Das Burgunderviertel soll wieder leben

Trier-Kürenz · Mit der acht Punkte umfassenden Tagesordnung hatte sich der Ortsbeirat Trier-Kürenz ganz schön was aufgehalst. Das Schulentwicklungskonzept, die Schulwegesicherung und das Burgunderviertel waren die Schwergewichte dabei.

Trier-Kürenz. Blühende Landschaften sehen anders aus als das Burgunderviertel in Trier-Kürenz. Die blühenden Zeiten mag es durchaus gegeben haben, als Trier nach Paris die größte französische Garnison mit bis zu 21 000 Soldaten bildete.
Doch seit die Nachbarn auch dem Burgunderviertel vor einigen Jahren peu à peu den Rücken gekehrt haben, vegetiert dort so ziemlich alles vor sich hin. Fensterscheiben sind eingeschlagen, Türen verbarrikadiert und Grundstücke verwildert.
Einzige Ausnahme: Der deutsch-französische Kindergarten in städtischer Trägerschaft am Eingangstor. Ortsvorsteher Bernd Michels (CDU) ist der Zustand des Viertels längst ein Dorn im Auge. Dies ist wohl auch für die SPD-Fraktion so, denn die Sozialdemokraten wollten in der jüngsten Ortsbeiratssitzung wissen, ob, wie und wann es dort weitergeht.
Wertgutachten beauftragt


Auskunftgeber von der Stadt oder der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) waren nicht erschienen, vielmehr erfuhren die Ratsmitglieder von Ortsteilchef Michels den Stand der Dinge: Das beauftragte Wertgutachten werde Grundlage für die Bima sein, um Verkaufsverhandlungen mit der Stadt zu führen. Die Stadt werde das Gelände dann schnell an einen Investor veräußern mit der Vorgabe, mindestens 25 Prozent für den sozialen Wohnungsbau vorzusehen.
Michels: "Die Investoren stehen schon Schlange", aber noch sei alles völlig offen. Der momentane Zustand könne nicht noch länger geduldet werden, lautete die einhellige Auffassung des Rats.
Erstens kommt es anders, zweitens, als man denkt: Diese Binsenweisheit dürfte auf die Grundschulsituation in Kürenz zutreffen. Lang und breit wurde die "Situation der Grundschulen Egbert und Kürenz" (der TV berichtete mehrfach) diskutiert, beleuchtet und bewertet - ohne dass der Ortsbeirat bei diesem Thema etwas Entscheidendes beeinflussen könnte gegen die verhärtet empfundene Haltung der Stadt.
Bernd Michels brachte es auf den Punkt: "Die große Politik (gemeint war der Stadtrat) hat Kürenz plattgemacht und Egbert am Leben gehalten", was ein großer Fehler gewesen sei. Ein Blick in die Zukunft ist für Michels "reine Kaffeesatzleserei".
Zudem sagte er, dass es eine Stellungnahme der ADD zu dem Thema gebe, die von der Verwaltung mit Absicht nicht publik gemacht werde. Die Grundschule zu reaktivieren, würde vom Ortsbeirat sehr begrüßt, doch ernsthaft daran glauben will niemand der Ratsmitglieder. Makaber für ein Ratsmitglied: Offenbar müsste man sein Kind für Egbert anmelden, damit es in Kürenz zur Schule gehen könne? Unumstrittene Haltung des Rats: Kürenzer Kinder, die seit diesem Jahr Schüler in der Ambrosius-Grundschule sind, müssen ihre Grundschulzeit dort beenden.
Für die Leiterin der Schule, Nicola Collet und ihre Lehrer-Kollegin Carolin Temmel käme es einer "pädagogischen Achterbahnfahrt gleich, die Kinder hin und her zu schieben", von einer Schule zur anderen. Aufhorchen im Rat: Mit dem Schulbus Kürenz führen täglich mehr als 30 Kinder. Alles laufe gut, so die Lehrerinnen.
Die Planungen seien unausgegoren und unzureichend: Deshalb lehnte der Rat die städtischen Planungen für die Schulwegsicherung an der Unterführung "Avelsbacher Straße" einstimmig ab mit der Aufforderung, deutlich nachzubessern, etwa durch zwei Fußgängerampelanlagen, eine bessere Beleuchtung, beiderseitige Gitter und die Möglichkeit, nicht nur linksseitig in Richtung Innenstadt gesehen Verbesserungen für den Schulweg der Kinder herzustellen.
Ortsvorsteher Michels hielt nicht hinter dem Berg mit seiner Meinung: "Der Bus muss weg", ist für ihn längst beschlossene Sache der Verwaltung.
Mit den veranschlagten 95 000 Euro für den Schulweg ließe sich der Schulbus für 20 Jahre finanzieren, ergänzte Michels.Extra

Mehrheitlich (sieben Ja-Stimmen, vier Mal Nein, eine Enthaltung) sprach sich der Rat für verkehrsmindernde Maßnahmen im Bereich der Robert-Schuman-Allee (Petrisberg) aus und unterstützte damit Forderungen der Bürgerinitiative Petrisberg. Petra Lohse sagt, dass die hohen Geschwindigkeiten nicht nur eine erhebliche Lärmbelästigung mit sich brächten, sondern auch erhebliche Gefahren für Fußgänger und Fahrradfahrer bedeuteten. Auf Vorschlag des Ortsteilchefs wird die Verwaltung gebeten, die vorhandene 30er-Beschränkung bis zum Kreisel auszudehnen. LH