Das Demenzzentrum Trier hat Kindern spielend beigebracht, was es bedeutet, wenn Oma und Opa immer wieder Dinge vergessen. Der dabei entstandene Kurzfilm feierte nun Premiere.

Filme : Wenn Vorschulkinder zu Vorbildern werden

Das Demenzzentrum Trier hat Kindern spielend beigebracht, was es bedeutet, wenn Oma und Opa immer wieder Dinge vergessen. Der dabei entstandene Kurzfilm feierte nun Premiere.

„Nimm sie mit hinein!“, ruft  Klaus Michael Nix den Besuchern zu, als er ihnen eine Seifenblase entgegenpustet. Sie versuchen sie festzuhalten – doch sie zerplatzt.

Mit diesem Bild hat das Demenzzentrum Trier versucht, Vorschulkindern die Krankheit Demenz zu erklären. Dabei ist ein Kurzfilm entstanden, der an diesem Abend im Broadway Filmpalast Premiere feiert. Der Film trägt den Titel „Wenn Gedanken wie Seifenblasen zerplatzen“ und wurde von einer Mitarbeiterin von medien&bildung.com produziert.

Die Projektleiter unterrichteten die Kinder der Kindergärten St. Bonfi atius und Herz-Jesu an zehn Vormittagen und brachten sie mit älteren Menschen im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Härenwies oder dem Demenzzentrum zusammen.

Solche „Spiele“ sind auch im Film zu sehen, gepaart mit Sequenzen, in denen Kinder und Senioren zusammen kochen, lachen und sich Geschichten erzählen.

Als Beispiel, wie man den Kindern die Krankheit näher gebracht hat, haben Projektleiterin Jeanette Kohl vom Demenzzentrum und Klaus Michael Nix ein rotes Seil mit ins Kino gebracht. Sie spannen dieses von Kind zu Kind, sodass ein Netz entsteht. Hieran befestigen sie Klammern, die die Kinder als „Neuros“ kennengelernt haben.

Diese Neuronen sind einzelne Gedanken, die eine ältere Frau haben muss, wenn sie Brötchen kaufen geht. Egal ob sie den Wecker stellt, die Jacke anzieht oder ihren Schlüssel mitnimmt – sie muss an einiges denken.

Fällt nun aber eine dieser Klammern herunter, dann vergisst sie diesen Teil. Sie kann sich nicht daran erinnern, dass man eine Jacke anziehen muss, wenn es kalt ist. Jedem passieren solche Dinge ab und zu – kommt es regelmäßig vor, dann nennt man das Demenz.

Moderator Klaus-Michael Nix führt die insgesamt 116 Besucher im Kinosaal durch den Abend. Er selbst findet das Projekt wichtig, der Film solle dabei helfen „Ängste abzubauen“. Matthias Maschke, Ärztlicher Leiter des Demenzzentrums gefällt es besonders, dass man „Menschen zusammenbringt, die professionell mit Demenz arbeiten, und solche, für die die Krankheit neu ist“.

Der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenkreise Trier und Simmern-Trarbach, Carsten Stumpenhorst, zieht einen Vergleich zu einem der bekanntesten Kinderfilme. Genau wie Dorie im Film „Findet Nemo“ bringen auch die an Demenz erkrankten Menschen Fähigkeiten mit, die sie nur wiederfinden müssten.

Auch wenn Ministerpräsidentin und Schirmherrin Malu Dreyer nicht selbst vor Ort sein kann, kommt trotzdem Besuch aus Mainz: Nele Christin Lemke vom Landes-Netz-Werk Demenz bezeichnet die Arbeit, Kindern Demenz zu erklären als „ganz großen Schritt Richtung Zukunft“.

Projektleiterin Jeanette Kohl vom Demenzzentrum macht deutlich, dass es vor dem Start des Projektes durchaus Bedenken gab: „Ob Vorschulkinder das toll finden?“

Schlussendlich müsse man aber sagen, dass ihnen der Kontakt mit den älteren Menschen sehr viel Spaß gemacht habe.

Auch für die Senioren sei die Arbeit toll gewesen: „Einer brachte sogar ein Foto von früher mit, um den Kindern zu zeigen, wie es bei ihm in ihrem Alter war“.

„Wir können die Kinder als Vorbild sehen, denn sie haben keine Berührungsängste mit der Krankheit Demenz.“

Moderator Klaus Michael Nix und Projektleiterin Jeanette Kohl stellen den Kurzfilm „Wenn Gedanken wie Seifenblasen zerplatzen“ vor. Foto: Christian Thome

Diesen Gedanken von Klaus Michael Nix nehmen die Besucher mit nach Hause – auch wenn sie die Seifenblase nicht festhalten konnten.

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