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Das Durchwursteln soll ein Ende haben

Das Durchwursteln soll ein Ende haben

Mit einem Aktionstag wurde in Trier für das Thema Analphabetismus sensibilisiert, von dem allein in der Stadt rund 10 000 Menschen betroffen sind. Ein neues Projekt begann am 1. November, noch bis Samstag gibt es eine Ausstellung in der Volkshochschule.

Trier. Ute Zimmer hatte sich wieder einmal blamiert - aber das war ihr persönlicher Anstoß. "Es reicht. Jetzt lerne ich lesen und schreiben." Unverblümt und offen berichtet die Saarländerin über ihre Vergangenheit als Analphabetin, wie sie sich im Job "durchgewurschtelt" hatte, bis sie sich zu einem Kurs bei der Volkshochschule anmeldete.
Ute Zimmer hat es geschafft, kann jetzt lesen und schreiben, hat einen höher qualifizierten Job - und sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, über das Thema Analphabetismus zu informieren. Daher war sie am Mittwoch einer der Gäste des Aktionstags "Lesen und schreiben - mein Schlüssel zur Welt" in Trier.
An der Mosel sei das Thema Chefsache, wie Rudolf Hahn, Leiter der Aktion "Lernen vor Ort" und Begründer des mittlerweile fast 80 Mitglieder zählenden "Bündnisses für Alphabetisierung und Grundbildung" berichtete. Und Chefsache heißt zum Beispiel, dass sich Oberbürgermeister Klaus Jensen engagiert: "Trier ist sensibilisiert", sagte Jensen. Auch durch das Engagement der Stadt wurde Trier eines von wenigen vom Bundesbildungsministerium mit rund einer halben Million Euro geförderten Projekten, das am 1. November startete (der TV berichtete). Weil über die Hälfte aller bundesweit rund 7,5 Millionen "funktionalen Analphabeten" einer Arbeit nachgeht, setzt dieses Projekt dort an. Nina Krämer, die über "Lernen vor Ort" involviert ist, stellte die geplanten Maßnahmen vor: In Kooperation mit der Wirtschaft, mit Kammern und Gewerkschaften sollen Multiplikatoren für Betriebe geschult werden, die sich ihrer Kollegen annehmen, die nicht richtig lesen oder schreiben können. Zudem werden insgesamt 70 Lesepaten geschult, die ehrenamtlich tätig sein werden. Drei mobile Laptopwagen sollen in Problemstadtteilen, aber auch direkt in Betrieben eingesetzt werden, zudem sollen Lerncafés eingerichtet werden, die Volkshochschule wird zur zentralen Anlaufstelle. "Wir müssen direkt mit den Betroffenen in Kontakt kommen, die Hemmschwelle, sich zu melden, möglichst gering halten", sagte Krämer.
Dass auch die heimische Wirtschaft für das Thema sensibilisiert ist, betonte Kreishandwer kermeister Herbert Tschickardt: "Es gibt zwar noch Jobs, in denen man nicht lesen und schreiben können muss, aber die Zahl wird immer geringer. Angesichts des Fachkräfte- und Azubimangels müssen wir alle Netzwerke anzapfen und unterstützen, um Mitarbeiter zu gewinnen. Wir müssen die Betroffenen ansprechen, denn sie sind nicht dumm, sondern sogar sehr clever, weil sie immer neue Strategien entwickeln, um sich nicht zu outen."
20 Millionen Euro für Forschung


Dass in Trier die Kooperation von Bund, Land und Kommune in diesem Thema sehr funktioniert, unterstrichen Kornelia Haugg vom Bundesbildungsministerium und Brigitte Erzgräber vom Landesbildungsministerium. Aus Berlin werden insgesamt 20 Millionen Euro für Forschungsprojekte wie jenes in Trier zur Verfügung gestellt. Teil der Kampagne ist auch die multimediale Waderausstellung "Mein Schlüssel zur Welt", die noch bis Samstag in de Räumen der Volkshochschule zu sehen ist.