Das Comeback der Bürgervertretung

Das Comeback der Bürgervertretung

Mit verjüngtem Vorstand und neuem Namen geht die Freie Wählergemeinschaft ins 25. Jahr ihres Bestehens. Das 2010 eingeführte Kürzel FWG ist ein Auslaufmodell, ab 2017 soll der Verein Unabhängige Bürgervertretung Trier (UBT) heißen - eine klare Anlehnung an die Anfänge 1992, als die Freien unter dem Namen Unabhängige Bürgervertretung Maximini (UBM) starteten.

Trier. Es war ein denkwürdige Jahreshauptversammlung der Freien Wählergemeinschaft Trier (FWG) im Deutschen Hof. Normalerweise handeln die Freien ein gutes Dutzend Tagesordnungspunkte in diskussionsarmen 60 Minuten ab. Diesmal dauerte die Prozedur geschlagene drei Stunden und war geprägt von zwei richtungweisenden Entscheidungen. Die erste ergab sich aus der Vereinssatzung und der Ankündigung von Hermann Kleber (wird am 4. Mai 67), nach Ablauf seiner letzten dreijährigen Amtszeit nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren.
Kleber, der elf Jahre lang an der Spitze der Freien Wähler gestanden hat, wurde mit großem Beifall der knapp 40 anwesenden (von insgesamt 205) Vereinsmitgliedern verabschiedet.
Vorgänger und Vereinsgründer Manfred Maximini nannte ihn einen "guten und erfolgreichen Lotsen" und "loyalen Teamspieler".
Zum Nachfolger wählte die Versammlung bei einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen Hans-Alwin Schmitz (62), Ortsvorsteher von Euren, Stadtratsmitglied und Wunschkandidat der Führungsriege. Die spontan aus der Mitgliedschaft für den Vorsitz vorgeschlagenen Karl Lübeck (56, Kürenz) und Christiane Probst (46, Ruwer) lehnten mit Hinweis auf berufliche Belastungen dankend ab. Probst, Chefin der FWG-Stadtratsfraktion, ließ sich aber in ihrem Amt als Vize-Vorsitzende bestätigen (bei zwei Enthaltungen). Den Stellvertreter-Posten, den Hans-Alwin Schmitz mit seiner Wahl zum Vereinschef freigemacht hat, übernimmt der 59-jährige Eurener Jörg Schädlich (zwei Enthaltungen). Wiedergewählt wurden Schriftführer Marco Berweiler und Schatzmeisterin Beate Schäfer.
Mit ebenfalls großer Einmütigkeit votierte die Versammlung nach langer Diskussionen für die Umbenennung des Vereins in Unabhängige Bürgervertretung Trier, kurz: UBT. Die Namensänderung hatte der alte Vorstand angeregt, weil es immer wieder zu Verwechslungen mit der inzwischen bundesweit aktiven Partei der Freien Wähler kommt. Insofern sei es "im Nachhinein betrachtet, ein Fehler gewesen" 2010 von der alten Vereinsbezeichnung Unabhängige Bürgervertretung Maximini (UBM) abzurücken. Die kommt nun zumindest im Ansatz wieder - aber nicht mehr auf eine Person, sondern auf das Tätigkeitsfeld - Trier - fokussiert.
Eine Rückbenennung in UBM hat der Gründer und heutige Ehrenvorsitzende Manfred Maximini strikt abgelehnt. Er sei ja nicht mehr politisch aktiv, erklärte der 79-Jährige.Meinung

Kleber wird fehlen
Auch wenn Hermann Kleber den Freien als Stadtratsmitglied erhalten bleibt: Sein Abtritt als Vorsitzender ist ein Verlust für den Verein, der sich von Parteien abgrenzt und nur für Trier Politik machen will. Der in den Ruhestand gegangene Romanistik-Professor hat als volksnaher Intellektueller viel für das Image und die Glaubwürdigkeit der Freien getan, die anfangs oft als Mehrheitsbeschaffungsverein für die CDU abgetan worden waren. Ohne Kleber wird die in der Jahresversammlung beschworene Profilschärfung schwerer. Man kann es aber auch positiv sehen. Mit Hans-Alwin Schmitz steht nun ein effektiver und über seinen Heimatstadtteil Euren hinaus geachteter "Schaffer" an der Spitze. Er ist allerdings auch Zögling von Vereinsgründer Manfred Maximini. Insofern gilt nicht nur hinsichtlich der Umbenennung, sondern auch personell die Devise "Zurück zu den Wurzeln". r.morgen@volksfreund.de