Das Ende der Sommerbühne

Eine Institution der Trierer Kulturszene existiert nicht mehr. Die Sommerbühne des Exzellenzhauses, seit 20 Jahren das Fundament zahlloser Auftritte, Partys und Festivals, wurde abgebaut. Ob das für August geplante Summerblast-Festival stattfinden kann oder verlegt werden muss, ist noch völlig offen.

Trier. Angelo Branduardi hat auf ihr gespielt. Bap-Gründer Wolfgang Niedecken. Kraftklub. Kettcar. Ten Years After. 1995 kamen die Weltstars Herbie Hancock, der geniale Jazz-Pianist, und Chakka Kahn, die Soul-Königin. Ihr Doppelauftritt endete beinahe in einem Eklat, weil der straffe Zeitplan einer Fernsehaufzeichnung und die streng eingehaltene Schlusszeit von 22.30 Uhr nur Kurzauftritte zuließen, zum gewaltigen Ärger des Publikums.Sicherheit und Brandschutz


Der Schauplatz all dieser Höhepunkte ist weg: Die Sommerbühne auf dem Innenhof des Jugendkulturzentrums Exzellenzhaus wurde abgebaut - eine der Folgen der aktuellen Diskussion um Sicherheit und Brandschutz (der TV berichtete mehrmals). "Die Bühne hat einen der Ausgänge des Hofs verstellt", sagt der stellvertretende Hausleiter Martin Schümmelfeder. Er selbst vermag nicht zu sagen, wie genau es hinter der Bühne aussieht, denn sie ist länger vor Ort als er.
Das Jugendkulturzentrum kämpft seit mehreren Wochen mit harten Auflagen in den Bereichen Brandschutz und Sicherheit. Die Position der Sommerbühne ist ebenso wie die Fluchtwege in den Kellerräumen einer der Punkte, die jahrelang geduldet worden sind, jetzt aber so schnell wie möglich behoben werden müssen.
"Wir hoffen, dass sich durch die Behebung dieses Problems die zulässige Höchstkapazität unseres Innenhofs erhöht", sagt Schümmelfeder. Von dieser Kapazität hängen der wirtschaftliche Erfolg und die Zukunft des Exhauses ab. Das Gebäude gehört der Stadt, doch geführt wird das Projekt von einem selbstständigen Betreiberverein, der das Exhaus durch Projekte, Partys und Konzerte zur Hälfte finanziert. Der wirtschaftliche Erfolg ist in Gefahr, denn die Stadt hat die maximale Besucherkapazität stark eingeschränkt und auf 350 in allen Räumen begrenzt.
Wie viele Fans in den Innenhof dürfen, ist noch nicht geklärt. Auch die Frage, ob das Exhaus überhaupt noch in der Lage ist, Veranstaltungen mit schwarzen Zahlen auf die Beine zu stellen, kann zurzeit niemand definitiv beantworten.
Die Stadt hat eine sogenannte Task Force gegründet - einen Expertenkreis, der das Exhaus unbeschadet durch eine Phase des Umbaus und der Sanierung führen soll. Bisher hat dieses Gremium einmal getagt. "Man spürt deutlich, dass die Stadtverwaltung das Problem verstanden hat und wirklich mit aller Entschlossenheit versucht, zu helfen und uns zu unterstützen", sagt Martin Schümmelfeder.
Eine neue Bühne für den Innenhof und ein Ort für die Festivals, die ursprünglich auf der Sommerbühne geplant waren - das sind zwei der Prioritäten der Task Force. Das Jugendparlament der Stadt Trier hat für den 17. Juli zum Rock\'n\'Summer-Open-Air eingeladen. Am 15. August soll das Summerblast-Festival laufen. Noch gibt es keine Lösung für diese Veranstaltungen. Ein Insider berichtet, die Task Force ziehe eine Verlegung in die Arena in Erwägung. Im Laufe der Woche soll eine Entscheidung fallen.Meinung

Absage inakzeptabel
Situationen wie diese machen den Brandschutz und die Sicherheit - zweifellos zwei der wichtigsten Themen im öffentlichen Raum - zu bürokratischen Schwarzen Petern. Vor allem die Sport- und Kulturszene nimmt die Verwaltung als Blockierer und Verhinderer wahr. Natürlich täuscht dieser Eindruck. Die Sicherheit hat höchste Priorität. Probleme entstehen, wenn die Gewährleistung der Sicherheit und die Umsetzung des Brandschutzes wichtige und beliebte Einrichtungen gefährden oder komplett unbrauchbar machen. Und zwar ohne jede Vorwarnung. Der Abriss der Sommerbühne in der Open-Air-Startphase ist dafür ein perfektes Beispiel. Eine Absage aller Trierer Open-Air-Festivals ist inakzeptabel. Die schnelle Bereitstellung mobiler Bühnen wäre eine Not-, aber keine Dauerlösung. Eine Verlegung ist eine enorm schwierige Aufgabe, denn die Räume in Trier sind eng. Die Stadt kann jetzt beweisen, dass sie es ernst meint mit der Rettung des Exhauses. j.pistorius@volksfreund.de

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