibilität des Themas. „Wir werden im Ortsbeirat noch einmal intensiv über die Sache sprechen. Ich hoffe, dass wir in Trier endlich eine Baumschutzsatzung bekommen.“

Dirk Löwe, Ortsvorsteher von Trier-Nord, macht sich ein Bild von der Situation. Er hofft, dass möglichst viele Bäume erhalten bleiben können. Foto: Rainer Neubert

Offizieller Baubeginn für die Sanierung des Damms ist am 4. November. Zum Spatenstich, sieben Tage später, kommt Umweltministerin Ulrike Höfken nach Trier. Nach Ansicht von Baudezernent Andreas Ludwig ist auch das ein Beleg dafür, dass hier sorgsam mit der Natur umgegangen wird.

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