Dank Bart und Buch zum Superstar: TV-Redakteur als Nikolaus auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs

Dank Bart und Buch zum Superstar: TV-Redakteur als Nikolaus auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs

Respekt und ganz viel Liebe – das haben die kleinen Besucher des Trierer Weihnachtsmarkts TV-Redakteur Friedemann Vetter am Sonntag entgegengebracht. Der verteilte mit Rauschebart und rotem Mantel Geschenke und notierte sich allerlei Kinderwünsche.

Es ist ein guter Tag: nicht zu kalt und trocken. Ich befestige den grauen Rauschebart mit Gummis hinter den Ohren. Der rote Mantel sitzt perfekt. Jetzt noch die rote Mütze, den Jutesack und das große Buch - fertig. Ein Blick in den Spiegel, ich bin zufrieden. So wird mich keiner erkennen, glaube ich, als ich auf den Domfreihof trete. Es ist 12 Uhr und sehr viel los auf dem Weihnachtsmarkt, das hatte ich nicht erwartet.

Ich nehme Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt mit auf eine vierstündige Reise durch eine schöne Weihnachtswelt, die nichts mit Einkaufsstress und Wunschzettelabarbeiten zu tun hat. Ich bin von den Betreibern des Trierer Weihnachtsmarktes gerade offiziell zum legitimierten Nachfolger des Bischofs von Myra ernannt worden. Wie viele Tausend Kollegen gibt es wohl gerade auf der Welt, frage ich mich, als ein Schausteller aus Süddeutschland um ein Foto bittet und lachend weiterzieht.

Es geht los! Die ersten Kinderaugen schauen erwartungsvoll zu mir hoch, ich stelle mich als Nikolaus vor, reiche ihnen meine Hand mit den weißen Handschuhen. Noch etwas unbeholfen, zugegebenermaßen, aber in den ersten Minuten hilft mir mein Knecht Ruprecht alias Thomas Vatheuer weiter, greift in den Jutesack und verteilt Süßigkeiten. Alles ist gut, wir ziehen weiter. Mein erster Arbeitsplatz ist der Hauptmarkt, wo mein goldener Sessel mit rotem Samtpolster auf mich wartet. Aber es geht nur langsam voran, ich schüttele kleine Kinderhände, die sich zögerlich meiner großen Hand nähern, manchmal auch tief in den Jackentaschen vergraben bleiben und erst sichtbar werden, wenn ich etwas Süßes aus meinem Sack hervorkrame.

Da ist es, das erste Nikolausgedicht, von einem kleinen Jungen ganz schnell und leise gemurmelt, denn er hat all seinen Mut zusammengenommen. Zum ersten Mal wird mir meine Ausstrahlung auf die Kleinen bewusst. Das ist kein Spiel: Ich bin der Nikolaus, von dem ihnen jedes Jahr erzählt wird, und manche sehen mich gar zum ersten Mal. Die ganze Welt kennt mich - ein Rockstar ist eine arme Socke gegen mich, schießt es mir gerade durch den Kopf, als ein US-Amerikaner mit mir fotografiert werden will. Seine Frau zückt das Handy, und ich bekomme eine Regieanweisung, soll ihm fürs Foto einen Lutscher überreichen. Durch die Sternstraße erreiche ich den Hauptmarkt.

"Aaah, der Nikolaus!", höre ich aus der Menge der Glühweintrinker; ich sehe viele lachende Gesichter, auch die Erwachsenen freuen sich. Da steht mein Sessel. Letzte Infos von Knecht Ruprecht, dann bin ich allein, das große Weihnachtswunschbuch auf dem Schoß, den Sack neben mir. Eltern schieben ihre Kinder zu mir, warten geduldig unten an der Treppe, bis sie drankommen. Sooo viele Kindernamen, kleine Hände, ernste und lachende Kinderaugen. Beim Aufschreiben der Weihnachtswünsche stört mich der Bart, der ohnehin ständig kitzelt. Mara wünscht sich eine Puppe, Noah einen Abschleppwagen, Emilia einen Pferdehof, Franziska einen Playmobil-Krankenwagen, Colin das Star-Wars-Raumschiff...

Mal bin ich Papa Noël, mal Santa Claus, denn Trier ist international. Meine kleinen Freunde kommen aus Frankreich, Spanien, Österreich, Italien, Polen, Finnland, Japan, Syrien, USA, Irland und England. Von den französischen Kindern bekomme ich am Schluss einen Kuss auf die Wange, und ein kleines Mädchen aus Texas verabschiedet sich von mir mit "I love you, Santa Claus". Es ist schön, so viel Freude zu bereiten, aber so langsam schwirrt mir auch der Kopf. Ich schüttele drei Kindern die Hand und erfahre ihre Namen - und weiß beim dritten Kind schon nicht mehr, wie das erste heißt. Mein Sack ist auch leer, und nach eineinhalb Stunden gehe ich zu meiner Nachfüllstation hinter den Kulissen des Marktes und fülle neue Stofftiere, Lutscher, Schokolade und Kaubonbons in meinen Sack und mache eine kleine Pause.

Wieder viele Selfies mit dem Nikolaus, und eine Frau lotst mich zum Glühweinstand zu einer kleinen Betriebsweihnachtsfeier, so scheint es. Ich soll mich mit zwei Auszubildenden fotografieren lassen, doch das dauert mir irgendwann zu lange. Stattdessen geh ich lieber in die Knie und bin wieder bei den Kindern, die schon geduldig gewartet haben. Eine kleine Kapelle spielt in der Sternstraße, sie freuen sich über den wackelnden, tanzenden Nikolaus. Ich bezahle mit ein paar Lutschern aus meinem Sack und gehe weiter.

Zweite und letzte Schicht auf dem Sessel. Es kommen immer mehr Kinder, im Minutentakt ziehen sie an mir vorbei, die Eltern fotografieren und auch Erwachsene hüpfen zu mir für ein schnelles Foto. Maximilian sagt "mein Herr" zu mir und wünscht sich einen Helikopter, die Brüder Theo und Mathis wünschen sich zusammen das Fifa-2016-Computerspiel, die kleine Lina ein Puppenhaus, und ihr großer Bruder Kevin das Master-Yedi-Lichtschwert. Wow! Bei jedem Weihnachtswunsch schreibe ich eine Telefonnummer auf, und genauso wie das Kind gerade wünsche ich mir sehr, dass die Organisatoren des Weihnachtsmarktes vielleicht alle Wünsche erfüllen können.

Die Uhr am Fachwerkhaus in der Simeonstraße zeigt kurz vor vier Uhr nachmittags, und die Schlange der Kinder vor mir wird nicht kürzer, eher länger. Wie beende ich das jetzt? Ich kann doch nicht einfach aufstehen und gehen. 20 Minuten später schaffe ich es, mich zu lösen. Ein letztes Mal ab durch die Sternstraße Richtung Domfreihof. Noch schnell ein Foto mit einem kleinen Hund im Nikolausmäntelchen unter der Weihnachtspyramide. Da ist die Nachfüllstation: Mütze runter, Mantel aus, Bart weg - ich bin wieder ich. Mein Kopf ist voller schöner Eindrücke. Das war ein toller Tag.