Das 40-Millionen-Ding im Westen Triers: Weiter Widerstand gegen Güterzüge

Das 40-Millionen-Ding im Westen Triers: Weiter Widerstand gegen Güterzüge

Es soll ein großer verkehrspolitischer Wurf werden. Planer haben bei einer Informationsversammlung die fünf neuen Haltepunkte der Weststrecke zwischen Trier-Ehrang und Zewen vorgestellt. Viele Bürger hat jedoch interessiert, wie es mit dem Güterverkehr auf der Strecke weitergeht.

Virtuell ist alles fertig. Die rund 80 Teilnehmer der von TV-Redakteur Rainer Neubert moderierten Bürgerinformation im Eurener Druckwerk können schon einmal sehen, wie der neue Haltepunkt in Trier-Ehrang aussieht oder wie künftig Reisende von der Kaiser-Wilhelm-Brücke zum Bahnsteig kommen . Doch das ist alles noch Zukunftsmusik und wirkt wie ein leicht in die Jahre gekommenes Eisenbahn-Computerspiel.

Ehe die Regionalbahnen der Linien 83 und 84 fahren, ist es noch ein weiter Weg. Zunächst bedarf es eines Planfeststellungsverfahrens, das bald anlaufen soll und bei dem Bürger ihre Anregungen und Bedenken äußern können.
Anregungen und Bedenken gibt es. Doch die haben an diesem Abend im Grunde genommen nichts mit Bahnsteigen oder dem Fahrstuhl an der Brücke zu tun. Vielmehr sind es die Güterzüge auf der Weststrecke, die einige Anwohner umtrieben.

Es geht die Angst um, dass künftig abends und nachts noch mehr laute Züge fahren, da tagsüber Personenzüge auf der Strecke sind und die Verbindung deshalb für Stunden belegt ist.

Eine Anwohnerin aus dem Bobinet-Gelände präsentiert an diesem Abend passend dazu ein Schriftstück, wonach die Bahn eine steigende Zahl von Zügen prognostiziert, die zwischen 22 und 6 Uhr fahren. Da nutzt es wenig, dass unter anderem Gisbert Brauner (DB Netz) feststellt, dass der Güterverkehr und der Personenverkehr nichts miteinander zu tun haben. Und, dass die Bahn unabhängig von der Reaktivierung der Westtrasse schon heute nach Belieben Güterzüge fahren lassen kann.Schallschutz nur in Ehrang

Für bessere Stimmung sorgt bei der Versammlung zudem auch nicht die Erkenntnis, dass es für die Menschen in Trier-West, Euren und Zewen keinen zusätzlichen Schallschutz geben wird. Nur bei Ehrang wird nach aktueller Planung eine bis zu 4,5 Meter hohe Schallschutzmauer gebaut. Denn dort wird die Gleisanlage so verändert, dass ein Anspruch auf Schutz besteht. Im übrigen Bereich bleiben die Schienen unverändert. Es werden eben nur neue Bahnsteige gebaut.
Unterm Strich investieren Land und Bahn vermutlich mehr als 40 Millionen Euro in die Strecke.

Das ist mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Woher diese Steigerung kommt? Wolfgang Eilers vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium kann dazu nur sagen, dass es oft vorkomme, dass die Kosten steigen, wenn Planungen konkretisiert werden. Er macht trotz dieses Anstiegs deutlich, "dass die Reaktivierung der Weststrecke für das Land oberste Priorität besitzt." Und es könnte noch teurer werden. Dazu sagt Eilers: "Bis Baubeginn im Jahr 2019 sind Kostensteigerungen von geschätzt rund 15 Prozent nicht auszuschließen."

Welche Chancen die neuen Haltepunkte für den Trierer Westen bedeuten, betont Baudezernent Andreas Ludwig gleich mehrfach. Er weiß auch um die zahlreichen Hausaufgaben, die noch von seiner Verwaltung zu erledigen sind. Denn es reicht nicht, nur neue Bahnsteige zu bauen. Auch das Umfeld muss passen. So gibt es beispielsweise bereits Pläne für den Bau eines Verkehrskreisels am Brückenkopf der Römerbrücke, um den neuen Haltepunkt unweit des alten Bahnhofs in Trier-West anzubinden. Auch die neue Entlastungsstraße im Trierer Westen gehört zu den Projekten, die in im Rahmen der Westtrassenreaktivierung geschultert werden sollen. Wie viel das die Stadt am Ende kostet? Das kann Ludwig derzeit noch nicht sagen.

Dem Baudezernenten bereiten zudem andere Stellen auf der Strecke Kopfzerbrechen, die bei der Präsentation gar keine Rolle spielten: die beschrankten Bahnübergänge. Besonders der in der Aachener Straße dürfte für den einen oder anderen Stau sorgen. Denn auf der Strecke sollen künftig viel mehr Züge unterwegs sein als bisher. Das bedeutet, dass die Schranke häufiger geschlossen sein wird und es in Folge öfter einmal nicht vorwärtsgeht.

Hintergrundinformationen zur Weststrecke finden Sie unter http://www.der-takt.de/takt-hintergrund.html