"Dann hat’s Bumbumbum gemacht": Rockerprozess um Prügelei in der Karl-Marx-Straße in Trier fortgesetzt

"Dann hat’s Bumbumbum gemacht": Rockerprozess um Prügelei in der Karl-Marx-Straße in Trier fortgesetzt

Waren die mutmaßlichen Schläger noch Herren ihrer Sinne? Wie stark hat ein Passant sie provoziert? Um diese zwei Kernfragen drehte sich der zweite Tag beim Rockerprozess vor dem Trierer Landgericht.

Die toxikologischen Gutachten bestätigen es: Zwei der drei wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Rocker hatten nicht nur ordentlich Alkohol im Blut, sondern vor der Prügelei in der Karl-Marx-Straße auch künstliche Drogen und Kokain genommen. "Aggressiv, euphorisch, gereizt, starke verbale Aggressivität, lässt Beleidigungen los", hat der Amtsarzt etwa im Untersuchungsprotokoll zum Zustand des 30-jährigen Angeklagten vermerkt, 2,03 Promille Alkohol hatte dieser da im Blut.

Der 36-jährige Angeklagte, der zuerst zugeschlagen haben soll, hatte immerhin 1,09 Promille intus und ebenfalls einem Drogenmix aus Amphetaminen und Kokain. Laut Amtsarzt sei er bei der Untersuchung nach der Verhaftung "nicht kooperativ" gewesen.

Der 56-jährige dritte Rocker auf der Anklagebank hatte zwar 1,36 Promille - dafür aber keine anderen Drogenrückstände im Blut.

Was genau am frühen Morgen des 29. Novembers 2014 in der Karl-Marx-Straße/Ecke Bollwerkstraße zu der schlimmen Schlägerei geführt hat, blieb allerdings auch am zweiten Prozesstag unklar.

Der erste Kontakt zwischen den beiden Parteien ging jedoch offenbar von der Passantengruppe aus: "Seid ihr bescheuert, habt ihr sie noch alle, was soll der Scheiß, macht den Gullydeckel zurück!": Das soll ein 37-Jähriger, der mit mehreren Arbeitskollegen nach einer Weihnachtsfeier in der Karl-Marx-Straße unterwegs war, den Rockern nachgerufen haben. Offenbar hatten diese zuvor eine Kanalabdeckung aus ihrer Verankerung gelöst und auf die Straße geworfen. Laut seinen Arbeitskollegen sei der 37-Jährige auf die Rocker zugegangen und habe diese darauf angesprochen. Die Arbeitskollegen sagten vor Gericht aus, es habe es zunächst eine "verbale Auseinandersetzung" gegeben und dann sehr schnell "Bumbumbum" gemacht.

Die Rocker droschen offenbar auf die drei Männer der Passantengruppe ein. Das Ergebnis: Schürfwunden, etliche Prellungen, mehrere herausgebrochene Zähne, gebrochene Schädelknochen, geplatzte Lippen. Zwei Polizisten, die dazukamen, prügelten die Rocker ebenfalls nieder.

Neben Zeugenaussagen spricht ein Laborgutachten gegen die Rocker: An beiden Händen, unter den Fingernägeln und an der Hose des 30-Jährigen fanden sich Blutreste des schwer verletzten Polizisten und von zwei der zusammengeschlagenen Passanten. Genetische Spuren des unter Drogen stehenden Angeklagten hafteten auch auf der Wange der blutig geschlagenen Polizistin. An der Kleidung des 56-jährigen angeklagten Rockers wies das Gutachten ebenfalls Blutspuren des Polizisten und von einem der Passanten nach.

Zehn Zeugen sagten gestern vor Gericht aus - neben der Passantengruppe auch Polizisten und Touristen, die das Geschehen zumindest teilweise aus ihrem Hotelfenster beobachtet hatten. Eindeutig lässt sich die Schlägerei jedoch nicht rekonstruieren. Welcher Angeklagte wen geschlagen und welche Verletzung verursacht hat, wird sich wahrscheinlich auch durch die noch ausstehenden Vernehmungen nicht im Detail klären lassen.

Da die Anklage den aus der Pfalz und dem Saarland stammenden Rockern allerdings vorwirft, "entsprechend eines spontan gefassten gemeinschaftlichen Tatentschlusses" auf die Passanten eingeschlagen und eingetreten zu haben, dürfte für eine Verurteilung ein bis ins Kleinste aufgeklärter Tatablauf nicht entscheidend sein.

Nächster Verhandlungstermin ist am Mittwoch, 26. Oktober, 9 Uhr. 14 Zeugen stehen auf der Vernehmungsliste. Darunter zwei Trierer Mitglieder des Rockerklubs Cavemen, die in der Tatnacht dabei, aber nicht in die Schlägerei involviert waren.

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